Liedkünstler und Publikumsliebling: Der Salzburger Sänger Rafael Fingerlos gastiert zwar an Opern- und Konzerthäusern auf der ganzen Welt, aber er bleibt auch seiner Heimat treu. Er wird heuer eine „Liedperformance“ im Rahmen der Linzer Klangwolke gestalten. Und: Er ist der neue künstlerische Leiter der Salzkammergut Festwochen.
Mit seiner markanten Stimme und seiner außergewöhnlichen Bühnenpräsenz gehört Rafael Fingerlos zu den spannendsten Sängern seiner Generation.
Mit seiner stilistischen Vielseitigkeit und besonderen Liedkunst hat sich der Salzburger international einen Namen gemacht. Er ist weltweit an renommierten Opernhäusern engagiert. Und er betreibt übrigens auch einen häufig besuchten YouTube-Kanal.
Ein Sänger, der sich nahbar gibt
Fingerlos ist aber auch eng mit Oberösterreich eng verbunden, denn seit heuer ist er als künstlerischer Leiter der Sparte Musik ein wichtiger Mitgestalter der Salzkammergut Festwochen Gmunden. Das kulturelle Leben seiner Heimatregion liegt ihm sehr am Herzen: „Die Leute sind mir nah, auch das Salzkammergut, vor allem die Seenlandschaft verbinde ich mit meiner Kindheit“, sagt er im Gespräch mit der „Krone“.
Zwischen Heimat und einer großen Weltkarriere
Mit der Reihe „Lied.Fest“, die vor wenigen Tagen das erste Mal im Rahmen der Salzkammergut Festwochen stattgefunden hat, rückte er die schönste und zugleich intimste Form des musikalischen Ausdrucks ins Zentrum, auch weil er darin eine Form von Widerstand sieht: „Gerade in einer Zeit, in der alles digitalisiert ist, wird das Echte, das unverstärkt Erlebbare wichtiger. Es geht um das Handwerk – und das Lied ist eine handwerkliche Urform. Der Sänger oder die Sängerin erzählt unverstärkt dem Publikum eine Geschichte – das ist die Königsdisziplin der Musik.“ Er selbst liebt das Lied, versucht es neben Opern und Konzerten ebenso intensiv zu pflegen. „Mein Lieblingskomponist ist Schubert“, gesteht er.
Künstler und Kurator, geht das?
Ist es nicht ein Widerspruch, selbst Künstler zu sein und zugleich Konzerte oder Festivals zu kuratieren? Nein, er hält viel davon, wenn Künstlerinnen oder Künstler „selbst Verantwortung übernehmen, in dem sie Programme machen. Denn wenn man selbst auf der Bühne steht, erlebt man über Jahre direkten Kontakt mit dem Publikum, man bekommt ein Gespür, was die Menschen bewegt und berührt. Das ist wichtig für eine kreative Entscheidungsposition“.
Rafael Fingerlos (39) – er stammt aus Mariapfarr im Salzburger Lungau – zählt zu den spannendsten Sängern seiner Generation. Er lebt in Wien. Die künstlerische Bandbreite des gefragten Baritons reicht von Mozart-Partien bis hin zu anspruchsvollen Liedprogrammen. Er gastiert (u.a. regelmäßig) an der Wiener Staatsoper, bei den Salzburger und Bregenzer Festspielen oder in der Elbphilharmonie. Am 12. September 2026 wird er erstmals bei der Linzer Klangwolke auftreten; am 13. September beim Brucknerfest.
Projekte, die ihn weiterbringen
Fingerlos selbst versucht, Bodenständigkeit und Weltkarriere unter einen Hut zu bringen.
Ein winziger Ausschnitt aus seinem Terminkalender: Am Montag, 27. Juli, tritt er beim Konzertabend „Faust et Helène“ im Rahmen der Bregenzer Festspiele auf, es folgen Auftritte beim Marvão Festival in Portugal, dann ein Liederabend beim „Festival Lied Styria“ in Hartberg, Steiermark: „Ich versuche nicht mehr in Opernhäusern oder Locations zu denken, sondern Projekte zu wählen, die mich interessieren. Wo kann ich mich künstlerisch ausdrücken? Was bringt mich als Sänger weiter?“
Der erste Auftritt vor Tausenden Zuhörern
Im Herbst wagt er etwas völlig Neues: „Ich werde bei der Linzer Klangwolke als Sänger dabei sein. Das ist für mich ein Geschenk.“
Wie bereits berichtet, inszeniert Felix Breisach das Mega-Event an der Donau vor dem Brucknerhaus, das am Samstag, 12. September, stattfindet. Fingerlos wird eine Liedperformance beisteuern: „Ich finde es wunderschön, dass die Klangwolke auch wieder klassische Musik beinhaltet. Es werden Tausende Zuschauer erwartet – das ist für mich ein Projekt, bei dem ich mich was trauen muss.“
Auf die Klangwolke folgt eine Matinee am Sonntag, 13. September. Bei dieser kann man Fingerlos noch einmal erleben, denn er gestaltet gemeinsam mit dem Oberösterreichischen Jugendsinfonieorchester das Eröffnungskonzert des Brucknerfestes.