Im Salzburger Seenland denkt ein ganzes Dorf Bio und das seit 25 Jahren. Am 16. und 17. Oktober wird dieses Jubiläum mit den Bio-Tagen gebührend gefeiert.
Seeham im Salzburger Seenland feiert 25 Jahre Biodorf. Wer den Ort besucht, begegnet der Idee nicht nur auf Bauernhöfen: Sie steckt im Einkaufskorb, auf dem Teller und in vielen Gesprächen.
Beim Abendessen im „Das Seeham“ sitzen Renate Schaffenberger und ich zusammen. Sie ist Geschäftsführerin des Tourismusverbands Seeham und kennt die Geschichte des Biodorfs. Später nehme ich mir Zeit für ein Gespräch mit Sammy, dem Wirt. Er erzählt, dass er gerade ein neues Hotel in Seeham einrichtet. Wer hier investiert, muss an die Zukunft der Region glauben. Nach diesem Abend möchte ich genauer wissen, was das Wort „Biodorf“ für die Menschen in Seeham bedeutet.
Die Antwort beginnt gleich nebenan. Im BioArt Campus, in dem auch das Restaurant untergebracht ist, gehe ich durch den Bio-Supermarkt. Es gibt Brot, Gemüse, Fleisch und vieles andere für den täglichen Einkauf. Dann entdecke ich Bio-Putzmittel, Kosmetik und Bücher. Ich bleibe länger, als ich vorhatte. So einen Laden würde ich mir auch bei uns wünschen.
Das klingt nach einer kleinen, persönlichen Beobachtung. Für mich sagt sie aber mehr über Seeham aus als jede Auszeichnung: Bio endet hier nicht bei einer Spezialität, die man im Urlaub einmal probiert. Man kann ganz gewöhnliche Besorgungen machen und dabei anders einkaufen.
Wenn alle zusammenhalten – eine Idee wird 25!
Seit einem Vierteljahrhundert beschäftigt sich Seeham am Obertrumer See mit der Frage, wie ein Dorf biologisch und nachhaltig wirtschaften kann. Heute arbeiten annähernd 80 Prozent der Bauernhöfe biologisch. Laut Gemeinde wird in Kindergarten und Schule zu 100 Prozent biologisch gekocht. Seeham erhielt den Österreichischen Klimaschutzpreis und wurde von der EU-Kommission als „Best Organic City“ ausgezeichnet.
ALLGEMEINE INFOS:
www.salzburger-seenland.at
www.salzburgerland.com
ÜBERNACHTEN:
Hotel Landgasthof zum Altwirt in Seeham: www.altwirt.at
RESTAURANT-TIPP:
Weyringer, Henndorf am Wallersee, herrliche Terrasse, kreative Küche; man merkt, dass der Inhaber Emanuel Weyringer ein weitgereister Küchenchef ist, der die Gäste auf eine faszinierende Genuss-Expedition durch die Welt entführt.
www.weyringer-wallersee.at, 06214/61872
GUT ZU WISSEN
Zahlen und Preise erklären allerdings noch nicht, weshalb das Thema hier so greifbar wird. Dafür lohnt sich der Besuch im BioArt Campus. Der Laden, Lebensmittel-Manufakturen, Kurse und „Das Seeham“ liegen unter einem Dach. Stanka und Sammy empfangen dort ihre Gäste. Auf der Karte stehen unter anderem Flammkuchen und selbst gemachtes Softeis aus regionaler Bio-Heumilch. Beim Essen und Reden wird klar, dass hinter dem Begriff Biodorf Menschen stehen, die Betriebe führen, Ideen ausprobieren und an ihrem Ort festhalten.
Auch meine Nacht im Landgasthof zum Altwirt gehört zu diesem Eindruck. Das Haus wird von der Familie Leobacher geführt; mehrere Familienmitglieder arbeiten mit. Seeham erschließt sich eben nicht allein bei einem Rundgang durch den Campus. Man muss den Menschen ein wenig Zeit geben.
Und dann rollt die Kugel: Spiel und Spaß für alle
Mit Manuela Bacher, Geschäftsführerin von Salzburger Seenland Tourismus, sehe ich mir anschließend einige der neuen Kugelbahnen in der Region an. Ein Tischler hat sie eigens gefertigt; jede Station verlangt den Kugeln und ihren Spielerinnen und Spielern etwas anderes ab.
Bei der Kneippanlage in Obertrum lässt sich das Spiel gut mit einer Pause verbinden. In Straßwalchen liegt eine Bahn beim Generationenpark nahe dem Seniorenwohnhaus. Dort interessieren sich nicht nur Kinder für das Geschehen.
Das ist ein schöner Übergang vom Biodorf zum Salzburger Seenland. Wer wegen Seeham kommt, kann den Besuch verlängern: für ein Essen bei Weyringer am Wallersee, einen Familienausflug zu den Kugelbahnen oder einen Abstecher nach Oberndorf. Dort wurde „Stille Nacht, heilige Nacht“ 1818 erstmals gesungen. Doch der Anlass für diese Reise bleibt Seeham. Wenn das Biodorf sein 25-jähriges Bestehen feiert, lässt sich an einem Ort erkunden, was aus einer Idee im Lauf der Jahre geworden ist.
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