Fr, 17. August 2018

Weltbestseller

22.09.2014 16:19

Ford Focus: Chefdynamiker auf VW-Golf-Kurs

Der Ford Focus ist fahrwerksmäßig der Chefdynamiker der Kompaktklasse. Dennoch haben sie in Köln an Lenkung, Dämpfung & Co. Hand angelegt und das Ganze mit kleinen Eingriffen nochmals verfeinert. Außerdem bekommt der Focus (als Fünftürer wie auch als Kombi) neben ein paar optischen Updates für die zweite Hälfte seines Lebenszyklus u.a. den besten Innenraum, den ein Ford seit Langem in sich trug.

Die Gestaltung der Armaturenkonsole gehörte bisher grundsätzlich nicht zu den größten Stärken im Hause Ford. Viel Plastik und noch mehr Knopferln taten weder dem Auge noch der Bedienung gut, schadeten aber offenbar nicht dem Erfolg: Der Ford Focus war 2013 das meistverkaufte Auto der Welt. In Österreich rittert er um Platz zwei im Kompaktsegment hinter dem VW Golf, von dem rund dreimal so viel abgesetzt werden.

Plaudertasche in der Topversion
Zentrales Bedienelement ist in der Topausstattung Titanium (sonst gegen 1.000 Euro Aufpreis) ein integrierter 8-Zoll-Touchscreen mit schöner Grafik und spiegelfrei matter Darstellung. Dessen Konzept mit dem viergeteilten Bildschirm ist stimmig, wenn auch die Schaltflächen teilweise etwas klein geraten sind. Audiobedienung und Klimafunktionen lassen sich über eigene Einheiten bedienen, ohne dass man dafür den Touchscreen braucht.

Man kann aber auch fast gänzlich aufs Tippen verzichten, denn es ist hier auch die Sprachsteuerung Sync II an Bord, die nach kurzer Eingewöhnung tadellos funktioniert. So lassen sich z.B. Adressen im Ganzen ins Navi eingeben, ohne Straße und Ort einzeln zu nennen. Die leidlich angenehme weibliche Computerstimme betont ihre Fahranweisungen allerdings manchmal etwas abenteuerlich. "Links halten" als Richtungsangabe klingt dann wie "links halten" im Sinn von "bitte anhalten". Zudem könnte sie sich das penetrante "ein Kommando bitte" sparen. Fürsorglich ist, dass sie auf ein "Ich habe Hunger" hin Restaurantvorschläge macht und auch gleich den Weg zum Lokal der Wahl weist. Sprachgesteuert versteht sich.

Wie das Ganze aussieht, wenn man nicht die Topausstattung oder den 8"-Bildschirm als Extra bestellt, würde mich auch interessieren. Bei der Präsentation war ein solches Modell nicht zugegen, auch Fotos sind vom Basis-Innenraum bisher nicht erhältlich.

Ansonsten glänzt der Innenraum mit guten Sitzen, ebensolchen Platzverhältnissen und praktischen Lösungen zum Verstauen der Dinge, die man unterwegs braucht. Genial ist das Fach zwischen den Sitzen: Ein beweglicher doppelter Boden bietet entweder ein "Geheimfach" oder die Möglichkeit, neben einem 0,4-Liter-Kaffeebecher auch eine Literflasche hineinzustellen. Dazu gibt es zwei verschiebbare Querstreben, die sie auf verschiedene Behältnisse anpassen lassen oder ein Smartphone sicher halten können. Ein weiteres Fach unter der verschiebbaren Mittelarmlehne gibt es sowieso.

Liegt prächtig und ist trotzdem komfortabel
Der neue Ford Focus besticht geradezu mit seiner hervorragenden Straßenlage, die nicht mit Härte erkauft wird, und mit seiner höchst präzisen Lenkung. Diese fühlt sich nur im ersten Moment etwas zu leichtgängig an, wirkt aber wie ein Sensor zwischen den Händen des Fahrers und der Fahrbahn. Das kommt von einer leicht modifizierten Fahrwerksgeometrie vorn, neu abgestimmten Dämpfern und einer strafferen Auslegung jener Aufhängungslager, die das Lenkgefühl beeinflussen. Hinten hat Ford mit der Multilink-Schwertlenkerachse der Konkurrenz, die im Allgemeinen auf eine Verbundlenkerachse setzt, einiges voraus.

