Daniel Serafin, Intendant der Opernfestspiele St. Margarethen, zeigt ab Mittwoch, 15. Juli, Puccinis „Tosca“ auf der riesigen Bühne des Steinbruchs. Im „Krone“-Interview berichtet er über Erwartungsdruck, Fabelwelten und entschwebende Rauchwolken.
„Krone“: Am Mittwoch, 15. Juli, feiert Giacomo Puccinis „Tosca“ im Steinbruch Premiere. Es ist Ihr 7. Jahr als Intendant der Opernfestspiele. Es sieht nicht danach aus, als wäre es ein verflixtes 7. Jahr, oder?
Daniel Serafin: (lacht) Nein, es ist ein traumhaftes siebentes Jahr. Ich sage immer: Wir befinden uns im siebenten Himmel.
Es ist nach der Dornhelm-Inszenierung im Jahr 2015 die zweite „Tosca“, die in Margarethen gespielt wird.
Und ich freue mich auf meine erste „Tosca“, es ist wie ein Sex-and-Crime-Thriller à la Hollywood von Puccini, eines der schönsten und größten Werke der Opernliteratur.
Ist der Stoff nicht zu intim für den riesigen Steinbruch, es ist ja doch eher ein Kammerspiel.
Jein. Der Steinbruch hat eine Größe, aber dennoch eine unfassbare Intimität. Regisseur Thaddeus Straßberger schafft es mit seinem Bühnenbild, und das ist die große Kunst im Steinbruch, einen intimen ersten Akt in der Kirche Sant’Andrea della Valle zu machen. Dann gehen wir weiter in den Palazzo Farnese, den heiligen Ort des Sexualverbrechers Baron Scarpia. Straßberger hat das alles pittoresk in den Steinbruch hineingestellt, auch am Ende am Dach der Engelsburg bei der intimen Szene, auf der Plattform . . .
Komponist: Giacomo Puccini
Uraufführung: 14. Jänner 1900 im Teatro Costanzi in Rom
Worum geht´s? Die berühmte Sängerin Floria Tosca und der Maler Mario Cavaradossi sind ein Liebespaar und geraten in das Machtspiel des sadistischen Polizeichefs Scarpia. Am Ende stürzen beide in eine tödliche Tragödie.
Echtzeit-Krimi: Die gesamte Handlung ist extrem gerafft und spielt an nur zwei Tagen (17. und 18. Juni 1800) vor dem historischen Hintergrund der napoleonischen Kriege.
Reale Schauplätze: Alle drei Akte spielen an echten Orten in Rom, die man heute noch besuchen kann: der Kirche Sant’Andrea della Valle, dem Palazzo Farnese und der Engelsburg
Politischer Thriller: Es ist eine der brutalsten Opern überhaupt. Sie zeigt Folter, Erpressung, einen Mord aus Notwehr (Tosca ersticht Scarpia), eine echte Hinrichtung (Cavaradossi) und endet mit einem spektakulären Selbstmord-Sturz von der Engelsburg.
Berüchtigte Pannen-Oper: Beim finalen Sturz von der Festungsmauer landeten Darstellerinnen in der Theatergeschichte schon auf falsch platzierten Trampolins und federten wieder hoch ins Sichtfeld des Publikums.
. . .von der „Tosca“ aber diesmal nicht springen wird!
Wir haben uns dafür entschieden, dass sie von einer Rauchwolke umhüllt wird und in das ewige, gleißende Licht entschwebt.
Warum nicht der klassische Selbstmordsprung?
Es ist laut Libretto eigentlich ein Sprung ins Licht. Wir hatten in den letzten Jahren schon so viel Herabstürzendes, zuletzt im Vorjahr die Senta beim „Fliegenden Holländer“, die von den Klippen sprang, deswegen diesmal etwas anderes. Aber unser Ende ist nur eine andere Interpretation. Tosca geht. Sie verlässt die Erde – und wird zum Schutzengel.
Aber sonst bleibt es klassisch?
Ja, alles klassisch, Kostüme etc. Wissen Sie, ich mache Oper für jedermann, ich mache Oper für ein Publikum, das ich nicht verschrecken und schon gar nicht verscheuchen will. Alle sollen in dieses Werk eintauchen können.
Haben Sie den Erwartungsdruck, dass es im Steinbruch immer bombastisch und spektakulär zugehen muss?
Nein, denn es muss nicht immer bombastisch sein. Auch nicht immer größer und lauter. Irgendwann hat man den Plafond erreicht. Bei mir soll man eine transzendentale Welt erleben. Ich will die Menschen im Steinbruch auf eine Zeitreise mitnehmen. Daher lautet mein Wunsch an den Regisseur immer: „Bitte bring uns in eine Welt der Fantasie, in eine Welt der wunderbaren Bilder.“ Ich mag Ästhetik, ich mag Schönheit. Das ist mir das Wichtigste. Unser Publikum soll in eine Fabelwelt und in Schönheit eintauchen.
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