20 Jahre

Salzburger Almenweg: Raufgehen zum Runterkommen

Reisen & Urlaub
02.07.2026 10:25

Salzburg ist die almenreichste Region Österreichs. Auf dem 350 Kilometer langen Almenweg lässt sich diese Fülle erwandern, Etappe für Etappe, Hütte für Hütte. Der sommerlichen Hitze entkommt man dort mit kühlen Nächten, klarer Sicht, 108 Sonnengrüßen und noch vielem mehr.

Früher galten Tropennächte hierzulande als Seltenheit. Heute ist es ein Privileg geworden, ihnen zu entfliehen. Es gibt diesen Moment am frühen Morgen, wenn die Luft noch kühl ist und die ersten Sonnenstrahlen zart die Haut wachkitzeln. Klare Sicht, Kuhglockenläuten wie ein Guten-Morgen-Gruß. Und das Gefühl, durchzuatmen. Im Pongau hat dieser Sehnsuchtsort einen Namen. Salzburger Almenweg.

Wandern auf den Spuren des blauen Enzians 
Vor zwanzig Jahren saß Eva Mayr, damals Regionalbetreuerin der Salzburger Landtourismusgesellschaft, auf einer Fachveranstaltung zum Thema Wandern. Nicht am Gipfel, wie man vermuten könnte, sondern in einem nüchternen Konferenzraum. Dort erkannte sie, wie stark das Interesse der Gäste an langen, zusammenhängenden Touren wuchs. Ihre Lösung dazu war, die Almhütten des Pongaus zu einem durchgängigen Weitwanderweg zu verbinden.

Wahrzeichen und Wegweiser ist der Blaue Enzian.
Wahrzeichen und Wegweiser ist der Blaue Enzian.(Bild: Salzburger Land/Carmen Kurcz)

In enger Zusammenarbeit mit Tourismusverantwortlichen, Landwirten und Behörden entstand daraus der Salzburger Almenweg. Realisiert nach einem fast schon altmodisch klugen Prinzip. Bestehende Pfade optimieren, die Landschaft in Ruhe lassen. Kein Asphalt, keine künstlichen Eingriffe. Lediglich ein behutsamer Zusammenschluss, von dem auch Landwirte wirtschaftlich profitierten.

Heute erstreckt sich der Salzburger Almenweg über 25 Etappen und rund 350 Kilometer. Er führt vom Tennengebirge über die Region Hochkönig, die Salzburger Sonnenterrasse, das Gasteinertal und das Großarltal bis in die Salzburger Sportwelt und nach Obertauern. Sechs Landschaften, sechs Charaktere, ein Weg.

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Jede Etappe hat ihre Besonderheit. Ich gehe gerne im Frühling die Sonnenseite des Hochkönigs und im Herbst durch die goldgelben Lärchenwälder.

Eva Mayr legte vor 20 Jahren den Grundstein für den Almenweg

Wahrzeichen und Wegweiser zugleich ist der Blaue Enzian, der die Wanderer vorbei an 120 bewirtschafteten Almen und weiteren 50 entlang der Zubringerwege begleitet.

Almenweg Schmankerln der alpinen Naturküche
Jede Almhütte am Weg hat ihre eigene Persönlichkeit und verwöhnt Wanderer mit eigenen, regionalen Produkten, vom duftenden Kaiserschmarren über die Brettljause bis zum Knetkäse, der nur auf der Karseggalm im Großarltal entsteht, weil seine Herstellung eine offene Feuerstelle braucht. Dazu Holundersirup, Zirbenschnaps und ein himmlischer Topfenstrudel. Während man die Almenweg-Schmankerln genießt, grasen rundherum Kühe, Schafe, Ziegen und Pferde neben Wollschweinen und Hühnern, eingebettet in ein fantastisches Bergpanorama.

Heilkräuter bilden ab 1000 Meter Höhe ihre Wirkstoffe besonders konzentriert aus. Die Almwiesen blühen in Blau und Lila, allen voran der Enzian, daneben Almrausch, seltene Orchideen und Knabenkräuter. Auf der 18. Etappe beispielsweise wechseln sich Fichtenwälder mit Zwergstrauchheide aus Erika, Hagrosen und Wacholder ab. Wer aufmerksam ist, entdeckt sogar den seltenen Schwalbenwurz-Enzian.

108 Sonnengrüße mit „Nini“
Diese Vielfalt hat in Obertauern seit Jahren eine kundige wie leidenschaftliche Botschafterin. Die Biologin und Kräuterfachfrau Christine Orda-Dejtzer, von allen liebevoll „Nini“ genannt. Auf ihren Kräuterwanderungen führt sie Gäste behutsam durch die Pflanzenwelt der Alpen sowie ein Stück zurück zur Natur und, wie sie sagt, zu sich selbst. Dazu kommt Berg-Yoga, etwa 108 Sonnengrüße auf höchster Höhe oder Vollmond-Yoga in der Bergnacht. Die Angebote sind für Sommergäste kostenfrei.

Dass die Landschaft so bleibt, wie sie ist, hat einen handfesten Grund. Die Beweidung. Sie hält die Wiesen offen und verhindert, dass sich Latschenkiefer und Gehölz unkontrolliert ausbreiten. So bleiben Lebensräume für seltene Pflanzenarten erhalten. Ein Kreislauf entsteht, der Natur und Genuss zusammenbringt. Aus gepflegten Almen wird hochwertige regionale Kost, aus intakten Almwiesen wird Artenvielfalt.

Reiseinformationen

Der Salzburger Almenweg hat sich mit der Zeit weiterentwickelt, ohne seinen ursprünglichen Charakter zu verlieren. Seit 2024 können Wanderer über das offizielle Info- und Buchungscenter individuelle Pakete planen und buchen. Zusätzliche Services wie Gepäcktransport, Rücktransfer und geführte Touren machen das Wandererlebnis komfortabler. Die technischen Möglichkeiten unterstützen die Gäste, während das authentische Wandern von Alm zu Alm erhalten bleibt.

Im eigenen Tempo den Kopf frei bekommen 
Die Berge lösen nicht alles. Sie erinnern uns, das eigene Tempo an die Natur anzupassen, bewusst wahrzunehmen und ganz bei sich zu sein. Das Spüren von Kälte, Sonne und Wind. Ganz ohne Achtsamkeits-App und größtenteils ohne Handy-Empfang. Der Tag am Salzburger Almenweg beginnt nicht mit einer Aufgabenliste. Er beginnt mit einem ausgiebigen, kraftvollen Frühstück und dem Blick in die Hänge. Am Abend ist man angenehm müde statt ausgelaugt. Gespräche werden ruhiger, der Schlaf tiefer und der Kopf mit jeder Etappe freier.

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