Auf den sehr kurvigen und teils mit schlechtem Asphalt versehenen Straßen im Hinterland von Malaga erwies sich vor allem der drehfreudige 182-PS-Fünftürer als Kurvenräuber, der sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt. Wie auf Schienen zieht er seine Bahnen, die sehr direkte, aber nicht nervöse Lenkung erlaubt feinste Korrekturen. Das gut gestufte Getriebe lässt sich butterweich schalten, allerdings befindet sich der Schalthebel zu weit weg vom Fahrer. Für das Doppelkupplungsgetriebe gibt es jetzt übrigens endlich Schaltpaddels. Hier sei auch erwähnt, dass Ford dankenswerterweise weiterhin auf einen echten Handbremshebel setzt.

Der von uns mit dem 150 PS starken Zweiliter-Diesel getestete Kombi giert mit schwererer Maschine und längerem Radstand nicht ganz so nach Kurven und neigt eine Spur mehr zum Untersteuern, ist aber dennoch kein Kind von Traurigkeit.

Neue Motoren, alle Euro 6
Drei neue Diesel sowie zwei Benziner sind neu im Ford Focus. Die 1,5-Liter-Selbstzünder sind mit 95 PS, 105 PS sowie 120 PS erhältlich und verbrauchen laut Norm zwischen 3,4 und 4,2 l/100 km. Sie kicken im Frühjahr die derweil noch angebotenen 1,6-Liter-Triebwerke mit 95 PS bzw. 115 PS aus dem Programm. Der überarbeitete 2,0-Liter-Diesel mit 150 PS bleibt weiterhin der stärkste Selbstzünder im regulären Angebot. Bei den Benzinern hält der 1,5-Liter-Ecoboost Einzug. Er wird in zwei Leistungsstufen mit 150 PS sowie mit 182 PS angeboten. Darüber gibt es den sehr sportlichen ST mit 250-PS-Benziner oder 180-PS-Diesel.

Hilfreiche Assistenten
Nachgelegt hat Ford bei den schon bisher reichlich bestellbaren Assistenzsystemen. In der überarbeiteten Version kann der Kompakte jetzt auch vor seitlichem Verkehr (Cross Traffic Alert) warnen, wenn man rückwärts aus der Parklücke rollt. Und das Active-City-Stop-System arbeitet nun bis 50 statt wie vorher bis 30 km/h. Der Spurhalteassistent warnt per Lenkradvibration, die Verkehrsschilderkennung arbeitet angeblich genauer und wer will, nutzt den Einparkassistenten nicht nur, um in die Parklücke hineinzukommen, sondern auch um aus ihr wieder herausgelotst zu werden. Der Park-Helfer steuert in Lücken längs und quer zur Straße. Die Abstandsregelfunktion des adaptiven Tempomaten ist abschaltbar.

Eindrucksvoll ist ein Türschutzassistent(hier im Video): Für 150 Euro Aufpreis legt sich ein Kunststoffschutz auf die Blechkante, immer wenn man die Tür öffnet, und zieht sich beim Schließen wieder zurück. Ford hat das vor anderthalb Jahren so klammheimlich eingeführt, dass nicht mal alle Händler davon wissen, wie der Produktmanager zugibt.

Kampfpreis zum Start
Ab November steht der überarbeitete Ford Focus der dritten Generation bei den Händlern. Einstiegs-Listenpreis ist 17.650 Euro für den 85-PS-Benziner in Ambiente-Ausstattung, die zwar elektrische Fensterheber vorn oder eine fernbediente Zentralverriegelung umfasst, aber keine Klimaanlage. Attraktiv ist aber das Einführungsangebot: Ab 15.990 Euro bekommt man das mittlere Ausstattungsniveau "Trend" und zusätzlich den Einparkassistenten.

Unterm Strich
Der Ford Focus ist eine echte Alternative in der Kompaktklasse, die zwar günstiger ist als der Platzhirsch, aber nichts Billiges an sich hat. Sogar die Assistenzsysteme lassen nicht den Verdacht eines Rotstiftangebots aufkommen, etwa weil – wie bei manchen Konkurrenten – der Spurhalteassistent unsinnigerweise akustisch aufschreckt. Und das Fahrwerk ist jetzt erst recht eine Probefahrt wert.

Warum?

  • Chefdynamisches Fahrwerk
  • Kleine, intelligente Lösungen
  • Gute Bedienung mit dem 8"-Touchscreen und Sprachsteuerung

Warum nicht?

  • Die Heckklappe (vor allem) des Kombis klingt blechern.
  • Nicht gerade vorbildliche Windgeräusche im Testwagen

Oder vielleicht …

… VW Golf, Mazda3, Opel Astra und alle anderen Kompakten

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