Die Salza in der Steiermark ist der längste unverbaute Wildfluss Mitteleuropas. Sie spendet glasklares Trinkwasser für die Stadt Wien und Adrenalin pur für alle, die ihrem Flusslauf folgen. Ein Erlebniswochenende im Kajak zwischen Schlucht, Stromschnelle und Funkstille.
Auf den letzten Kilometern nach Wildalpen wird die Straße schmaler, der Handyempfang bricht ab und in der smaragdgrünen Salza blitzen bunte Pünktchen auf. Wie große Smarties gleiten die Kajaks über das Wasser. Wir sind zwölf Freunde, es ist das erste warme Wochenende im Mai. Bald sitzen wir ebenfalls in Booten und paddeln.
Ein Meisterwerk der Ingenieurskunst
Wildalpen liegt tief im Gesäuse, umgeben von Fels und Wald, erfüllt vom Rauschen der Salza – die hier ihren Weg nach Wien antritt. Nahe dem Hochschwabmassiv entspringt die Kläfferquelle, eine der größten Trinkwasserquellen Mitteleuropas. Seit 1910 transportiert die Zweite Wiener Hochquellenwasserleitung das Wasser über 180 Kilometer in die Bundeshauptstadt, ohne Pumpen, allein durch Schwerkraft. Ein Meisterwerk der Ingenieurskunst, das bis heute funktioniert.
Lektion Eins: „Locker in der Hüfte und lächeln“
Unsere Gruppe wird von zwei erfahrenen Kajaklehrern begleitet. Uwe Felix, seit 34 Jahren auf der Salza, und Robin Perner. Uwes erste Lektion wird zum Programm: „Locker in der Hüfte und lächeln.“ Das Lächeln kommt von allein. Adrenalin, atemberaubende Kulisse und purer Kraftakt sorgen für unvergessliche Emotionen.
Zum Einstieg bei Gschöder werden wir ausgerüstet: Fleece, Neoprenhose und -jacke, Helm, Schwimmweste, Spritzdecke. Dann folgt die Einschulung in Kehrwasser, Strömungslesen und die Eskimorolle. Bei zehn Grad Wassertemperatur ein kurzer Schock, im Ernstfall unentbehrlich. Man sitzt in einem engen, bis auf die Einstiegsluke geschlossenen Boot. Das Doppelpaddel dient nicht nur zum Steuern, sondern auch zum Gleichgewicht Halten, das Boot reagiert stark auf Hüft- und Beinspiel. Das klingt anspruchsvoll. Und ist es auch. Mit professioneller Anleitung sind jedoch selbst knifflige Passagen gut beherrschbar.
Man muss aktiv sein. Nur durch Praxis kann man Fortschritte machen.
Felix Uwe, Kajaklehrer in Wildalpen
Wildwasserkajak ist übrigens kein Solosport, mindestens zu zweit sollte man sein, in der Gruppe ist der Spaßfaktor besonders hoch. Wir fahren bis Platterstedt (Brunn), rund fünf Kilometer auf dem Oberlauf, maßgeschneidert für Anfänger. Der Wasserstand ist noch niedrig, was die Tour ruhiger, die Körperarbeit jedoch nicht weniger fordernd macht. Mit der Zeit wird man tatsächlich lockerer in der Hüfte – und gleitet geschmeidig über das Wasser.
Perspektivenwechsel hoch über dem Fluss
Die Salza erstreckt sich rund 88 Kilometer von ihrer Quelle nahe Mariazell bis zur Mündung in die Enns und hält für jeden das passende Abenteuer bereit. Verschiedene Abschnitte in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, auch für Rafting und Canyoning, machen das Salzatal zu einem attraktiven Revier für Einsteiger wie Profis.
Mehrere Wanderwege führen von Wildalpen in die umliegende Bergwelt. Einer der eindrucksvollsten verläuft durch die Palfauer Wasserlochklamm, über eine 65 Meter lange Hängebrücke, 21 Meter über der Salza, vorbei an fünf Wasserfällen. Der höchste davon stürzt 67 Meter in die Tiefe. Was dieses Tal neben dem Wildwasserrevier auch zum Reservoir einer Millionenstadt macht, erklärt das Museum HochQuellenWasser im Tulleck’schen Hammerwerk.
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