Beim Dornbirner Krippenverein in Vorarlberg rüsten sich die Kursteilnehmer bereits fürs nächste Weihnachtsfest. Einmal in der Woche wird fleißig an den alpenländischen und orientalischen Krippen gebaut. Ein „Krone“-Besuch in der Werkstatt.
Ein Donnerstagabend, die warme Frühlingssonne geht langsam unter, an Winter und Weihnachten mag an solchen Tagen niemand denken. In der Dornbirner Marktstraße sind dennoch einige Bastler dabei, ein neues Schmuckstück für den Heiligen Abend anzufertigen. In der Werkstatt des Krippenvereins wird fleißig gehämmert, geleimt und gemalt. Julia und Stefan beispielsweise haben sich dazu entschieden, gemeinsam eine alpenländische Krippe anzufertigen.
„Parallel zu unserem Holzhaus bauen wir noch ein kleines. Sich hier anzumelden, war die Idee meiner Frau. Wir wollten mal wieder etwas zu zweit und ohne Kinder tun“, erzählt der Bauherr. Ob sie als Tandem schneller sind als die anderen Kursteilnehmer? Darüber will er kein Urteil fällen: „Aber unser Bauleiter Simon hat gesagt, dass wir im Plan sind.“ Simon Mäser ist nicht nur eines von insgesamt vier Vorstandsmitgliedern des Vereins, sondern auch einer der Helfer beim Donnerstagskurs. Julia und Stefan steht er mit Rat und Tat zur Seite, gibt die einzelnen Schritte vor und hilft bei Arbeiten, die spezielles handwerkliches Geschick erfordern.
Krippe mit Sägewerk und E-Motor
Besonderes Talent im Umgang mit Holz hat Krippenbauer Peter bewiesen. Sein Gebäude verfügt sogar über ein Sägewerk, das mit einem Elektromotor betrieben wird. „Okay, es ist eher ein Sägewerk mit Krippe geworden“, gibt er lachend zu. Die Zahnräder dafür hat er einzeln ausgesägt. Auch einen Brunnen hat er installiert, allerdings ohne fließendes Wasser. „Wäre der Brunnen undicht, würde ich Ärger mit meiner Frau bekommen“, sagt er. Die Idee mit dem Sägewerk sei ihm spontan gekommen und nun wolle er diese unter fachkundiger Anleitung umsetzen. „Die aufwendigen Extras müssen aber in Heimarbeit gemacht werden. Sonst kommt demnächst noch jemand, der eine barrierefreie Krippe mit Aufzug bauen will“, schränkt Simon mit einem breiten Grinsen ein.
Ganz konzentriert arbeitet währenddessen eine weitere Julia an ihrem neuen Schmuckstück. Sie hat sich für die orientalische Variante entschieden. „Wir haben keine Krippe daheim. Nachdem sich meine Tochter eine gewünscht hat, ich aber keine gefunden habe, die mir gefällt, habe ich beschlossen, selbst eine zu bauen“, erzählt sie. Die Geburtsgruppe sei schon bestellt, zum Geburtstag gebe es dann hoffentlich noch ein paar Figuren dazu, damit die Krippe an Weihnachten nicht nur von Maria, Josef und dem Jesuskind umgeben sei.
Eine Passionskrippe für die Karwoche
Definitiv nicht zu Weihnachten aufgestellt werden die Kunstwerke von Monika und Reinelde. Unter der Aufsicht von Luis Rinderer, einem weiteren Vorstandsmitglied und Kursleiter, bemalen die beiden gerade ein weißes Gewölbe mit kleinen Fackeln an den Wänden. „Wir haben uns gedacht, dass wir mal eine Passionskrippe gestalten, die wir dann in der Karwoche aufstellen“, erklärt Monika. Was das Krippenbauen angeht, sind die beiden zwei alte Hasen. „Wir sind Mitglied im Verein, haben sicher zehn Krippen gebaut und auch schon Figuren angefertigt“, erzählt Reinelde. Sie schätzt das kreative Arbeiten und die netten Menschen, die man bei den Kursabenden trifft. „Und es ist ein tolles Gefühl, wenn man am Ende etwas Selbstgebautes in der Hand hält.“
Leonardo da Vinci als Vorbild
Auf die Idee mit der Fastenkrippe ist das Duo nach einem Besuch im Krippenmuseum im Dornbirner Gütle gekommen. „Wir haben uns dann im Internet ein paar Versionen angeschaut, der Luis hat zudem einige gute Ideen gehabt, uns beraten und viel geholfen“, berichtet Monika. Am Ende sollten die beiden Werke so ähnlich aussehen wie das „Letzte Abendmahl“ auf Leonardo da Vincis Gemälde. Die Figuren werden dieses Mal nicht selbst angefertigt, sondern im Internet bestellt.
Bereits in zwei bis drei Wochen – also noch vor Sommerbeginn – sollen die Kunstwerke fertig sein. Und wenn die heißen Tage vorbei sind, werden im kühlen Keller der Dornbirner Marktstraße noch zwei weitere Kurse über die Bühne gehen. Plätze hierfür gibt es aber keine mehr.
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