Prozess in Eisenstadt

Nichten missbraucht? Onkel vermutet eine Intrige

Burgenland
08.07.2026 18:00

Zwischen seinem 14. und 18. Lebensjahr soll ein Onkel seine um sechs Jahre jüngeren Nichten sexuell missbraucht haben. Im 14-Tage-Rhythmus, immer dann, wenn er auf die Mädchen „aufgepasst“ hat. Der heute 26-jährige Burgenländer ist sich keiner Schuld bewusst.

Die Vorwürfe wiegen bleischwer: Vergewaltigung, schwerer sexueller Missbrauch von Unmündigen sowie Ausnutzung eines Autoritätsverhältnisses. Der Angeklagte soll sich von 2014 bis 2019 im Zwei-Wochen-Rhythmus an den Töchtern seiner Schwester vergangen haben. Und zwar immer dann, wenn er die Mädchen beaufsichtigte.

Zu Beginn der Übergriffe war jede der Nichten acht Jahre alt. Und: Der Onkel 14. Geendet haben sollen die Torturen mit dem 19. Geburtstag des Nordburgenländers. Deshalb wird am Landesgericht Eisenstadt vor dem Jugendschöffensenat verhandelt.

Keine Zeugen und ein innerfamiliärer Strick
Der heute 26-Jährige, dem im Jänner trotz geltender Unschuldsvermutung vom Arbeitgeber gekündigt wurde, bekennt sich via Anwalt Stefan Wappel vollinhaltlich „nicht schuldig“. Man habe ihm innerfamiliär einen Strick drehen und sein Leben zerstören wollen. Nichts sei belegbar. Die Staatsanwältin stütze sich lediglich auf die Aussagen der Mädchen und deren Mutter.

„Ich hab‘ dich lieb“
„Es gibt keine unmittelbaren Zeugen! Als angeblicher Beweis wurde nur eine einzige Seite aus einem Tagebuch vorgelegt“, sagt Wappel. „Keiner weiß, wann diese geschrieben wurde. Und der Rest? Man hat verweigert, diesen herauszugeben.“ Außerdem habe es zwischen Nichten und Onkel auch nach 2019 regen Schriftverkehr auf WhatsApp gegeben. „Mehrmals haben sie ihm geschickt: Ich hab‘ dich lieb.“ Und was den 19. Geburtstag betrifft: „Da war mein Mandant bis 17.30 Uhr nachweislich in der Berufsschule, wurde dort von seinem Vater abgeholt und nach Hause gebracht.“

Noch vor der Einvernahme des Angeklagten muss die Öffentlichkeit den Saal verlassen, die auch die eingespielten Video-Aussagen der Opfer nicht zu hören bekommt. Also stützen wir uns auf das Eröffnungsplädoyer der Staatsanwältin, die sexuelle Praktiken schildert, die niemand lesen will.

Flashbacks, Angstzustände und Schlafprobleme
In solchen Fällen wirft sich die Frage auf: Warum erst jetzt? Es dreht sich viel ums Verdrängen. Jahrelang haben die Schwestern nicht darüber gesprochen. Auch untereinander nicht. Erst nach einer Info-Veranstaltung über sexualisierte Gewalt sei es in der Älteren hochgekommen. Beide leiden laut Diagnose unter einer posttraumatischen Belastungsstörung. Sie haben Flashbacks, Angstzustände, Schlafprobleme.

Die Vorsitzende vertagt. Nicht anzunehmen ist, dass unbescholtene AMS-Bezieher bis zum Termin im September vom ehemaligen Arbeitgeber wieder eingestellt wird.

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