Auch wenn Kunst schön ist – die Umstände sind es oft nicht: Im Jahr 1975 schenkte der Jurist Walther Kastner seine Grafiksammlung dem Land Oberösterreich. Er selbst hatte in der Zeit des Nationalsozialismus „Arisierungen“ – und damit Enteignungen von Kunst – veranlasst. Die Sammlung ist nun Gegenstand der aktuellen Provenienzforschung, wird aber im Schlossmuseum ausgestellt.
Das Linzer Schlossmuseum stellt ab Freitag, 10. Juli, „Grafische Schätze aus der Sammlung Kastner“ aus. Obwohl die Blätter interessant sind, wird zugleich deutlich gemacht, dass die Herkunft von Kunstwerken noch immer nicht geklärt ist. Darum ist die „Sammlung Kastner“ derzeit Gegenstand der aktuellen Provenienzforschung.
Der spätere Jurist und Kunstsammler Walther Kastner wurde 1902 in Gmunden geboren und wuchs in Linz auf, wo er das Realgymnasium besuchte. Er trat eine Bankkarriere an und sammelte ab 1930 vor allem Grafiken, unter anderem Werke von Alfred Kubin, Lovis Corinth, Max Liebermann und Max Beckmann.
Kurz nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 erhielt Kastner von Arthur Seyß-Inquart das Angebot, einen juristischen Posten im Ministerium für innere und kulturelle Angelegenheiten zu übernehmen. Kurz darauf wechselte er als Prokurist in die Österreichische Kontrollbank, die unter anderem „Arisierungen“ abwickelte. In seiner eigenen Biografie schrieb er später, die Kontrollbank habe 101 „Arisierungen“ abgewickelt. 1942 endete seine Tätigkeit für die Institution. 1943 trat er der NSDAP bei.
Eine „Wendung“, die oft vorkam
Ab Mai 1945 stand Kastner als Nationalsozialist in einem strafweisen Arbeitseinsatz. Er gehörte einem Kunstbergungstrupp an und musste sich wegen der „Arisierungen“ verantworten, das Verfahren wurde jedoch eingestellt. IIronie des Schicksals: Später arbeitete er als Jurist für das Bundesministerium und war mit der Rückstellungsgesetzgebung befasst. Er konzipierte sogar das fünfte Rückstellungsgesetz – der einst für „Arisierungen“ Verantwortliche wickelte nun Rückstellungen ab.
Einblick in die Sammlung bis Oktober
Zugleich baute er seine Kunstsammlung weiter aus. Bereits 1975 übergab Kastner, der 1994 in Wien starb, große Teile der Sammlung dem Oberösterreichischen Landesmuseum.
Die Ausstellung „Grafische Schätze aus der Sammlung Kastner“ präsentiert bis 11. Oktober Werke des Wiener Biedermeier und der österreichischen Moderne. Vertreten sind Zeichnungen und Druckgrafiken von Gustav Klimt, Egon Schiele, Oskar Kokoschka und Alfred Kubin, von dem sich Kastner wiederholt Blätter zur Ansicht zusenden ließ.
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