Breitet sich aus
So will Italien das „Monster vom Gardasee“ stoppen
Wer am Gardasee Urlaub macht, denkt an türkisblaues Wasser, Berge und italienisches Dolce Vita. Doch unter der Oberfläche breitet sich ein Räuber aus, der inzwischen selbst erfahrene Fischer beschäftigt: Der europäische Wels kann mehr als zwei Meter lang und über 80 Kilogramm schwer werden. Nun verstärken die italienischen Regionen ihre Maßnahmen gegen den Eindringling.
Der europäische Wels (Silurus glanis), in Italien auch „pesce siluro“ genannt, ist im Gardasee nicht heimisch. Erste offizielle Nachweise beziehungsweise Katalogisierungen stammen aus den späten 1980er-Jahren. 1988 wurden Welse in Netzen bei Peschiera festgestellt. In den vergangenen drei bis fünf Jahren hat sich die Art besonders stark ausgebreitet.
Betroffen ist vor allem der südliche Teil des Sees, der sogenannte „basso lago“, im Grenzgebiet zwischen Venetien und der Lombardei. Dazu zählen unter anderem Bereiche rund um Sirmione, Peschiera und Punta Grò. Im nördlichen „Alto Garda“ gibt es den vorliegenden Angaben zufolge bislang keine massiven Sichtungen.
Riesenfisch an der Spitze der Nahrungskette
Der Wels steht weit oben in der Nahrungskette und hat im Gardasee keine natürlichen Feinde. Er ernährt sich unter anderem von heimischen Fischarten wie Agone, Flussbarsch, Schleie und Coregone beziehungsweise Lavarello sowie deren Jungfischen. Auch Fischernetze können durch die großen Tiere beschädigt werden.
Die Dimensionen der Räuber machen sie besonders auffällig: Exemplare von mehr als zwei Metern Länge und mit einem Gewicht von 80 Kilogramm oder mehr werden regelmäßig erreicht. 2025 wurden zudem Echolot-Kontakte beziehungsweise Sichtungen von Tieren berichtet, die auf rund drei Meter geschätzt wurden.
Wels ist nur eine von zahlreichen gebietfremden Arten
Für die Berufsfischer hat die Entwicklung spürbare Folgen. Sie berichten von stark rückläufigen Beständen heimischer Fische und davon, dass Welse mittlerweile täglich gefangen werden. Was früher eine Ausnahme gewesen sei, ist demnach inzwischen alltäglich geworden.
Der Wels ist dabei nur eine von zahlreichen gebietsfremden Arten im Gardasee. Nach regionalen Angaben und Studien gibt es dort insgesamt rund 45 allochthone Arten aus unterschiedlichen Gruppen, darunter Fische, Wirbellose und Pflanzen. Der Wels gilt dabei als eine der besonders problematischen Arten.
100.000 Euro für neue Fang-Ausrüstung
Die Region Venetien will nun gegensteuern. Im Juli 2026 genehmigte die Regionalregierung einen Förderaufruf mit einem Gesamtvolumen von 100.000 Euro. Anspruchsberechtigt sind Berufsfischerbetriebe, deren Inhaber oder zumindest ein Gesellschafter im Register der zugelassenen Berufsfischer des Gardasees eingetragen ist.
Pro Betrieb können bis zu 20.000 Euro beziehungsweise bis zu 100 Prozent der förderfähigen Kosten übernommen werden. Finanziert werden sollen unter anderem spezielle Netze sowie Ausrüstung für Fang, Konservierung und Vermarktung der Tiere.
Ziel ist laut dem zuständigen Assessore Dario Bond nicht nur, die Auswirkungen der invasiven Art zu reduzieren. Gleichzeitig soll eine wirtschaftliche Nutzung der gefangenen Welse entstehen. Als möglicher Absatzmarkt wird dabei Nordeuropa genannt. Für frischen Wels werden dort laut den vorliegenden Angaben etwa 2,50 bis 2,70 Euro pro Kilogramm erzielt.
Lombardei plant „Selektionsfischer“
Auch auf der gegenüberliegenden Seeseite werden Maßnahmen vorbereitet. Die Region Lombardei stellte im Juni 2026 das Projekt „Selecontrollo idrico e lotta alle specie alloctone“ vor. Geplant ist unter anderem ein regionales Register speziell geschulter „Selektionsfischer“.
Vorgesehen sind Ausbildungskurse und behördliche Zulassungen. Zudem wird geprüft, ob lokale Tauchclubs mit Pressluftflaschen eingebunden werden können. Eine App soll die Arbeit unterstützen und unter anderem GPS-Positionen, Größe und Anzahl der gefangenen Welse sowie Mageninhalte und weitere Daten erfassen.
Vollständige Ausrottung gilt als unrealistisch
Auch die Comunità del Garda fordert seit längerem ein koordiniertes Vorgehen der beteiligten Regionen Venetien, Lombardei und Trentino. Vizepräsident Filippo Gavazzoni vergleicht die Situation mit der Ausbreitung des Blaukrabben-Problems in der Lagune von Venedig.
Unterstützt werden sollen sowohl Berufsfischer als auch Apnoe- und Speerfischer beim Monitoring und beim selektiven Fang. Parallel ist eine interregionale Regelung zur Sanifizierung von Booten und Motoren geplant, die aus anderen Gewässern kommen. Sie soll ab 1. Jänner 2027 gelten und verhindern, dass weitere invasive Arten eingeschleppt werden.
Eine vollständige Ausrottung des Welses wird von Behörden und Experten allerdings nicht als realistisches Ziel angesehen. Die Art hat sich im Gardasee bereits etabliert und akklimatisiert. Stattdessen geht es um Eindämmung – und gleichzeitig darum, aus den gefangenen Tieren eine wirtschaftlich nutzbare Wertschöpfungskette aufzubauen.










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