„Perfekter Sturm“

EU sieht Chinas Dominanz bei Solarzellen kritisch

Digital
28.05.2026 15:41
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die Europäische Union (EU) sieht Chinas Dominanz in der Solarindustrie zunehmend kritisch. Aber um die Abhängigkeit tatsächlich zu verringern, brauche es europäische Produktion und vor allem auch eine entsprechende Nachfrage für europäische Komponenten, sagte die Chefin von SolarPower Europe, die Österreicherin Walburga Hemetsberger, am Donnerstag bei einer Diskussionsveranstaltung der OECD. Große Hoffnungen setzt sie dabei in den Industrial Accelerator Act.

„Die Solarindustrie muss eine Zukunft in Europa haben“, so Hemetsberger. Sie sei nicht nur die günstigste Energieform, sondern auch eine Schlüsseltechnologie für die Energiewende und die Wettbewerbsfähigkeit der EU. Sie betonte, dass es trotz der Dominanz Chinas immer noch europäische Champions gebe, insbesondere im Bereich der Wechselrichter-Hersteller.

OECD: China hat sich Dominanz erkauft
OECD-Experte Jehan Sauvage verwies darauf, dass China das Land mit den weltweit höchsten staatlichen Beihilfen sei und die Solarindustrie der Sektor mit den weltweit höchsten Beihilfen, vor Halbleitern und Aluminium. China habe sich die Marktanteile sozusagen durch billigere Preise erkauft. Die Subventionen und Überkapazitäten hätten zwar ein massives Wachstum ermöglicht, gleichzeitig würden die chinesischen Hersteller unter Auslastungsproblemen leiden.

Alexander Brown vom Mercator Institute for China Studies (Merics) führt den Preisverfall nicht nur auf die Subventionen zurück, sondern auch auf den hohen Wettbewerbsdruck unter den Herstellern selbst. Ralf Preu vom Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme sagte, Europa habe seine Technologieführerschaft nicht nur abgegeben, sondern sei staatlich geplant von China aus dem Markt gedrängt worden.

„Perfekter Sturm“ für chinesische Hersteller
Aylin Shawkat vom Klima-Thinktank Agora machte dafür auch die Förderpolitik der vergangenen Jahre verantwortlich. So sei etwa in Deutschland hauptsächlich die Nachfrage nach PV-Anlagen gefördert worden, ohne zu berücksichtigen, dass diese zunehmend aus stark subventionierten Weltteilen bedient wird.

Über Chinas Solarbranche braue sich aber gerade ein „perfekter Sturm“ zusammen, weil Europa und die Welt protektionistischer geworden seien und Chinas PV-Hersteller auf jeder Menge Paneele sitzen, die sie weder am Heimatmarkt noch im Export loswerden.

Um die Abhängigkeit zu verringern, führt laut Brown kein Weg daran vorbei, Geld in die Hand zu nehmen. Die EU müsse aber auch etwas gegen Chinas Subventionen tun und den unfairen Wettbewerb abstellen. Für eine Renaissance der europäischen Solarindustrie braucht es Preu zufolge Marktbedingungen, in denen private Investoren gute ökonomische Chancen vorfinden.

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