Burgstar und Intendantin der Festspiele Reichenau Maria Happel ist zu Gast im Kultur Kompass und spricht über Theater auf Sommerfrische, das Theater als menschlichen Elementartrieb und den großen himmlischen Kulissenschieber.
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Das Theater Reichenau wird 100 Jahre: Morgen starten die Festspiele an der Rax mit der „Fledermaus“ in die Jubiläumssaison. Es ist jene Operette von Johann Strauss, die hier auch zum Auftakt 1926 schon auf dem Spielplan stand, erzählt Maria Happel, künstlerische Leiterin der Festspiele Reichenau. Kurz vor der intensiven Eröffnungswoche mit fünf Premieren war die Burgschauspielerin zu Gast im „Krone“-Podcast-Studio, um im Kultur Kompass über Theater auf Sommerfrische, den Elementartrieb des Spielens und die Lust am Zeitreisen zu sprechen.
Werke von Zweig oder Schnitzler in Reichenau auf die Bühne zu bringen, so wie in diesem Sommer, ist etwas ganz Besonderes für Happel: „Sie sind dort zum Teil entstanden. Dieses Gefühl, etwas wieder aufleben zu lassen, dass man diese Vergangenheit oder diese Geister irgendwie spürt, das finde ich unglaublich interessant.“ Was macht diese Stoffe so zeitlos? „Es hat sich vielleicht das Rad der Geschichte so gedreht, dass man wieder an einem Punkt angekommen ist, an dem man vielleicht schon annähernd war. Und das macht es natürlich auch spannend.“
Die richtige Speisekarte
In ihrer Stückauswahl ist der Intendantin wichtig, dass die Balance stimmt. Auf der einen Seite hat es eine gewisse Leichtigkeit, es ist Sommer, es ist draußen, es ist in der Natur. Auf der anderen Seite verhandeln diese Stücke aber auch existenzielle Themen: „Ich nenne das immer, die Speisekarte muss stimmen. Also es muss für jeden was dabei sein. Theater darf aber vor allem eines nicht – es darf nie langweilen.“
Dass die Festspiele mit einer Adaption von Tolstois „Krieg und Frieden“ auch wieder das historische Südbahnhotel am Semmering bespielen, freut Happel besonders: „Das Hotel ist ganz klar der Hauptdarsteller. Da ist das Erleben, also die Zeitreise extrem – schon wenn man reingeht. Nüchtern betrachtet ist es ein trauriger alter Kasten. Aber sobald wir unsere Scheinwerfer aufstellen und das erstrahlt im alten Glanz, hat man plötzlich ein Bühnenbild, das man so nie bauen könnte. Da hängt so viel Geschichte drin, dass man gar nicht auskommt. Und dass der große Kulissenschieber ganz oben uns jeden Tag eine neue Kulisse zaubert, je nachdem, ob man bei Gewitter spielt oder bei Sonnenschein. Das ist unbezahlbar.“
Überhaupt sieht Happel im Theater einen Elementartrieb des Menschen, ein kostbares Element, das die Fantasie beflügelt und anregt: „Wir können ja hinter diesem Vorhang Welten erschaffen. Das kann alles sein. Wir können Menschen mit auf eine Reise nehmen. Das ist das Ziel.“
Lachen und Weinen
Was verändert Menschen auf dieser Reise? „Auf alle Fälle muss eine Emotion freigesetzt werden. Ob das Lachen ist, ob das Weinen ist, ob das im Idealfall beides ist, ob es ein Wiedererkennen ist, ob es eine Vorstellung von etwas ist, wie es sein könnte.“
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