Blutiges Pfingstspiel

Nitsch-Vermächtnis trifft auf Florentina Holzinger

Kultur
23.05.2026 22:00

Performancekünstlerin Florentina Holzinger sorgt kurz nach der Biennale-Eröffnung erneut für Aufsehen: Bei ihrem „Pfingstspiel“ wandelte sie auf den Spuren des legendären Hermann Nitsch und lud zu einem blutigen Spektakel nach Schloss in Prinzendorf (NÖ) – eine Blitzkritik.

Bei der Biennale sorgte sie für Aufsehen und reges Zuschauerinteresse mit nacktem Glockengeläut und Tauchgängen in Becken mit geklärtem Besucher-Urin. Für Samstag lud Florentina Holziger zum nächsten Spektakel, dem „Pfingstspiel“, das wohl auch für so manche Erregung sorgen wird.

Die neun Stunden dauernde Performance fand in zwei Teilen statt: Am Nachmittag wartete im Wiener Eislauf-Verein „ein Prolog als Oratorium für Körper und Maschinen“. Im Anschluss führte eine gemeinsame Busfahrt nach Schloss Prinzendorf – jenem Ort, an dem Hermann Nitsch sein Orgien-Mysterien-Theater entwickelte.

Florentina Holzinger (re.) begibt sich zu Pfingsten auf die Spuren von Hermann Nitsch.
Florentina Holzinger (re.) begibt sich zu Pfingsten auf die Spuren von Hermann Nitsch.(Bild: GEORG HOCHMUTH)

Dieses habe sie selbst nie live miterlebt, sagt Holzinger im Vorfeld, doch als sie vergangenen Sommer erstmals in Prinzendorf war, habe sie das Gefühl gehabt, die Aktionen miterlebt zu haben, ohne jemals dabei gewesen zu sein. „Es ist urschön dort. Da fühle ich mich recht privilegiert, einerseits. Und andererseits kommen wir schon auch mit unserer ,Fuck you‘-Mentalität da hin. Es wird definitiv orgiastisch!“

Blitzkritik
Coup der Festwochen

Da ist den Festwochen einmal etwas abseits der Krawall-Routine gelungen: Hermann Nitsch hat sich mit seinem Orgien-Mysterien-Theater in die Kunstgeschichte eingeschrieben, die Choreografin Florentina Holzinger nimmt dort gerade Quartier. Beide Österreicher zusammenzuführen, ist eine schlüssige, provokante Idee.

(Bild: Helena Lea Manhartsberger)

Das kann man schon nach der einleitenden Performance auf dem Wiener Heumarkt feststellen, auf dem Weg zum Pfingstfest in Schloss Prinzendorf. Nitschs Gesamtkunstwerk wird mit neuer Energie durchblutet: Von Laien-Akteuren erzeugte Bilderwucht gewinnt in der Weiterführung durch professionelles Körpertheater schockierende Dringlichkeit.

HS

Ein Drehbuch im herkömmlichen Sinn gab es nicht, Elemente aus ihrer Opernperformance „Sancta“, in der sie sich mit Religion und Kirche auseinandersetzt, wurden weitergesponnen. Ein spezielles Thema in ihren Arbeiten bildet die Auseinandersetzung mit dem Schmerz, der, so Holzinger, „Teil des Lebens“ sei, zum Teil kulturell akzeptiert, zum Teil dem Publikum normalerweise nicht zumutbar.

Mit Kritikern geht Holzinger gewohnt lässig um: „Ich weiß, sie nennen mich jetzt die ,Pisskünstlerin‘ seit Venedig, aber in Prinzendorf machen wir auch die Blutkunst. Es wird ein sehr spezielles Experiment!“ 

Das „Pfingstspiel“ war restlos ausverkauft.

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