Erste, spannende Einblicke in das Probengeschehen sowohl auf der neuen Seebühne als auch im Festspielhaus gewährten die Bregenzer Festspiele (Vorarlberg) am Mittwoch.
Am Mittwoch ging der mittlerweile traditionelle Pressetag der Bregenzer Festspiele über die Bühne, erste Einblicke wurden sowohl in die Opernproduktion am See als auch in die Hausoper im Festspielhaus gewährt. Wie berichtet, hat sich die Seebühne im Laufe des Frühjahrs in einen riesigen zerbrochenen Spiegel verwandelt – das Bühnenbild für Giuseppe Verdis „La Traviata“.
Für Bühnenbildner Paolo Fantin ist die Konstruktion aber mehr als bloßes Bühnenbild. Es sei eine Emotion in 3D, eine Skulptur. „In Bregenz kommen die Menschen, um sich das Bühnenbild anzusehen, das gibt es sonst nirgends.“ Begeistert zeigte sich auch Regisseur Damiano Michieletto, der für die Geschichte der Oper auf der Suche nach einem Symbol war und dieses im zerbrochenen Spiegel gefunden hat. Dieser reflektiere die Seele der Hauptfigur Violetta, das Publikum werde durch den Spiegel Violettas Träume wahrnehmen können, ihre Sehnsüchte und ihre Vergangenheit. Zudem machte Michieletto auch ein wenig Hoffnung, das bekanntlich traurige Ende der Oper könnte mit einem Funken Hoffnung versehen werden.
Melodisches Denken
Zeitlich angesiedelt hat der Italiener die Oper in den 20er-Jahren. „Ich liebe die Ästhetik dieser Zeit, die Eleganz, die Opulenz, die Party-Stimmung. Und doch hatte diese Zeit auch ihre dunklen Seiten.“ Dirigent Kirill Karabits betonte seinerseits, dass „La Traviata“ eine autobiografische Erzählung Verdis sei – darum wirke sie auch so stark. Darüber hinaus gebe es keine verdeckten Ebenen, alles wirke direkt aufs Publikum ein, und Verdi sei dafür bekannt, melodisch zu denken.
Mit einem Fuß bin ich im Büro, mit dem anderen bei den Proben.
Lilli Paasikivi
Für Intendantin Lilli Paasikivi ist nun die wohl spannendste Zeit der Saison angebrochen, sie selbst sagte, dass das Arbeiten derzeit „total inspirierend“ sei. „Mit einem Fuß bin ich im Büro, mit dem anderen bei den Proben.“ Dort kann sie auch die finnische Sängerin Marjukka Tepponen erleben, wie sie über die Seebühnenlandschaft hetzt. „Das Singen hier hat etwas von Hochleistungssport, man braucht ein Fernglas, um seine Kollegen auf der Bühne zu sehen“, scherzte die Violetta-Besetzung, die diese Partie vor 15 Jahren zum ersten Mal gesungen hat. Damals allerdings nicht auf einer Bühne, die ganz eigene atemtechnische Herausforderungen mit sich bringt.
Ein gemütlicher Zeitgenosse
Einblicke gab es auch in die diesjährige Hausopern-Produktion, Leo Janaceks „Die Ausflüge des Herrn Broucek“, inszeniert von Yuval Sharon, der aus Chicago stammt, schon einmal als Regieassistent auf der Seebühne gearbeitet hat und im Jahr 2028 ebendort den „Fliegenden Holländer“ von Wagner inszenieren wird. Die Oper sei eine Begegnung mit dem Unbekannten und nehme die Selbstzufriedenheit des Herrn Broucek aufs Korn. Dem gemütlichen Zeitgenossen stellt Janacek hohe Ideale, aber auch die eigene Geschichte entgegen. Dabei macht Herr Broucek eine Reise zum Mond wie auch ins 15. Jahrhundert.
Herr und Frau Broucek
Unmöglich, das zu inszenieren? „Dafür braucht es einen fantastischen Regisseur“, streute Lilli Paasikivi dem US-Amerikaner Sharon Rosen. „Wir alle können uns ein Stück weit mit Herrn Broucek identifizieren, denn wir alle sind in unserer eigenen Welt eingekapselt“, meinte dieser. Robert Jindra, der die musikalische Leitung innehat, betonte, dass Janacek in diesem Stück Humor beweise. Die Oper sei selten gespielt, das liege auch an den schwierigen Gesangspartien, erklärte der Tscheche. Davon merkte man am Mittwoch beim Probenbesuch aber nichts. Vielleicht lag das auch daran, dass Broucek-Darsteller Peter Hoare bereits geübt ist. Er schlüpfte schon viermal in diese Rolle: „Und schön langsam frage ich mich: Was ist eigentlich aus Frau Broucek geworden?!“
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