Am 6. September steigen Jojo Lins und Sammy Summer aufs Bike und radeln von Vorarlberg nach Indien. Die „Krone“ sprach mit den beiden über ihr Abenteuer im Namen der guten Sache – und über ihren Versuch, dabei einen neuen Weltrekord aufzustellen: nämlich in jedem Land die Vorarlberger Kässpätzle zu kochen.
Es ist ein beeindruckendes, wenngleich auch ambitioniertes und ein bisschen verrücktes Vorhaben – die „Spätzletour“. Die nackten Zahlen: In 300 Tagen wollen die beiden jungen Männer aus dem Vorarlberger Oberland auf ihren Rädern 15.000 Kilometer zurücklegen. Dabei durchqueren sie rund 20 Länder, meistern 85.000 Höhenmeter und sind Temperaturen von +40 Grad bis -20 Grad ausgesetzt. Doch die beiden wollen nicht nur für beeindruckende Statistiken sorgen – die Aktion hat einen weitaus tieferen Sinn.
Radtour der Superlative für den guten Zweck
Das Ziel der beiden 24-Jährigen ist es nämlich, mit der abenteuerlichen Aktion Aufmerksamkeit für ein Bildungsprojekt im Senegal zu schaffen. 100.000 Euro wollen sie an Spendengeldern sammeln, um damit in dem afrikanischen Land einen Kindergarten zu errichten.
Beide waren bereits für den Vorarlberger Verein „Wissen macht stark“ selbst im Senegal und möchten den Kindern vor Ort Bildung und – damit einhergehend – ein besseres Leben ermöglichen. Knapp über 9000 Euro konnten die Freunde bereits vor ihrem Start ins größte Abenteuer ihres bisherigen Lebens einsammeln. „Wir freuen uns über jede Unterstützung“, sagt Jojo im Gespräch mit der „Krone“ und betont: „Die Spenden fließen zu 100 Prozent in unser Bildungsprojekt im Senegal.“
Kulinarischer Weltrekordversuch
Und weil das alles noch nicht genug des Guten ist, wollen sie nebenbei auch noch einen inoffiziellen Weltrekord brechen: Denn in jedem von ihnen bereisten Land werden die beiden „begeisterten Kässpätzle-Liebhaber“ mit einheimischen Zutaten die Vorarlberger Spezialität kochen. So lernen nicht nur sie andere Kulturen kennen, sondern tragen selbst ein Stück Vorarlberger Kultur in die Welt hinaus. „Wenn wir dann irgendwo in Usbekistan stehen und Spätzle mit Ziegenkäse kochen, werden wir schon sehen, ob das dann noch genießbar ist. Aber das ist auch Teil der Herausforderung“, lacht Jojo.
Wenn wir dann irgendwo in Usbekistan stehen und Kässpätzle mit Ziegenkäse kochen, werden wir schon sehen, ob das noch genießbar ist.
Jojo über das Zubereiten von Vorarlberger Kässpätzle mit exotischen Zutaten.
Bomben, Bären und gefährliche Bakterien
Unterwegs erwarten die beiden zahlreiche Gefahren: Krisengebiete, Krankheiten, Wildtiere, bitterkalte Winternächte, das Risiko, im Verkehr unter die Räder zu kommen oder aus politischen Gründen verhaftet zu werden. „Wir werden immer wieder gefragt, welche Länder wir durchqueren. Wenn wir dann Iran oder Afghanistan antworten, schütteln viele den Kopf.
So auf die Art: Was ist denn mit euch verkehrt? Es sind natürlich nicht nur entspannte Länder, die wir durchfahren“, erklärt Sammy und fügt hinzu: „In Georgien durchqueren wir beispielsweise Bärengebiet. Zudem müssen wir auch genau wissen, welche Impfungen wir unterwegs benötigen. Typhus ist ein Thema, aber auch Meningokokken.“ Wenn eine geplante Route keinen Sinn mache, dann sei es eben so. „Für diesen Fall haben wir Alternativrouten parat. Wir setzen uns keinen unnötigen Risiken aus. Deshalb ist etwa der Iran auch keine Option mehr“, betont Jojo.
