Die Sozialdemokratischen Gewerkschafter (FSG) um Josef Muchitsch sehen eine Erhöhung des Pensionsalters sehr kritisch. In Vorarlberg hat fast die Hälfte der Erwerbstätigen ab 60 gesundheitliche Einschränkungen, zeitgleich steigt die Arbeitslosigkeit unter älteren Frauen deutlich.
Mit über 60 noch arbeiten? Für viele Arbeitnehmer in Vorarlberg klingt das nicht nach Selbstverständlichkeit. Rund 45 Prozent der Erwerbstätigen ab 60 leiden nach Angaben der Zuständigen des betrieblichen Gesundheitsmanagements Österreich bereits unter gesundheitlichen Einschränkungen oder chronischen Krankheiten. Trotzdem wird von Wirtschaftsseite immer wieder ein höheres Pensionsalter gefordert. Die Verantwortlichen der Industriellenvereinigung denken sogar über 70 Jahre nach!
Für die Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter (FSG) ist das der falsche Weg. „Bevor wir darüber reden, Menschen länger arbeiten zu lassen, müssen wir sicherstellen, dass sie überhaupt gesund bis zum heutigen Pensionsalter kommen“, sagte der Bundesvorsitzende der FSG Josef Muchitsch bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Hohenems. Gerade am Bau, in der Pflege, der Produktion oder Arbeiten im Freien würden Erwerbstätige über die Jahre an ihre körperlichen Grenzen stoßen, betonte Muchitsch, der zugleich Chef der Gewerkschaft Bau-Holz ist und für ein Treffen mit den Sozialpartnern in Vorarlberg weilte.
Auch die Entwicklungen am Arbeitsmarkt sprechen aus Gewerkschaftssicht gegen eine Anhebung. Seit 2024 wird das Pensionsantrittsalter der Frauen angehoben – die Folge sind mehr ältere Frauen in der Arbeitslosigkeit, wie die Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (FORBA) kürzlich festgestellt hat.
Unternehmen stellen sehr selten Ältere ein
In Vorarlberg stieg die Arbeitslosigkeit der über 50-jährigen Frauen zuletzt um 17,4 Prozent. Rund 30 Prozent der österreichischen Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten haben nach Angaben der Arbeiterkammer keinen einzigen Mitarbeiter über 60 Jahre. „Genau jene, die nach einer Anhebung des Pensionsalters rufen, wollen wiederum keine älteren Mitarbeiter anstellen“, kritisiert AK-Vizepräsidentin Manuela Auer von der FSG Vorarlberg. „Ein höheres Pensionsalter schafft keinen einzigen zusätzlichen Arbeitsplatz“, ergänzte ihr Fraktionskollege AK-Kontrollausschussobmann Andreas Ammann.
„Das Pensionssystem ist sicher“, betonten alle drei immer wieder. Die Zahlen der Europäischen Kommission seien eindeutig: Die gesamten öffentlichen Pensionsausgaben Österreichs lagen 2022 bei 13,7 Prozent des BIP. Aufgrund der geburtenstarken Jahrgänge steigen sie bis 2032 vorübergehend auf 15,1 Prozent. Danach sinkt der Anteil wieder und liegt 2070 bei 14,0 Prozent des BIP. „Das ist keine Prognose eines unfinanzierbaren Systems, sondern zeigt einen bewältigbaren demografischen Peak“, so Ammann. „Nicht das Pensionsalter muss steigen, sondern die Qualität der Arbeitsplätze und die Zahl der Vollzeitbeschäftigten.“ Die Botschaft der FSG ist damit klar: Hände weg vom Pensionsalter!
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.