Das neue Reformpaket von Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) sieht unter anderem mehr finanzielle Mittel und mehr Autonomie für die Schulen vor. Elf Standorte in Vorarlberg mit großen sozialen oder sprachlichen Herausforderungen sollen davon profitieren.
Das Reformpaket von Bildungsminister Wiederkehr verändert vor allem die Verteilung der Ressourcen im Land. Durch den neu geschaffenen Chancenbonus erhalten Schulen mit besonders großen sozialen oder sprachlichen Herausforderungen Unterstützung. In Vorarlberg profitieren elf Volks- und Mittelschulen von den neuen Bundesmitteln. Österreichweit stehen dafür jährlich rund 65 Millionen Euro und bis zu 800 zusätzliche Stellen bereit. Welche Fachkräfte vor Ort gebraucht werden – ob mehr Lehrpersonal, Schulsozialarbeit oder Psychologen -, entscheiden die Vorarlberger im Rahmen ihrer Autonomie. Damit erhalten im Ländle deutlich mehr Schulen eine gezielte Unterstützung als bisher.
Lob für den Minister aus den eigenen Reihen gab es von der Vorarlberger Klubobfrau Claudia Gamon. Im Rahmen einer Pressekonferenz am Mittwoch betonte sie, dass durch das Reformpaket erstmals mehrere Maßnahmen ineinandergreifen, um Schulleitungen zu entlasten und Chancen gerechter zu verteilen. Für Vorarlberg sei dabei entscheidend, dass die neuen Gelder des Bundes zusätzlich zu den bisherigen Landesmitteln wirken.
Bildungssprecherin Katharina Fuchs unterstrich die Chance für das Ländle: „Mit dem Chancenbonus werden völlig neue Grundlagen geschaffen, jetzt liegt der Ball bei der Vorarlberger Landesregierung, diesen Schwung zu nutzen und gemeinsam für bessere Bedingungen an den Schulen zu sorgen.“
Schulpsychologie wird aufgestockt
Neben dem Chancenbonus umfasst das Paket weitere Maßnahmen, die direkt in den Vorarlberger Klassenzimmern ankommen. Die Schulpsychologie wird österreichweit um 70 Stellen aufgestockt. Zudem bekommen die Bildungshäuser mehr Spielraum bei der Deutschförderung, um individuell auf die Kinder einzugehen, ergänzt durch die verpflichtende Sommerschule. Zur Entlastung der Direktionen wird an größeren Schulen ein mittleres Management eingerichtet, damit sich Schulleitungen wieder stärker auf die Pädagogik konzentrieren können. Gleichzeitig wird Verwaltungsaufwand abgebaut.
Gespräche bei Problemen werden Pflicht
Bei Problemen wie Schulabbruch oder Suspendierungen greift das System künftig früher ein. Verpflichtende Perspektivengespräche ab der neunten Schulstufe sowie individuelle Förderpläne nach Suspendierungen sollen Jugendliche verlässlich begleiten. Ab dem Herbst sorgen zudem transparente Schuldaten für eine bessere Grundlage bei der Weiterentwicklung der Standorte.
Für Vorarlberg kommt dieses Paket aus Sicht der Neos zu einem wichtigen Zeitpunkt. Die jünsten iKMPLUS-Studienergebnisse hatten gezeigt, dass Vorarlberger Volksschulkinder der vierten Schulstufe im Bundesländervergleich weit hinten liegen – vor allem beim Lesen, Schreiben und in Mathematik. Fuchs kritisiert in diesem Zusammenhang die Reaktion der Vorarlberger Bildungslandesrätin, die die schwachen Ergebnisse zunächst als Auftrag an den Bildungsminister gesehen hatte. Sobald er zusätzliche Ressourcen bereitgestellt hätte, hätte Schöbi-Fink im Land den Rotstift angesetzt. „Vorarlberg benötigt Zusatzmittel und keine Verschiebung der Kosten vom Land zum Bund“, ärgerte sich Fuchs.
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