Warum rauben uns dramatisierte Krokodil-Angriffe und künstlich erzeugte Heldenreisen heute den Schlaf, während uns die Tierfilme früherer Tage noch beruhigt ins Bett entließen? In seiner aktuellen Kolumne wirft Stefan Vögel einen humorvollen Blick auf vermenschlichte Zebras, manipulative Schnitttechniken und die Frage, warum Tiere eigentlich selten englische Vornamen tragen.
Ich kann mir keine Tierfilme mehr anschauen. Es nimmt mich psychisch zu sehr mit. Manchmal leide ich mit afrikanischen Leopardenbabys inzwischen mehr als mit meinen eigenen Kindern. Unlängst etwa musste ich erleben, wie ein kleines Zebrakind namens „Dazzle“ den reißenden Mara-Fluss in der Serengeti überqueren wollte – und mit „reißend“ meine ich weniger das Wasser des Mara als vielmehr die Krokodile, Löwen, Hyänen und schließlich auch Geier, welche die von der Evolution aussortierten Exemplare der Gattungen Zebra und Gnu am Ende auf dem Speiseteller hatten. Ich übertreibe nicht: Es war ein Massaker und mittendrin die kleine „Dazzle“, die wie durch ein Wunder überlebt hat. Zumindest vermittelte mir das die Tierdokumentation.
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