Die neue EU-Verordnung soll Verpackungen nachhaltiger machen, aber entpuppt sich in der Praxis als undurchsichtiger Bürokratie-Dschungel. „Wir haben zeitlich und finanziell einfach nicht die Ressourcen dafür“, sagt eine Händlerin aus Niederösterreich.
Teddybären mit Namen und Geburtsdatum, Holzspielzeug, Erinnerungsboxen: Bis zu 15.000 Pakete versendet Martina Wächter jährlich von Großweikersdorf in Niederösterreich aus. Normalerweise landen ihre teils in Handarbeit produzierten Waren in halb Europa – aber damit ist jetzt Schluss. Schuld ist die neue EU-Verpackungsverordnung („PPWR“), die seit 12. August in Kraft ist. „Wir müssten uns für jedes der 27 Länder lizenzieren und einen Bevollmächtigten beauftragen, ohne zu wissen, wie viele Bestellungen dann kommen“, erzählt die zweifache Mutter.
Statt nach Luxemburg, Italien und Belgien versendet sie jetzt nur noch nach Deutschland – „das ist den Aufwand wert“ – und in die Schweiz. „Jedes andere Land kostet mich etwa 300 Euro an bürokratischem Aufwand“, erklärt Wächter. „Wir haben zeitlich und finanziell einfach nicht die Ressourcen dafür.“ Auch anderen Unternehmen geht es gleich.
Mit der EU-Verpackungsverordnung sollen ebendiese eigentlich nachhaltiger und umweltfreundlicher werden. So gelten etwa neue Grenzwerte für Ewigkeitschemikalien wie PFAS, in Zukunft soll auch der Leerraum in einem Paket auf 50 Prozent beschränkt werden. Allerdings ist die Umsetzung „ein weiterer bürokratischer Belastungstest für zehntausende heimische Handelsbetriebe“, wie der Handelsverband meint.
Jede Verpackung ein bürokratischer Mehraufwand
Martina Wächter muss etwa für jede der 16 verschiedenen Verpackungen, die sie verwendet, eine Konformitätserklärung vom Lieferanten einholen. „Das muss man zwar meistens nur herunterladen, aber es dauert auch wieder einen halben Tag. So verdient man kein Geld. Wir müssen arbeiten!“ Was die Niederösterreicherin besonders ärgert: Für große Konzerne und kleine Unternehmen wie ihres sind die Regel fast gleich – und die Kosten auch. „Das kann der wirtschaftliche Todesstoß sein.“
Zwei Mitarbeiter nur mit Verordnung beschäftigt
In Saaz in der Steiermark hat Online-Händler Niceshops andere Dimensionen. Bei 88 Prozent Exportquote gehen Waren im Wert von 160 Millionen Euro ins Ausland. „Die Verpackungsverordnung macht den Binnenmarkt in Europa schwieriger“, sagt Geschäftsführer Christoph Schreiner. „Der Hauptaufwand ist das Dokumentieren. Zwei Kollegen sind komplett damit beschäftigt, das neue System aufzubauen und zu verstehen, was zu tun ist.“
Um die eigene Firma mache man sich keine Sorgen, sagt Schreiner. „Um die Wirtschaft generell aber schon. Die Bürokratie wird immer mehr. Wir graben uns unser eigenes Grab.“
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