Ungewöhnlich & teuer

Jaguar Type 01: Die meinen das wirklich ernst!

Motor
07.10.2026 23:26
Porträt von krone.at
Von krone.at

Jaguar gibt sich auf – und erfindet sich radikal neu: Der elektrische GT Type 01 soll ab 2027 mit Allradantrieb und Luxusausstattung im oberen Luxus-Segment wildern. Der Auftritt des Serienmodells ist zumindest gewöhnungsbedürftig.

Der elektrisch angetriebene viertürige Grand Tourer markiert den Ausstieg der Briten aus dem volumengetriebenen Premium-Segment. Dort versuchte der Hersteller bislang Konkurrenten wie BMW oder Mercedes Marktanteile abzujagen. Stattdessen positioniert sich Jaguar künftig als reine Luxusmarke im deutlich höherpreisigen Umfeld, in dem Stückzahlen zugunsten von hohen Margen in den Hintergrund rücken.

Geschäftsführer Rawdon Glover geht davon aus, dass die USA der wichtigste und größte Einzelmarkt für das Modell werden – weshalb dessen pompös inszenierte Weltpremiere in New York stattfand.

Die Auslieferungen sollen Mitte 2027 starten. Der Einstiegspreis wird bei rund 160.000 Euro liegen. Damit verdoppelt Jaguar sein bisheriges Netto-Preisniveau in etwa. Mit dem Type 01 zielt der Hersteller auf wohlhabende Käufer, die bislang performante Luxus-Stromer vom Schlag eines Porsche Taycan oder Lotus Emeya wählten. Zudem nimmt Jaguar künftige elektrische Oberklasse-Modelle wie den angekündigten Bentley Torcal ins Visier. Günstigere Einstiegsvarianten mit kleineren Akkus, abgespeckter Basisausstattung oder schwächeren Antrieben schließt die Marke des JLR-Konzerns (Jaguar Land Rover) von vornherein kategorisch aus.

(Bild: Jaguar)
(Bild: Jaguar)
(Bild: Jaguar)
(Bild: Jaguar)
(Bild: Jaguar)
(Bild: Jaguar)
(Bild: Jaguar)
(Bild: Jaguar)
(Bild: Jaguar)

Ein ziemliches Trumm Auto
Der optische Auftritt des 5,23 Meter langen und 1,40 Meter flachen Fahrzeugs bricht mit bekannten Designkonventionen der Briten. Auffällig ist die gestreckte Silhouette mit extrem kurzem vorderem Überhang, langer Motorhaube und steilem Heckabschluss. Die sogenannte „Luxuslücke“ – der Abstand zwischen der Vorderachse und der vorderen Türkante – macht mit fast 90 Zentimetern 17 Prozent der Gesamtlänge aus und soll an den historischen E-Type erinnern. Die Limousine rollt zudem auf gewaltigen Rädern mit Reifen im Format 255/35 R 23 vorn und 295/30 R 24 hinten. Damit nehmen die Räder mehr als die Hälfte der gesamten Fahrzeughöhe ein und füllen die Radkästen massiv aus. 

Klassische Embleme treten zudem in den Hintergrund. So findet sich etwa das Markenemblem der springenden Raubkatze nur noch als Lasergravur auf einer seitlichen Metallleiste. Trotz der steilen Frontpartie erreicht der Type 01 einen Luftwiderstandsbeiwert von 0,23. Verdeckte Lüftungsklappen öffnen sich nur bei akutem Kühlbedarf. Die flachen LED-Scheinwerfer verfügen über je 17.000 Pixel. Die Karosserieflanken sind mit hohem Aufwand nahtlos gestaltet. Das hintere Seitenteil wird beispielsweise unter 2500 Tonnen Druck in sechs Stufen kaltgepresst. Rahmenlose Türen gehen ohne sichtbare Fensterdichtungen direkt ins Blech über. Am Heck fehlt eine Glasscheibe; stattdessen sitzt dort eine Klappe mit ausfahrbarem Spoiler. 

Die technische Basis bildet die neue JEA-Plattform (Jaguar Electric Architecture) mit 850 Volt Spannung, die ausschließlich für batterieelektrische Fahrzeuge entwickelt wurde. Der darauf aufgebaute Type 01 besteht zu 73 Prozent aus Aluminium und soll dennoch eine hohe Torsionssteifigkeit bieten. Um im flachen Fahrzeugboden ausreichend Bauraum für den großen Energiespeicher zu gewinnen, entwarfen die Entwickler eine spezielle dreieckige Crashstruktur in der Frontpartie. Diese Konstruktion ermöglicht es, einen Teil des Batteriepakets bereits weit vor der eigentlichen Fahrgastzelle unterzubringen, ohne die niedrige Gesamthöhe des Fahrzeugs oder den Fußraum für die Insassen einzuschränken.

