„Es ist ein großartiger Tag für die Eltern in Alabama“, frohlockte der Generalstaatsanwalt des US-Bundesstaates am Freitag nach einem Vergleich mit der Videoplattform TikTok. Neben der Zahlung von 100 Millionen Dollar (rund 87,70 Mio. Euro) sorgen vor allem eine Reihe von Einschränkungen bei der Nutzung der App durch Minderjährige für Aufsehen. Unter anderem wird die Nutzungszeit für junge Menschen auf zwei Stunden begrenzt.
Zudem wird der Zugriff dem Vernehmen nach für Kinder und Jugendliche in der Zeit von Mitternacht bis 6 Uhr früh gesperrt. Während der Unterrichtszeit sollen Jugendliche nicht über die Veröffentlichung neuer Inhalte benachrichtigt werden. Auch sind „Zwangspausen“ nach 15 Minuten ununterbrochener Nutzung geplant.
Schutz vor erwachsenen Usern
Die Auffindbarkeit von Jugendkonten durch Erwachsene wird eingeschränkt. Außerdem müssen Eltern über verdächtige Interaktionen zwischen Jugendlichen und Erwachsenen informiert werden. Gleichzeitig sollen Altersüberprüfungen verschärft und Schönheitsfilter für Teenager abgestellt werden. Erziehungsberechtigte erhalten leichter nutzbare Möglichkeiten, Nutzungsdauer, Inhalte und Privatsphäre-Einstellungen ihrer Kinder zu kontrollieren und Informationen über deren Aktivitäten zu erhalten. TikTok wird auch aufgefordert, die Content-Moderation für Minderjährige zu verschärfen.
„Heute Abend können Eltern in Alabama beruhigter sein, da sie wissen, dass wirksame Schutzmaßnahmen bestehen, um ihre Kinder vor den Gefahren einer Social-Media-Sucht zu bewahren“, hielt Generalstaatsanwalt Steve Marshall am Freitag nach der Einigung unmittelbar vor Beginn eines Gerichtsprozesses zwischen TikTok und dem Bundesstaat Alabama fest. Alabama hatte TikTok und dessen chinesische Muttergesellschaft ByteDance im April 2025 verklagt. Die Video-App verführe junge Nutzer ähnlich wie „Spielautomaten“, hieß es in der Klage. Ermittler, die sich als 13- bis 15-Jährige registrierten, bekamen demnach unter anderem Videos über Suizide, Selbstverletzungen, Essstörungen sowie Alkohol und Sex angezeigt.
Der US-Staat warf TikTok zudem vor, Eltern über Schutzfunktionen für Minderjährige getäuscht zu haben. TikTok hatte die Vorwürfe zurückgewiesen und sich auf ein US-Bundesgesetz berufen, das Online-Plattformen von einer Haftung für von Nutzern veröffentlichte Inhalte entbindet.
Prozess abgewendet, TikTok erleichtert
TikTok zeigte sich am Freitag ebenfalls zufrieden über die Einigung, mit der der Prozess abgewendet werden konnte. „Für TikTok war es schon immer Priorität, einen sicheren und positiven Raum zu schaffen“, teilte ein Unternehmenssprecher der Nachrichtenagentur AFP mit. Der Konzern werde „unsere bewährten Sicherheitsfunktionen zum Schutz von Kindern kontinuierlich weiterentwickeln“.
Auch die EU geht gegen Plattform vor
Die Vereinbarung ist zwar nur für Alabama unmittelbar verbindlich. Inhaltlich ähnelt sie allerdings stark dem erst im August geschlossenen Vergleich zahlreicher US-Bundesstaaten mit Meta über Instagram und Facebook. Außerdem gibt es auch in Europa ähnliche Debatten bzw. auch bereits Klagen. Auch hier wird auf Sucht fördernde Funktionen, des Umgangs mit Minderjährigen und möglicher Schäden für die psychische Gesundheit hingewiesen. Allerdings handelt es sich überwiegend um Zivilklagen von einzelnen Familien und Verbänden oder behördliche Verfahren, nicht um exakt dieselbe Art von Klage eines US-Bundesstaates.
EU-Kommission geht ebenfalls gegen TikTok vor. Sie hat bereits 2024 ein förmliches Verfahren wegen möglicher Verstöße gegen den Digital Services Act eingeleitet. Im Februar 2026 stellte sie vorläufig fest, dass das suchtfördernde Design der Plattform gegen EU-Recht verstoßen könnte.
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