Es war ein Ausrufezeichen: Mehr als 1500 Menschen nahmen am 1. Mai am Demonstrationszug der KPÖ durch Graz teil. Bürgermeisterin Elke Kahr flogen viele Herzen zu. Sie bleibt ein Phänomen und eine scheinbar unantastbare Marke, alles andere wird ausgeblendet.
Auch wenn den Kommunisten oft nachgesagt wird, etwas chaotisch zu agieren: In Graz sind sie längst eine schlagkräftige Organisation, die auch einen Mai-Aufmarsch professionell inszeniert. Dass der Zeitplan nicht eingehalten wird, es keine große Bühne gibt und vieles wie improvisiert wirkt, passt zur Marke: Man ist nahbar, auf Augenhöhe mit den „kleinen“ Menschen, offen für jeden.
Vorneweg marschiert Elke Kahr, erst in der zweiten Reihe folgen Stadtrat Robert Krotzer und die Landtagsabgeordneten Claudia Klimt-Weithaler und Alexander Melinz. Der Bürgermeisterin gehört die Aufmerksamkeit, insbesondere im Wahljahr. Kahr plaudert mit vielen Passanten, winkt, grüßt. Sie stößt auf viel Wohlwollen, auch von Menschen im Gastgarten, die optisch eher wie konservative Wähler wirken. Kahr ist längst eine Marke, die für sich steht.
Dass es weiter hinten im Demozug mehrere Palästinenser-Tücher gibt, Solidarität für das alles andere als demokratisch regierte Kuba eingefordert und der Klassenkampf lautstark beschworen wird: Das wird in Graz von vielen Wählern registriert, aber irgendwie auch nicht ernst genommen. Die „Politik von unten“, die in allen Reden am gestrigen Tag beschworen wird, zieht, auch bei vielen, die ein finanziell abgesichertes Leben haben.
Kahrs Ansprache am Ende des Aufmarschs zeigt den Bogen, den sie spannen kann. Sie kritisierte die Wirtschaftskammer und den Kapitalismus, spricht von der Utopie einer klassenlosen Gesellschaft – geht aber nur so weit, damit sie auch für viele Menschen, die politisch nicht links-außen stehen, noch wählbar bleibt. Mit der klaren Ablehnung eines NATO-Beitritts trifft sie ohnehin den Geschmack einer breiten Mehrheit, auch den Wunsch nach einer Friedensbewegung teilen sehr viele.
Auch wenn es Kahr nicht gerne hört: Sie ist die haushohe Favoritin bei der Wahl am 28. Juni. Der 1. Mai hat das eindrucksvoll vor Augen geführt.
Ich wünsche Ihnen einen angenehmen, frühsommerlichen Samstag!
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