Lenker war amtsbekannt

Amokfahrt erschüttert Leipzig: Tote und Verletzte

Deutschland
05.05.2026 06:18

Zahlreiche Verletzte und zwei Tote (63, 77) hat es am Montag in der Leipziger Innenstadt gegeben. Ein Auto war mit überhöhter Geschwindigkeit in eine Menschenmenge gerast. Der Lenker – ein 33-jähriger deutscher Staatsbürger, der offenbar der Polizei bereits bekannt war – konnte noch an Ort und Stelle verhaftet werden.

Etwa 500 Meter weit raste der Wagen, ein hellgrauer VW, gegen 17 Uhr durch die Grimmaischen Straße, eine Einkaufsstraße in Leipzig im deutschen Bundesland Sachsen. Zahlreiche Menschen wurden Augenzeugen der „80 bis 100 km/h schnellen“ Fahrt, die durch einen Poller gestoppt wurde. Der Fahrer ist in Gewahrsam.

Täter verheiratet, Vater und Boxtrainer
Bei dem Verdächtigen soll es sich um einen verheirateten Haustechniker handeln, der auch als Boxtrainer aktiv war. Jeffrey K. soll überdies Vater eines Kindes sein. Auslöser für die Tat soll ein Streit gewesen sein, so die „Bild“.  Von „dem Einzeltäter“ geht „derzeit keine Gefahr mehr aus“, beruhigte die Polizei in einer Stellungnahme. Von einem politischen oder religiösen Motiv des Täters gehen die Ermittler nicht aus.

Das Auto, das nach der 500-Meter-Fahrt durch die Innenstadt von einem Poller gestoppt wurde
Das Auto, das nach der 500-Meter-Fahrt durch die Innenstadt von einem Poller gestoppt wurde(Bild: APA/dpa/Sebastian Willnow)

Kliniken meldeten „Massenanfall von Verletzten“
Der Leipziger Branddirektor Axel Schuh sprach am Abend von zwei Toten – einer 63-jährigen Frau und einem 77-jährigen Mann – drei Schwerverletzten und weiteren „bis zu 80 körperlich“ Verletzten. Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte waren im Großeinsatz. In den umliegenden Krankenhäusern wurde ein „Massenanfall von Verletzten“ gemeldet, zuerst war von einer Messerattacke die Rede. Die Lage entspannte sich im Laufe des Abends allmählich. Zehn Krankenwagen waren vor Ort, zudem zahlreiche Streifenwagen der Polizei.

Die Karte zeigt die Lage von Leipzig in Sachsen im Kontext eines Vorfalls, bei dem ein Auto in eine Menschenmenge gefahren ist. Leipzig ist mit einem Symbol hervorgehoben, das den Ort des Geschehens markiert. Quelle: APA.

„Menschen wurden überfahren“
Einige Geschäfte und Restaurants in der Innenstadt seien geschlossen, Mitarbeiter wurden nach Hause geschickt. Viele von ihnen seien laut Medienberichten geschockt von dem Ereignis. Eine Augenzeugin schilderte dem „Focus“: „Ich habe aus dem Geschäft gesehen, wie ein Auto durchgerast ist. Menschen wurden überfahren.“ 

Oberbürgermeister Jung und Innenminister Schuster bedankten sich ausdrücklich auch bei den Menschen, die vor Ort schnell und umsichtig geholfen hätten. Besonnene Passanten hätten schnelle Hilfe gespendet, Wasser gereicht und vorbildlich reagiert.

Die Bilder vom Ort des Dramas:

Laut Augenzeugen Frau auf Windschutzscheibe
Angeblich hätten Augenzeugen gesehen, dass sich eine weibliche Person auf der Windschutzscheibe des Autos befunden habe, als das Gefährt aus noch nicht geklärter Ursache durch die Fußgängerzone raste. 

Auf dem Augustusplatz, von wo aus der Lenker sein Fahrzeug in die Flaniermeile gelenkt hatte, wurde eine Betreuungsstelle des Kriseninterventionsteams eingerichtet.

Oberbürgermeister: „Lenker psychisch auffällig“
Laut dem Oberbürgermeister von Leipzig, Burkhard Jung, sei der Lenker bei seiner Verhaftung „psychisch auffällig“ gewesen. Ein Motiv kenne man noch nicht. Auf Videos, die die Festnahme zeigen sollen, sieht man einen schlanken Mann im blauen T-Shirt und heller Hose. Der Kopf des Verdächtigen ist weitgehend kahl rasiert. Zudem hört man ihn immer wieder rufen: „Macht, dass es aufhört!“

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer nannte das Geschehen „eine mutmaßliche Amokfahrt“. „Das erschüttert mich zutiefst. Ich bin in Gedanken bei den Opfern und ihren Familien. Den Verletzten wünsche ich Kraft und schnelle Genesung. So eine Tat macht uns sprachlos – und sie macht uns entschlossen“, sagte Kretschmer.

Sachsens Innenminister Armin Schuster (3. v. links) am Rande der Pressekonferenz
Sachsens Innenminister Armin Schuster (3. v. links) am Rande der Pressekonferenz(Bild: AFP/JENS SCHLUETER)

Innenminister: „Schreckliche Amoktat“
Der CDU-Politiker unterstrich in seinem Posting: „Wir werden alles daransetzen, sie schnell und vollständig aufzuklären. Der Rechtsstaat wird mit aller Konsequenz handeln.“ Jetzt werde es darum gehen, füreinander da zu sein. „Sachsen hält zusammen.“ 

Bei einer eilig anberaumten Pressekonferenz sprach Sachsens Innenminister Armin Schuster ebenfalls von einer „schrecklichen Amoktat“. „Wir haben es mit hoher Wahrscheinlichkeit, Stand jetzt, mit einem Amokläufer zu tun“, so Schuster weiter.

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