Wenn (Kuh)Liebe siegt

Bauer kämpft ums Überleben. Aufgeben? Keine Option

Niederösterreich
07.05.2026 10:00

Karl H. schildert den anstrengenden und finanziell fordernden Alltag, den er als Bauer alleine meistern muss. Aufgeben ist für ihn keine Option, denn nicht auszudenken, was dann mit seinen geliebten Kühen Gitti, Moni, Lisi oder Prinzessin passieren würde. 

Zwischen 1995 und 2023 ist die Zahl der Bauernhöfe in Niederösterreich um rund 53 Prozent gesunken. Was wie eine nüchterne Statistik klingt, ist für viele eine stille Tragödie – und für manche ein täglicher Überlebenskampf.

Einer von ihnen ist Karl H., 66, aus dem Bezirk Neunkirchen. Trotz zweier Forstunfälle steht er noch täglich auf seinem Bergbauernhof nahe Gloggnitz. Aufgeben kommt für ihn kaum infrage, obwohl es sich finanziell schon lange nicht mehr rechnet. Er betreibt seinen Hof mit 17 Mutterkühen und zehn Kälbern, von deren Verkauf er lebt. Der dreijährige Stier „Burli“ sorgt dafür, dass immer wieder Nachwuchs kommt.

Karl H. liebt seine Kühe – und die Kühe lieben ihn. Sobald er den Stall betritt, scharren sie ...
Karl H. liebt seine Kühe – und die Kühe lieben ihn. Sobald er den Stall betritt, scharren sie sich um ihn herum.(Bild: Doris Seebacher)

Urlaub? „Gab es zuletzt vor 20 Jahren“
Doch die Realität ist hart: steigende Kosten, wachsender Preisdruck, billige Importe - und dazu körperliche Grenzen nach den Unfällen. Allein schafft er die Arbeit kaum noch. Wiesen müssen gepflegt, Zäune repariert, die Tiere versorgt werden. Urlaub? „Gab es zuletzt vor 20 Jahren“, so der Landwirt. „Wenn ich jetzt aufgebe, dann würden alle meine Kühe geschlachtet werden“, klagt er, denn die meisten Tiere seien bereits über zehn Jahre alt. „Aber ich hänge an jedem einzelnen Tier“, sagt er – und nennt all seine Kühe beim Namen: Gitti, Moni, Lisi, Prinzessin usw.

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Täglich geben in Österreich rund neun Landwirte auf. Viele finden keine Nachfolger, viele können wirtschaftlich nicht mehr mithalten. 

Karl H., Landwirt

800 Jahre lang führten seine Brunnen Wasser, jetzt sind sie ausgetrocknet.
800 Jahre lang führten seine Brunnen Wasser, jetzt sind sie ausgetrocknet.(Bild: Doris Seebacher)

Semmering-Basistunnel „stahl“ ihm Wasser aus Brunnen
Zusätzlich kämpft er mit existenziellen Problemen: Seine beiden Brunnen, die seit 800 Jahren Wasser führten, sind nach dem Start des Semmering-Basistunnelbaus ausgetrocknet. Wasser – in seinem Fall 500.000 Liter im Jahr – muss nun teuer zugekauft werden. Entschädigung dafür bekam er nie, weil die ÖBB keinen Zusammenhang mit dem Tunnelbau erkennen konnte. Das ärgert Karl H., denn ein Gutachten bestätigte den Tunnelbau als Ursache. Und auch im Nachbarort wurden Bauern, deren Quellen versiegt sind, von der ÖBB entschädigt. 

Unterstützung gesucht
Trotz allem hält er an seinem Hof und an seinen Tieren fest. Was ihm fehlt, ist Unterstützung. „Jemand, der ein paar Mal in der Woche mit anpackt“, wünscht sich Karl H. Interessenten können sich gerne bei ihm unter der E-Mailadresse aegl@gmx.at melden.

Landwirtschaftskammer bietet Hilfe an
Mit einem umfassenden Beratungs-, Bildungs- und Dienstleitungsangebot unterstützt die Landwirtschaftskammer NÖ Bauern bei betrieblichen Entwicklungsschritten, Fördereinreichungen, spezifischen Fachfragen, Beratung bei Hofübergaben und Hofübernahmen, Kostenrechnungen bis hin zu rechtlichen Themenstellungen. 

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