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Stefan-Zweig-Serie

Der „Nachbar“ am Obersalzberg beunruhigt Zweig

Salzburg
05.06.2026 08:00

200.000 Seiten schrieb der Autor Stefan Zweig in seinem geliebten Schlössl am Kapuzinerberg. Rechtzeitig vor dem Einmarsch der Hitler-Wehrmacht reiste er ins Exil. Ein fanatischer Nazi-Landesrat organisierte die Verbrennung der Weltliteratur. Hans Peter Hasenöhrl gibt in seiner Serie „Stefan Zweig und Salzburg“ spannende Einblicke in das Leben des Autors.

WEITSICHT. Der Entfernungsrechner druckt das Ergebnis binnen Sekunden aus: Exakt 19,44 Kilometer misst die Luftlinie zwischen dem Kapuzinerberg und dem Obersalzberg. Vom Paschinger Schlössl, das einst Fürsterzbischof Paris Lodron für seine leidenschaftlichen Jagden errichten ließ, geht die Sicht an klaren Tagen bis in die Bergwelt von Berchtesgaden. „Eine wenig erfreuliche und sehr beunruhigende Nachbarschaft“, bezeichnete es der jüdische Autor Dr. Stefan Zweig, der das Gebäude mit seiner Familie bezogen hatte. Denn über der Grenze blickte Nazi-Führer Adolf Hitler durch die riesigen Glasfenster des „Berghofs“ nach Norden, überzeugt davon, dass Österreich bald seine leichte Beute werden sollte. Die Anzeichen waren unübersehbar, so Zweig: „In jenen Tagen sah ich die ersten Flüchtlinge. Sie waren nachts über die Salzburger Berge geklettert oder durch den Grenzfluss geschwommen. Ausgehungert, abgerissen, verstört starrten sie einen an. Mit ihnen hatte die panische Flucht vor der Unmenschlichkeit begonnen, die dann über die ganze Erde ging.“ Dem Beginn der Machtergreifung Hitlers ordnet Stefan Zweig in seinem Monumentalwerk „Die Welt von Gestern“ eine lateinische Bezeichnung zu: „incipit Hitler“ („es beginnt“): So wird in der Kultur der Anfang eines Notentextes beschrieben.

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