40 Autos im Test

Wie gut ist Sprachbedienung im Auto wirklich?

Motor
04.10.2026 11:00
Porträt von krone.at
Von krone.at

Autohersteller ersetzen immer mehr Schalter durch Touchscreens und verweisen bei Kritik gern auf die Sprachsteuerung, mit der man ja alles regeln könne. Aber funktioniert das wirklich? Jein, sagt der ADAC.

„Mir ist kalt“ – und das Auto erhöht die Temperatur. „Die Scheibe beschlägt“ – und die Defrost-Funktion startet. Moderne Sprachassistenten verstehen längst mehr als jene starren Kommandos, die man früher in möglichst deutlicher Robotersprache aufsagen musste.

Der ADAC wollte nun wissen, ob Sprachsteuerung tatsächlich jene klassischen Schalter ersetzen kann, die aus immer mehr Cockpits verschwinden. Dafür wurden 40 aktuelle Autos vom Dacia Duster bis zu Oberklassemodellen mit insgesamt 18 Aufgaben konfrontiert. 

Das Ergebnis fällt gemischt aus: 16 Fahrzeuge erhielten „gut“, 14 „befriedigend“, sieben „ausreichend“ und drei „mangelhaft“. 

BMW 5er versteht 16 von 18 Befehlen
Am besten schnitt der BMW 5er ab. Er erledigte 16 der 18 Aufgaben und erhielt bei Klimatisierung und Infotainment jeweils die Bewertung „sehr gut“. Nur bei einzelnen Licht- und Sichtfunktionen gab es Grenzen. 

Ebenfalls mit „gut“ bewertet wurden unter anderem Mercedes CLA EQ und CLE, Tesla Model Y, VW Golf und ID.7, Skoda Elroq und Superb, Nissan Leaf, Volvo EC40 und ES90 sowie Ford Capri. 

Am anderen Ende stehen Dacia Duster und Jogger sowie Suzuki e-Vitara mit „mangelhaft“. Bei den beiden Dacia liegt das unter anderem daran, dass Sprachbedienung nur über ein gekoppeltes Smartphone möglich ist. 

Navi klappt – Warnblinker nicht
Bei Infotainment-Funktionen sind Sprachassistenten inzwischen in ihrem Element. Navigationsadressen eingeben, Kontakte anrufen oder Radiosender auswählen funktioniert bei vielen Fahrzeugen zuverlässig. Gerade dort sieht der ADAC einen echten Sicherheitsvorteil gegenüber der Bedienung auf einem Touchscreen. 

Deutlich schlechter sieht es bei grundlegenden Fahrzeugfunktionen aus. Nur vier von 40 Autos konnten Abblendlicht und Nebelschlussleuchte direkt per Sprachbefehl einschalten. Den Scheibenwischer verstanden gerade einmal zwei Modelle. Den Warnblinker konnte kein einziges getestetes Fahrzeug per Sprachkommando aktivieren. 

Eigentlich soll „Hey BMW!“ die Sprachsteuerung im BMW iX3 aktivieren. Tatsächlich reagiert das ...
Eigentlich soll „Hey BMW!“ die Sprachsteuerung im BMW iX3 aktivieren. Tatsächlich reagiert das System bereits, wenn man nur „BMW“ sagt. Das führt häufig zu Fehlbedienung. Deshalb deaktivieren viele den Zuruf und nutzen die Taste am Lenkrad.(Bild: Uwe Fischer)

Auch bei Assistenten herrscht Funkstille
Besonders deutlich zeigt sich das beim Abschalten von Fahrerassistenzsystemen. Der ADAC prüfte unter anderem Geschwindigkeitswarner und Spurhalteassistent. Nur bei drei Fahrzeugen ließen sich beide Funktionen direkt per Sprache deaktivieren. Fünf weitere öffneten zumindest das entsprechende Menü. Bei den übrigen 32 Autos half die Sprachsteuerung überhaupt nicht weiter. 

Gerade hier liegt ein praktisches Problem: Viele Assistenzsysteme aktivieren sich nach jedem Fahrzeugstart erneut. Wer sie abschalten will, muss sich bei manchen Autos durch mehrere Ebenen des Touchscreens tippen.

Eine gute Sprachsteuerung könnte diese Ablenkung vermeiden. In der Praxis ist sie dafür bislang aber kaum ausgelegt.

Klima funktioniert deutlich besser
Bei Heizung und Klimaanlage sieht es wesentlich besser aus. Temperatur, Gebläse oder Sitzheizung lassen sich bei vielen Testautos per Sprache steuern. Trotzdem stellt der ADAC auch hier fest: Ein echter Drehregler oder eine Taste ist häufig noch schneller. Wer einfach nur die Temperatur um zwei Grad verändern möchte, braucht dafür weder Sprachassistent noch Menüstruktur. 

Und Sprache hat weitere Grenzen. Sie kann störend sein, wenn sich Insassen unterhalten, jemand schläft oder gerade telefoniert wird. Komplexere Sprachbefehle werden zudem häufig über externe Server verarbeitet. Ohne Datenverbindung können manche Funktionen deshalb eingeschränkt sein oder ganz ausfallen; langfristig können außerdem Kosten für entsprechende Online-Dienste entstehen. 

Die beste Lösung ist nicht entweder oder
Der Test liefert damit vor allem ein Argument gegen jene Cockpits, in denen möglichst jeder Knopf eingespart wird. Für Navigation, Telefon, Medien und selten benötigte Einstellungen kann Sprache inzwischen sehr gut funktionieren. Touchscreens eignen sich für Karten und komplexe Darstellungen. Doch Funktionen, die schnell und zuverlässig erreichbar sein müssen, gehören nach Ansicht des ADAC weiterhin auf physische Bedienelemente.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Top 3
KMM
Top Gutscheine
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung