Angriff auf Taxifahrer

Eklat in Leoben: Ex-FPÖ-Mitarbeiter unter Verdacht

Steiermark
05.07.2026 14:46
Porträt von Steirerkrone
Von Steirerkrone

Nach dem gewalttätigen Übergriff auf einen Taxifahrer am Rande eines Burschenschafter-Treffens in Leoben ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Wiederbetätigung und versuchter schwerer Körperverletzung. Unter den Verdächtigen sollen zwei führende Mitglieder der rechtsextremen Identitären sein, heißt es aus Ermittlerkreisen.

Bei einem der beiden Tatverdächtigen handle es sich um einen früheren parlamentarischen Mitarbeiter eines FPÖ-Abgeordneten. Laut APA-Informationen wurde das Dienstverhältnis vor wenigen Wochen beendet. Seitens der FPÖ hieß es dazu: „Es handelt sich um keinen aktuellen parlamentarischen Mitarbeiter. Detaillierte personenbezogene Daten von Dritten dürfen wir aus rechtlichen Gründen nicht weitergeben und auch über den Vorfall selbst ist uns nichts Näheres, über die mediale Berichterstattung Hinausgehendes bekannt.“

Störaktion gegen Vienna Pride, Demos gegen Corona-Maßnahmen
Laut der Recherche-Plattform „Stoppt die Rechten“ hatte sich der Mann in der Vergangenheit an einer Störaktion der Identitären Bewegung Österreich (IBÖ) gegen die Vienna Pride beteiligt, Aufmärsche der Identitären organisiert und führend an Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung mitgewirkt.

Zitat Icon

Die Ermittlungen sind am Laufen. Es wird noch einige Zeit dauern.

Staatsanwalt Andreas Riedler

Andreas Riedler, Staatsanwaltschaft Leoben

Die Staatsanwaltschaft Leoben wartet vorerst einen weiteren Bericht des Landesamts Staatsschutz und Extremismusbekämpfung (LSE) Steiermark ab. „Die Ermittlungen sind am Laufen. Es wird noch einige Zeit dauern“, sagte Sprecher Andreas Riedler. Zum Umstand, dass sich unter den Tatverdächtigen IBÖ-Mitglieder befinden, wollte Riedler nicht offiziell Stellung beziehen. Neben namentlich bekannten Personen werde gegen noch unbekannte Täter ermittelt. Mit neuen Erkenntnissen rechnet die Staatsanwaltschaft spätestens Ende Juli.

Nazi-Parolen im Taxi
Der gewalttätige Zwischenfall hatte sich in der Nacht auf den 20. Juni ereignet. Der Taxifahrer weigerte sich, drei Burschenschafter zu chauffieren, die in seinem Fahrzeug Platz genommen hatten und Nazi-Parolen von sich gegeben haben sollen. Ein „Heil Hitler“-Ruf soll gefallen sein, der Lenker wählte den Notruf. Daraufhin versuchten die Burschenschafter zu flüchten, was der Taxifahrer verhindern wollte, um der Polizei die Identifizierung der Männer zu ermöglichen.

In weiterer Folge sollen die Burschenschafter auf den Lenker losgegangen sein, indem ihn einer würgte und zu Boden brachte, wo mehrmals auf ihn eingetreten wurde. Daran soll nach Angaben einer Zeugin auch der amtsbekannte führende IBÖ-Vertreter und bis vor Kurzem für einen FPÖ-Abgeordneten tätige Mitarbeiter beteiligt gewesen sein, der ursprünglich gar nicht im Taxi gesessen war. Er dürfte einem IBÖ-Kameraden und einem deutschen Rechtsextremen, deren Verfolgung der Taxifahrer aufgenommen hatte, gewalttätigen Beistand geleistet haben.

Ermittlungen wegen ausländerfeindlichem Posting und SS-Lied
Gegen den rechtsextremen Ex-FPÖ-Mitarbeiter wird aktuell auch vom LSE Wien ermittelt. Der Verdacht der Verhetzung steht im Raum. Er soll Anfang Juni ein ausländerfeindliches Posting auf Instagram verbreitet haben. Die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst hatte den Mann wiederum im Juni 2025 nach dem Verbotsgesetz angezeigt, weil er beim Begräbnis eines Burschenschafters anwesend war, bei dem ein SS-Lied gesungen worden sein soll. Dieses Verfahren wurde mittlerweile eingestellt.

Die Montanuni Leoben distanziert sich ausdrücklich von der Burschenschaft Leder.
Die Montanuni Leoben distanziert sich ausdrücklich von der Burschenschaft Leder.(Bild: Jürgen Fuchs)

Hunderte Korporierte aus Österreich und Deutschland hatten von 19. bis 21. Juni am 40. Stiftungsfest der Burschenschaft Leder in Leoben teilgenommen. Die Festrede hielt der umstrittene deutsche AfD-Bundestagsabgeordnete Matthias Helferich, der aufgrund seiner rechtsextremen Ansichten von der Partei ausgeschlossen wurde, dieser Ausschluss ist noch nicht rechtskräftig.

Montanuni schloss Burschenschaft von Veranstaltungen aus
Das Rektorat der Montanuni Leoben hatte sich schon vor der Veranstaltung öffentlich von der Burschenschaft Leder, dem Festkommers und Helferich distanziert. Das zweitägige Fest fand auch nicht in den Räumlichkeiten der Uni statt, sondern im Kongresszentrum der Stadt Leoben. Die Burschenschaft Leder wurde mittlerweile auch von zukünftigen Veranstaltungen der Montanuni ausgeschlossen.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Steiermark
Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung