So, 16. Dezember 2018

"Interview" abgesagt

18.12.2014 10:00

Kinos in USA und Sony "kapitulieren" vor Hackern

Die Drohung hat ihre volle Wirkung gezeigt: Nachdem die Sony-Hacker am Dienstag all jenen Kinobesuchern, die sich die Filmkomödie "Das Interview" ansehen wollen, mit einem "mit dem 11. September 2001 vergleichbaren Angriff" gedroht hatten, hat sich laut einem Medienbericht am Mittwoch die Mehrheit der US-Kinobetreiber dazu entschieden, den Film vorerst nicht zu zeigen. Sony zog kurz darauf nach und kündigte an, den Film gar nicht mehr zu veröffentlichen – eine in der jüngeren Hollywood-Geschichte beispiellose Vorgehensweise, die deutlich macht, wie tief die Angst vor Terrorismus mittlerweile in der US-Gesellschaft verwurzelt ist.

"Angesichts der Entscheidung einer Mehrheit unserer Kinobetreiber, den Film 'Das Interview' nicht zu zeigen, haben wir beschlossen, den für den 25. Dezember geplanten Kinostart abzusagen", zitierten zahlreiche US-Medien am Mittwochabend aus einer Mitteilung des Filmstudios. "Wir respektieren und verstehen die Entscheidung unserer Partner und teilen natürlich auch ihr vorrangiges Interesse an der Sicherheit ihrer Angestellten und Kinobesucher", begründete Sony die Entscheidung zum Rückzug des Films aus den Kinos.

Zudem habe sich Sony auch gegen jede andere Form der Veröffentlichung des Films entschieden, sei es als Video auf privaten Kabelkanälen oder auf DVD, zitierte das Magazin "Variety" eine Sony-Sprecherin.

"Unamerikanischen Akt der Feigheit"
Schauspieler zeigten sich enttäuscht von der Absage. "Ein trauriger Tag für die Kreativität", schrieb Steve Carell bei Twitter. Sein Kollege Ben Stiller betonte: "Es ist wirklich schwer zu glauben, dass das die Antwort auf eine Bedrohung der freien Meinungsäußerung hier in Amerika ist." Talkmaster Jimmy Kimmel sprach gar von einem "unamerikanischen Akt der Feigheit, der terroristische Handlungen bestätigt und einen ungeheuerlichen Präzedenzfall schafft".

Kinos wollten Film nicht zeigen
Zuvor hatten zahlreiche große Kino-Ketten in Nordamerika mitgeteilt, den Film nicht zeigen zu wollen, darunter die viertgrößte US-Kinokette Carmike Cinemas. Die für Donnerstag geplante New Yorker Premiere wurde ebenfalls abgeblasen. Wie der "Hollywood Reporter" berichtete, verzichtet das Landmark's Sunshine Cinema darauf, den Film zu zeigen. Die Angreifer hätten in E-Mails an Reporter konkrete Drohungen mit Verweis auf den 11. September 2001 veröffentlicht.

Hollywood-Studios machten Druck auf Kinos
Einem unbestätigten Medienbericht zufolge soll auch die Hollywood-Konkurrenz von Sony bei dem vorläufigen Kino-Aus des Films ihre Finger im Spiel gehabt und Druck auf die Kinobetreiber ausgeübt haben. Zu groß sei die Angst der Studiobosse davor, die US-Bürger könnten ausgerechnet in der lukrativen Weihnachtswoche aus Sorge vor einem Anschlag den Lichtspielhäusern des Landes fernbleiben.

Obama beschwichtigt
US-Präsident Barack Obama empfahl den Amerikanern, trotz aller Drohungen "ohne Angst ins Kino" zu gehen. Vorerst seien die Drohungen nicht glaubwürdig, deutete er am Abend in einem Interview von "ABC News" an. "Wir bleiben wachsam, und wenn wir etwas sehen, das bedrohlich und glaubwürdig aussieht, werden wir die Öffentlichkeit warnen", sagte er.

Sony selbst hatte nach der Terrordrohung den Kinos die Entscheidung überlassen, ob sie den Streifen bringen wollen - ein beispielloses Vorgehen für Hollywood, wie das "Wall Street Journal" berichtete. Normalerweise stünden die Spielpläne Monate im Voraus fest.

USA vermuten Nordkorea hinter Angriff
In "Das Interview" geht es um ein fiktives Mordkomplott gegen den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un, weshalb vermutet wird, dass die Hacker aus Nordkorea stammen. Nordkorea selbst bestreitet, in den Angriff auf Sony Pictures verstrickt zu sein.

Ermittler seien sich jedoch "zu 99 Prozent sicher", dass die Hacker im Auftrag der nordkoreanischen Regierung gearbeitet hätten, berichtete die "Washington Post". Washington werfe dem nordkoreanischen Nordkorea "eine zentrale Rolle" bei dem Angriff auf die Daten von Sony, berichtete auch die "New York Times" unter Berufung auf namentlich nicht genannte Regierungsvertreter. Die US-Regierung wäge eine Reihe von Optionen ab, sagte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats der Zeitung. Eine offizielle Erklärung der Behörden wird für Donnerstag erwartet.

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