Die Sozialdemokratie zelebriert morgen in ihrer Rolle als Arbeitervertretung den 1. Mai – mit Reden, Aufmärschen. Doch sprichen die Roten überhaupt noch die Sprache der „Hackler“?
Für die steirische Sozialdemokratie ist es der höchste „Feiertag“: Am 1. Mai trommeln die Roten zu Kundgebungen, laden parteinahe Organisationen zu Fitmärschen. Die Grazer SPÖ nutzt den morgigen Feiertag, um vor der Gemeinderatswahl am 28. Juni ihre Kernbotschaft unters (Wahl-)Volk zu bringen: die Gesundheitsversorgung in der Landeshauptstadt. Spitzenkandidatin Doris Kampus wird mit Steiermark-Parteichef Max Lercher auf der Hauptplatz-Bühne stehen und ein „Ende der 2-Klassen-Medizin“ fordern. Bei prächtigem Wetter wird der Grazer Hauptplatz gut gefüllt sein, doch eines ist klar: Die Hoch-Zeit des Staatsfeiertages ist längst vorbei.
Der sukzessive Niedergang des 1. Mai ist kein Zufall, sondern Ausdruck einer schleichenden Entfremdung: Die Arbeitswelt hat sich tiefgreifend verändert, prekäre Beschäftigung, Digitalisierung und individuelle Unsicherheit prägen den Alltag vieler Steirer. Doch die Sprache und Symbolik der Arbeiterbewegung sind oft dieselben geblieben. Wo früher kollektive Kämpfe standen, fehlt heute oft die konkrete Ansprache neuer sozialer Fragen.
Für die SPÖ liegt darin eine unbequeme Wahrheit: Der 1. Mai kann nur dann wieder an Bedeutung gewinnen, wenn er mehr ist als Tradition. Die Sozialdemokratie muss wieder die Sprache der Arbeitnehmer sprechen, Probleme mit Kriminalität und Migration offen ansprechen – denn diese Rolle hat längst die FPÖ übernommen.
Einen schönen Donnerstag!
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