Schneiders Brille

Berühmte Sommerfrischler im schönen Ländle

Vorarlberg
01.08.2026 14:30

James Joyce war zumindest zweimal in Feldkirch, Eduard Mörike hat den Sommer im Schwarzenberger „Hirschen“ genossen, Johann Wolfgang Goethe nächtigte in der „Krone“ in Fußach. „Krone“-Kolumnist Robert Schneider stellt sich vor, wie die Einheimischen wohl damals auf die berühmten Gäste reagiert haben.

Ob der Satz wirklich stimmt, an dem die Bahnreisenden in der Feldkirch jeden Tag achtlos vorbeihetzen? James Joyce soll ihn gegenüber seinem Verleger Eugen Jolas geäußert haben: „Dort drüben, auf diesen Schienen, wurde 1915 das Schicksal des ‘Ulysses‘ entschieden.“ Jedenfalls war der Dichter 1915 in Feldkirch am Bahnhof und entging nur knapp einer Verhaftung, weil er britischer Staatsbürger war und nach dem Kriegseintritt Italiens als Angehöriger eines feindlichen Staates galt.

Er kam davon, konnte nach Zürich weiterreisen und teilte seinem Verleger schnell den berühmt gewordenen Satz mit. Im Sommer 1932 hielt er sich abermals in der Montfortstadt auf, wohnte mit seiner Frau Nora Barnacle (die angeblich nicht eine einzige Zeile ihres Mannes gelesen haben soll) ungefähr drei Wochen lang im Hotel „Löwen“. Dort habe er über seinem späten Roman „Finnegans Wake“ gebrütet. Ob sich wohl jemand nach ihm umgedreht hat, wenn er die Marktgasse rauf- und runterging? „Oha! Do kut da berühmte Tschoiss!“

Auch Eduard Mörike verbrachte einige Sommerwochen im Ländle, und zwar in Schwarzenberg. Gemeinsam mit seiner Frau Margarethe wohnte er im Gasthof „Hirschen“. Er war damals 52 Jahre alt, und seine Novelle „Mozart auf der Reise nach Prag“ hatte ihn berühmt gemacht. Ob man ihn gekannt hat, wenigstens vom Hörensagen? Schwarzenberg hat das wiedergutgemacht und dem Dichter anlässlich seines 200. Wiegenfestes einen Wanderweg gewidmet, der vom Dorfzentrum zur Hochälpele-Hütte führt. „Poetisch wandern“ nennt sich das.

Goethe übernachtete auf der Rückreise von Italien am 2. Juni 1788 In Fußach im Gasthaus „Krone“. Zur Sommerfrische ist er allerdings nicht geblieben. Ob ihm ein Knirps in der „Krone“ den „Zauberlehrling“ schlampig aufgesagt hat?

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