(Bild: Jaguar)
(Bild: Jaguar)
(Bild: Jaguar)
(Bild: Jaguar)

Drei Motoren, zwei gelenkte Achsen
Für den Vortrieb sorgen drei Elektromotoren: Eine 260 kW/354 PS starke Maschine an der Vorderachse sowie zwei Motoren mit jeweils 310 kW/421 PS hinten. Die Systemleistung summiert sich auf 757 kW/1030 PS, das maximale Drehmoment auf 1365 Newtonmeter. Aus dem Stand beschleunigt der Allradler in 3,2 Sekunden auf Tempo 100, der Zwischensprint von 100 auf 180 km/h ist in 4 Sekunden erledigt. 

Siliziumkarbid-Wechselrichter steuern die radselektive Antriebsmomentverteilung im Millisekundentakt. Ein Fahrwerk mit aktiven Doppelventil-Dämpfern, Luftfedern und einer Allradlenkung soll für Komfort und Handlichkeit sorgen. Bei niedrigem Tempo schlagen die Hinterräder bis zu sechs Grad ein, was weniger Arbeit am Lenkrad bedeutet.

Ladeleistung nicht atemberaubend
Als Stromspeicher dient eine Lithium-Ionen-Batterie mit 118 kWh nutzbarer Kapazität. Nach WLTP-Norm peilt Jaguar eine Reichweite von bis zu 720 Kilometern an; bei konstant 120 km/h auf der Autobahn sollen 515 Kilometer verbleiben. Dank der 850-Volt-Technik lädt der Akku mit bis zu 350 kW Gleichstrom. Ein Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent dauert rund 22 Minuten; Strom für 321 Kilometer fließt in 13 Minuten nach. Die Thermomanagement-Software nutzt Abwärme der Motoren, um Heizleistung bereitzustellen. Duale AC-Ladeanschlüsse auf beiden Seiten erleichtern zudem das Wechselstromladen mit bis zu 22 kW. 

Das Laden bindet Jaguar – wie andere Hersteller auch – in ein eigenes digitales Ökosystem ein. Über die Jaguar -App lassen sich Routen inklusive Ladestopps planen und freie Säulen in Echtzeit lokalisieren. Ein einziges Konto soll die Abrechnung für diverse europäische Ladenetze monatlich bündeln. Für die heimische Garage bieten die Briten eine vernetzte Wallbox mit fest integriertem 7,5-Meter-Kabel, die per App gesteuert wird. Die Vorkonditionierung stellt sicher, dass der Akku vor Fahrtantritt oder vor dem Ladestopp bereits vortemperiert ist. Im Cockpit lässt sich der Ladevorgang auch über den Touchscreen regeln.

Display in der Soundbar statt Spiegel
Den Innenraum teilt eine massive Mittelachse, die vier separate Sitzbereiche schafft. Auch wenn das Auto nominell als Viersitzer ausgelegt ist, stoßen 1,80 Meter große Personen im Fond fast an den Dachhimmel, was der stark abfallenden Silhouette geschuldet ist. Da die Heckscheibe komplett fehlt, blickt der Fahrer über einen digitalen Kameraspiegel nach hinten, der in einer durchgehenden Soundbar unter der Windschutzscheibe sitzt. Herkömmliche Türlautsprecher entfallen. Stattdessen sorgen 38 Meridian-Lautsprecher, die teils direkt in die Sitze integriert sind, für den Raumklang. Bezogen ist das Interieur wahlweise mit Leder oder Wollgeweben. 

Das Cockpit prägt ein geschwungenes 24-Zoll-OLED-Display für Instrumente und Infotainment, ergänzt um zwei Sieben-Zoll-Touchscreens für Klimatisierung und Komfortfunktionen. Der zentrale Rechner von Nvidia soll zehnmal schneller als bisherige Systeme arbeiten. Der Sprachassistent soll auch komplexe, mehrstufige Befehle in 18 Sprachen verstehen. Over-the-Air-Updates halten die Software aktuell. Zehn Kameras, fünf Radare und zwölf Ultraschallsensoren liefern die Daten für die Fahrassistenten – damit die Raubkatze im neuen Revier möglichst sicher und souverän unterwegs ist.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

krone.tv

Top 3
KMM
Top Gutscheine
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung