Kollektiver Abbau

Studie: KI in Firmen lässt Kompetenzen verkümmern

Digital
13.07.2026 08:33
Porträt von krone.at
Von krone.at

Der unreflektierte Einsatz generativer Künstlicher Intelligenz in Unternehmen kann zu einem schleichenden Verlust menschlicher Kompetenzen führen – vor dieser Entwicklung warnt eine Studie der Boston Consulting Group (BCG). Mehr als 60 Prozent der befragten Führungskräfte sehen in diesem kollektiven Kompetenzabbau eine materielle Bedrohung für ihre Unternehmen. 

Besonders gefährdet sind laut der BCG-Studie „When Everyone Uses AI, Companies Risk Losing Critical Skills“ das Urteilsvermögen, die Problemlösungskompetenz sowie das kreative und kausale Denken. Wenn Mitarbeiter analytische Routineaufgaben systematisch an KI auslagern, verkümmern diese wesentlichen kognitiven Fähigkeiten.

„Nachwuchskräften KI-freie Entscheidungen ermöglichen“
BCG-Experte Nikolaus Lang warnt davor, dass Nachwuchskräften künftig die grundlegende Übung fehlen könnte. „Wenn wir den jungen Kolleginnen und Kollegen nicht die Möglichkeit geben, im Kleinen KI-frei Entscheidungen zu treffen, dann haben wir das Problem, dass wir in fünf oder zehn Jahren, wenn es dann um das Milliardenwerk geht, eben nicht die richtige Entscheidungsbasis haben“, sagt Lang.

Auch bei der Innovationskraft gebe es Risiken, denn „KI ist ja per se nicht kreativ, sondern die KI ist ja immer sozusagen der Rush zum Durchschnitt“. Sicher vor dem KI-Ersatz sind hingegen Eigenschaften, die auf menschlichen Beziehungen beruhen, wie Empathie, aktives Zuhören, Neugier, Anpassungsfähigkeit und soziale Einflussnahme.

Gegenmaßnahmen
Um diesem „Distributed De-skilling“ entgegenzuwirken, empfiehlt Lang konkrete Gegenmaßnahmen, etwa den sogenannten Ensemble-Ansatz. Dabei arbeiten Mensch und KI zunächst unabhängig voneinander an einem Problem und führen ihre Ergebnisse erst danach zusammen. Beim Energiekonzern Shell müssen Junior-Mitarbeiter ein Problem zunächst völlig ohne KI strukturieren und eine Basis-Analyse erstellen, bevor sie das KI-Tool nutzen dürfen.

Eine weitere Maßnahme sind „KI-freie Zonen“ für Aufgaben, die Originalität oder ethisches Urteilsvermögen verlangen, sowie regelmäßige Rituale wie „KI-freie Freitage“. Bei einer indischen Bank bearbeiten Nachwuchskräfte an diesen Tagen Management-Aufgaben gänzlich ohne Technologie, um ihre kognitiven Fähigkeiten zu trainieren, erzählt Lang.

KI-Einsatz kann teurer sein als menschliche Arbeitsleistung
Zusätzlich zum Kompetenzverlust birgt der KI-Einsatz laut BCG auch finanzielle Herausforderungen durch sogenannte Token – die grundlegenden Verarbeitungs- und Währungseinheiten von Sprachmodellen. „Da haben wir in spezifischen Anwendungsfällen die Situation, dass die Tokenkosten das X-fache dessen sind, was eigentlich die Arbeitsleistung eines menschlichen Mitarbeiters wäre“, gibt Lang zu bedenken.

Unternehmen müssten genau abwägen, wo KI den größten wirtschaftlichen Nutzen bringt. Firmen sollten daher den „Return on Intelligence“ messen. Dieser Wert wird konkret berechnet, indem der geschaffene Wert des Outputs durch die kombinierten Kosten aus menschlicher Arbeitsleistung und dem Token-Verbrauch dividiert wird.

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