Die Ergebnisse der jüngsten PISA-Studie und die Debatte um den bundesweiten Chancenbonus für Schulen sorgen in Vorarlberg für politische Diskussionen. Während die Neos das neue Fördermodell als eigenen Erfolg verbuchen, verweist die Bildungssprecherin der Vorarlberger Volkspartei, Veronika Marte, auf die langjährige Vorreiterrolle des Landes.
Das vom Bildungsministerium angekündigte Chancenbonus-System soll künftig jene Schulen finanziell und personell unterstützen, die vor besonders großen sozioökonomischen Herausforderungen stehen. Dass die Neos dieses Modell nun als ihr Verdienst verkaufen, stößt VP-Bildungssprecherin und Klubobfrau Veronika Marte sauer auf. „Ich begrüße es sehr, dass die Bundesregierung mit dem Chancenbonus nun jenen Schulen ein zusätzliches Instrument zur Verfügung stellt, die vor besonderen Herausforderungen stehen. Was die Neos allerdings verschweigen: Ein vergleichbares System gibt es an den Vorarlberger Pflichtschulen bereits seit mehreren Jahren. Das erfolgreiche Vorarlberger Modell wurde nun vom Bildungsminister aufgegriffen und für ganz Österreich weiterentwickelt.“
Neben der Debatte um die Urheberschaft des Modells übt die schwarze Bildungssprecherin scharfe Kritik an der konkreten Mittelverteilung durch das Bildungsministerium. Von österreichweit 400 als besonders förderwürdig eingestuften Schulstandorten entfallen nach aktuellen Plänen lediglich elf auf Vorarlberg. „Ich würde mir hier eine deutlich ausgewogenere Verteilung wünschen. Aus meiner Sicht besteht auch in Vorarlberg ein wesentlich größerer Bedarf an zusätzlichen Fördermöglichkeiten, als dies durch die Zuteilung des Ministeriums abgebildet wird. Das verdeutlichen auch die Ergebnisse der aktuellen PISA-Studie, die für Vorarlberg eher durchwachsen ausfallen“, erklärt Marte.
Die PISA-Ergebnisse führt die Klubobfrau als klaren Beleg dafür an, dass finanzielle Zusatzmittel alleine nicht ausreichen, um die Qualität des Unterrichts nachhaltig zu sichern. Das Augenmerk müsse wieder schärfer auf die Fundamente der schulischen Ausbildung gerichtet werden. Lesekompetenz, Schreiben und Mathematik seien nach wie vor das Fundament für den gesamten Bildungsweg.
Bildungsminister gefragt
Aus den Testergebnissen leitet die Abgeordnete drei zentrale Handlungsfelder ab. Neben der konsequenten Stärkung der Grundkompetenzen müsse die Sprachförderung im Deutschen von Anfang an angesetzt werden, damit alle Kinder dem Regelunterricht folgen können. Zudem mahnt sie zur Zurückhaltung beim Einsatz digitaler Hilfsmittel im Klassenzimmer: Digitale Medien und künstliche Intelligenz sollten das Lernen unterstützen und nicht vom Wesentlichen ablenken. „Hier ist Bildungsminister Wiederkehr gefordert, fachlich fundierte Lösungen auf den Weg zu bringen“, fordert Marte. Um den personellen Bedarf abzudecken, müssten ausreichend ausgebildete Pädagogen vorhanden sein. Was die zusätzlichen Ausbildungsplätze an der Pädagogischen Hochschule in Vorarlberg angeht, liege die Zuständigkeit ebenfalls beim Minister.
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