Streit um Baby
6 Tote in Mutter-Kind-Heim: Es ging ums Sorgerecht
In der niedersächsischen Stadt Stade sind am Montag in einer Mutter-Kind-Einrichtung sechs Personen durch Schüsse getötet worden. Das Motiv war wohl ein Streit um das Sorgerecht für ein drei Monate altes Baby. Nach einer Verfolgungsjagd konnte die Polizei den mutmaßlichen Täter und eine Frau festnehmen. Auch die Mutter des Kindes befand sich in Polizeigewahrsam.
In dem Gebäude der Jugendeinrichtung in Stade in der Nähe von Hamburg sind Mutter-Kind-Wohnungen untergebracht. Alle Todesopfer – vier Frauen und zwei Männer – seien Mitarbeiter der Einrichtung oder des Jugendamtes gewesen, hieß es in einer Pressekonferenz. Fünf der Opfer starben noch am Tatort, ein weiteres erlag im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Neben den Todesopfern sind mehrere Schwerverletzte zu beklagen, auch sie waren Mitarbeiter und hatten nicht in der Einrichtung Schutz gesucht.
Polizei spricht von „Familientragödie“
Kathrin Schuol von der Polizeidirektion Lüneburg zufolge sei ein Sorgerechtsstreit wohl der Hintergrund der Tat. Der Verdächtige hatte demnach am Montag einen Termin in der Einrichtung gehabt, um über das Sorgerecht für seine drei Monate alte Tochter zu sprechen. Die Mutter (34) und das Kind seien unverletzt.
Berichte über Clan-Verbindung nicht bestätigt
Laut den Sendern NDR und WDR sei das drei Monate alte Kind aus der Familie genommen worden. Unter Auflagen habe es zurück zur Mutter gedurft, allerdings nur in die Mutter-Kind-Einrichtung. Der Vater galt demnach als auffällig. Einige deutsche Medien berichten, dass er zum Miri-Clan gehöre. Das bestätigten die Ermittler vor Ort nicht. Es gebe derzeit keine Hinweise darauf.
Vater ist der Polizei bekannt
Allerdings ist der Verdächtige – ein 45-jähriger Deutscher mit türkischen Wurzeln – der Polizei bekannt. Er wohne nahe Hannover, laut der zuständigen Polizeistelle habe der Mann keinen direkten Bezug zum Landkreis Stade, wo die schreckliche Tat am Montag stattfand.
„Zehn bis 15 Schüsse“ auf Fluchtauto abgegeben
Gegen 12 Uhr habe man Schreie aus dem Haus gehört. Danach wollten ein Mann und eine Frau mit einem Auto fliehen. Weil das Fluchtfahrzeug nicht stehen blieb, feuerte die Polizei laut einem Zeugen „zehn bis 15 Schüsse“ auf das Auto ab. Nach der „Verfolgungsjagd“ konnten ein Mann und eine Frau – sie hatte das Auto gesteuert – festgenommen werden.
Die Frau stammt nach ersten Erkenntnissen der Ermittler aus dem erweiterten Bekannten- oder Familienkreis des Mannes. In Gewahrsam ist auch die Mutter des drei Monate alten Mädchens – die Gründe dafür waren am Montagabend nicht bekannt.
Stadtrat äußert sich zur Tat
Nach der Tat äußerte sich auch der Stadtrat von Stade. In einer öffentlichen Mitteilung drückte Carsten Brokelmann „den Opfern dieser schrecklichen Tat sowie deren Hinterbliebenen“ sein „tiefstes Mitgefühl“ aus. Stade ist eine Kreisstadt im nördlichen Niedersachsen unweit von Hamburg und der Elbe. Sie hat knapp 50.000 Einwohnerinnen und Einwohner.











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