Noch zeitgemäß?

Der Medizin-Aufnahmetest gehört evaluiert

Steiermark Newsletter
05.07.2026 10:30

Am Freitag war wieder Schwitzen in der Grazer Stadthalle angesagt: Mehr als 2300 junge Leute quälten sich durch den komplizierten Med-Uni-Aufnahmest. Doch nur ein Bruchteil darf letzlich auch studieren. Fragt sich nur, ob angesichts des massiven Ärztemangels dieses System noch zeitgemäß ist.

Jedes Jahr bewerben sich in Österreich zwischen 15.000 bis 17.000 Personen für den Aufnahmetest, während es insgesamt nur etwa 1900 Studienplätze für Human- und Zahnmedizin gibt. In Graz sind es mickrige 406. Das bedeutet, dass nur ungefähr jeder Achte einen Platz erhält. Viele talentierte und motivierte Bewerber scheitern daher nicht unbedingt an ihrer grundsätzlichen Eignung für den Arztberuf, sondern an einem einzigen Prüfungstag.

Gleichzeitig fehlen in der Steiermark schon jetzt viele Ärzte, vor allem auf dem Land – und durch die Pensionierungswelle der kommenden Jahre wird sich dieser Mangel in vielen Regionen weiter verschärfen. Die Patienten spüren die Folgen bereits: lange Wartezeiten auf Termine, überlastete Spitals-Ambulanzen und Schwierigkeiten, Hausärzte zu finden; von Fachärzten ganz zu schweigen.

Deshalb sollte man offen darüber diskutieren, ob das Aufnahmeverfahren, das in Zeiten eines „Mediziner-Überschusses“ eingeführt wurde, nicht angepasst werden müsste. Das bedeutet nicht, die Qualitätsstandards zu senken – vielmehr sollte man mehr Studienplätze schaffen oder den Test durch weitere Eignungskriterien ergänzen. Wer das Studium erfolgreich abschließt, muss ohnehin über viele Jahre hinweg hohe Leistungsanforderungen erfüllen.

Wenn die Steiermark in Zukunft eine gute medizinische Versorgung sicherstellen will, braucht es mehr gut ausgebildete Fachkräfte. Daher wäre es höchst an der Zeit, den Zugang zum Doktor-Studium zu erleichtern!

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