Pfingst-Performance

Nitsch, von Holzinger frisch durchblutet

Kultur
24.05.2026 13:48

Die angesagte Choreografin Florentina Holzinger näherte sich in Wien und Prinzendorf dem ikonischen Werk des 2022 verstorbenen Hermann Nitsch. Spannend, aber mit wechselndem Erfolg.

An teils kindlichen Provokationen lassen es die Festwochen ja nicht mangeln. Aber dieses Projekt reichte zumindest prinzipiell über die Krawall-Routine hinaus. Der 2022 verstorbene Hermann Nitsch hat sich mit seinen Aktionen in die Kunstgeschichte eingeschrieben, die Choreografin Florentina Holzinger klopft dort ambitioniert an. Das Werk beider Österreicher zusammenzuführen, war eine schlüssige Idee: Größen wie Nitsch droht posthum die Versteinerung zum Monument. Nun sollte sein philosophisch-theologisch-psychoanalytisches Orgien-Mysterien-Theater, das alle Sinne und Künste mobilisiert, mit frischer Energie durchblutet werden.

Das gelingt anfangs gut. Die einleitende Dreiviertelstunde auf dem Wiener Heumarktgelände zeigt, wie gut der weibliche Blick dem Ganzen tut: Nackte, selbstbewusste Frauen tun, womit sich sonst Männer produzieren. Eine zarte Asiatin zieht ein riesiges Auto in die Arena, eine Akteurin seilt sich von der höchsten Zinne des „Intercont“ ab, zwei vollführen einen Stunt auf einem schleudernden Wagen.

In Nitschs Schloss Prinzendorf wird dann sein Werk paraphrasiert: Man sieht seine klassische Kreuzigungsszene, doch die blutrote Farbe wird von einer Drohne gesprayt. Als Friedensappell wird ein Holzpanzer zermalmt. Und wo Nitsch arrangiert hat, wird das Geschehen vom 32-köpfigen Frauenensemble erlitten: mit immer wahnwitzigeren Stunts und mit realem Schmerz, wenn Nadeln durch die Haut getrieben werden.

Die Bilder sind eindrucksvoll, doch verflacht das Resultat infolge Überlänge gegen Ende. Man hat das Prinzip dann schon verstanden, die virtuosen Aktionen werden redundant und verlieren an Dringlichkeit. Und auf dem ikonischen Schüttboden, auf dem Nitschs bildnerisches Werk entstanden ist, erkennt man den Unterschied zwischen einem Kapitel Kunstgeschichte und seiner (vorläufigen) Behauptung.

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