Ölpreise steigen an

„Vertrauen dahin“: Kaum jemand wagt Hormuz-Passage

Außenpolitik
13.07.2026 09:01

Wieder greifen sich die USA und der Iran gegenseitig an und wieder gibt es widersprüchliche Angaben zum Status der Straße von Hormuz. Während US-Präsident Donald Trump beteuert, die Meerenge sei befahrbar, sprechen Schiffsdaten und der Ölpreis eine andere Sprache ...

In der Nacht auf Montag haben die USA erneut Ziele im Iran angegriffen. Das Regime in Teheran antwortete, indem es Raketen auf US-Verbündete abfeuerte. Die Golfstaaten Bahrain und Kuwait lösten Alarm aus und bekämpften feindliche Fernlenkwaffen. Auch Jordanien meldete Montagfrüh, vier Raketen aus dem Iran abgefangen zu haben.

USA wollen Attacken auf Schiffe verhindern
Man habe in der Nacht „Dutzende Ziele“ mit Präzisionsmunition getroffen, meldete das US-Regionalkommando CENTCOM nach Ende der Angriffswelle. Flugabwehrsysteme, Radaranlagen, Raketenstellungen und Drohnenstandorte sowie kleinere Boote seien zerstört worden, um dem Iran weitere Attacken auf die Straße von Hormuz zu erschweren.

Der Iran hatte den für den Welthandel zentralen Korridor am Sonntag für gesperrt erklärt, die US-Armee betont, dass Teheran die Straße nicht kontrolliere. Man sei vorbereitet, um die freie Schifffahrt zu gewährleisten. Am Sonntag erklärte auch Präsident Trump, die Meerenge sei für den kommerziellen Schiffsverkehr geöffnet.

Praktisch kein Schiffsverkehr
Tatsächlich ist angesichts der Eskalation aber der Verkehr in der Straße von Hormuz praktisch zum Erliegen gekommen. Lediglich sechs Schiffe passierten die wichtige Schifffahrtsroute am Sonntag, wie Schifffahrtsdaten der Firma Kpler zeigen. Das ist die niedrigste Zahl seit fünf Wochen. Vor Beginn des Kriegs Ende Februar passierten täglich mehr als 130 Schiffe die Meerenge.

Tanker schalten Transponder ab
Drei beladene Öltanker verließen demnach den Persischen Golf, drei Tanker fuhren leer hinein, um Erdöl zu laden. Die meisten Schiffe schalteten ihre Transponder ab, während sie die Straße passierten. Eine Vorsichtsmaßnahme, um nicht zum Ziel der Iranischen Revolutionsgarden werden. Am Wochenende war ein Containerschiff beschossen worden, was die US-Reaktion nach sich zog.

In den vergangenen Wochen – als die Meerenge angesichts der Waffenruhe befahrbar war - hätten Handelsschiffe Vertrauen gewonnen. „Dieses Vertrauen ist sehr, sehr schnell geschwunden“, erklärte Amena Bakr, Leiterin der Nahost-Forschung bei Kpler, gegenüber der „New York Times“. Nun sei man „wieder ganz am Anfang.“

Ölpreise schießen nach oben
Die Unsicherheit spiegelt sich auch in den Ölpreisen die wieder, die am Montag deutlich zugelegt haben. Ein Barrel (159 Liter) der Referenzsorte Brent zur Lieferung im September legte im frühen Handel zuletzt um 4,46 Prozent auf 79,40 Dollar (69,47 Euro) zu.

Die jüngsten Entwicklungen seien zwar eskalierend, blieben aber „deutlich unterhalb eines offenen Kriegszustands“, sagte Saul Kavonic, Senior-Energieanalyst bei MST Marquee, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Ölpreise dürften so lange weiter leicht steigen, wie die Angriffe andauern und die Passage durch die Straße von Hormuz dadurch beeinträchtigt wird.

In den ersten Wochen und Monaten des Konflikts war der Ölpreis enorm angestiegen. Ein Barrel der Referenzsorte Brent hatte zeitweise etwas mehr als 126 Dollar gekostet.

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