Wenn wir sagen, wir fahren durch den Iran oder Afghanistan, schütteln viele den Kopf. So auf die Art: Was ist denn mit euch verkehrt?
Sammy zur ursprünglich geplanten Route. Der Iran ist mittlerweile gestrichen.
Eine Präsentation, um die Eltern zu beruhigen
Dass sie ihr Glück nicht herausfordern, mussten sie auch ihren Eltern versprechen. „Natürlich machen sie sich Sorgen. Aber ihnen ist es lieber, ich mache so etwas, als nur den ganzen Tag im Zimmer zu sitzen und nichts aus meinem Leben zu machen. Wir haben ihretwegen auch ein Satellitentelefon dabei“, verrät Sammy. Transparenz sei in diesem Fall das Um und Auf, für Sammys Eltern gab es sogar eine eigene Präsentation zu den einzelnen Ländern und den Herausforderungen und Risiken, denen sie sich vor Ort stellen müssen.
Ein Jahr lang kaum Privatsphäre
Neben all den Gefahren und körperlichen Strapazen stellt sich auch die Frage: Was macht es mit einem, wenn man 24/7 aufeinander klebt und Privatsphäre für rund ein Jahr quasi ein Fremdwort ist? Einen ersten Eindruck gewannen die beiden im vergangenen Jahr, als sie einen Monat lang gemeinsam durch Osteuropa radelten. „Diese Tour war extra dafür da, herauszufinden, wie wir reagieren, wenn es wirklich mal hart auf hart kommt“, erklärt Jojo und führt weiter aus: „Wir sind quasi ein Jahr lang verheiratet: Wir radeln nebeneinander, essen miteinander. Wir haben kaum eine Minute Privatsphäre. Wir sind unsere einzigen Bezugspersonen. Wir werden deshalb auch zwei Zelte mitnehmen, damit wir zumindest ein wenig Privatsphäre haben.“
wollen Jojo und Sammy mit der „Spätzletour“ für ein Bildungsprojekt in Senegal sammeln. Alle Spendeneinnahmen fließen zu 100 Prozent in das Projekt. Wer die beiden dabei unterstützen möchte, findet alle Informationen dazu Spätzletour.
Sammy ergänzt: „Es stimmt schon: Ein Monat ist kein Jahr. Aber man erlebt schon sehr viel in einem Monat. Und man sieht, wie die andere Person beispielsweise mit Tiefen oder Stresssituationen umgeht. Wer hat welche Stärken und Schwächen? Da ergibt sich schon ein Bild. Und es hat sich auch gezeigt, dass wir in vielen Dingen gleich denken. Das hilft ungemein.“
Von Nervosität (noch) keine Spur
Wenn man mit den beiden Freunden spricht, ist von Nervosität nichts zu spüren: Beide antworten cool, überlegt, als wäre ihr Vorhaben das Normalste der Welt. Ob sich das bis zu ihrem Abschied noch ändert? „Ich bin selbst gespannt, ob wir in den kommenden Wochen immer noch gechillt bleiben. Wir müssen uns aber immer noch um hundert Kleinigkeiten kümmern. Das lenkt ab. Ich glaube, dass wir erst nach ein paar Tagen ,on the road’ so langsam realisieren, worauf wir uns da eingelassen haben.“
15.000 Kilometer legen Jojo und Sammy im Rahmen ihrer „Spätzletour“ für den guten Zweck auf dem Fahrrad zurück. Dabei durchqueren sie rund 20 Länder, darunter Krisengebiete und Regionen, in denen Wildtiere durch die Wälder streifen. Insgesamt meistern sie 85.000 Höhenmeter. 300 Tage (oder anders ausgedrückt: zehn Monate) sind die beiden unterwegs – wenn alles gut geht. Zwei zusätzliche Monate haben die Freunde als „Puffer“ eingeplant.
Zum Abschied noch ein letztes Mal winken
Die „Krone“ ist am 6. September auf jeden Fall dabei, wenn Jojo und Samy ihre Liebsten ein letztes Mal in den Arm nehmen, sich auf die Bikes schwingen und auf die Reise begeben. Dann bleibt nur zu sagen: Bon Voyage – und guten Appetit!
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