„Simon Boccanegra“

Große Stimmkraft und ein packendes Finale

Kultur
17.04.2026 11:07

Die Staatsoper ist in eine neue Spielserie von Verdis „Simon Boccanegra“ gestartet. Mit Eleganz überzeugen vor allem der Regie-Klassiker von Peter Stein und das Dirigat von Marco Armiliato. Ludovic Teriér steigert sich bei seinem Wiener Rollendebüt in der Titelpartie.

Auch ein anfangs durchwachsener Abend kann sich zu einem packenden Finale steigern – so geschehen beim Auftakt der Spielserie von Verdis „Simon Boccanegra“ an der Wiener Staatsoper. Bariton Ludovic Tézier sang die Titelpartie des Dogen von Genua erstmals in Wien: sehr heldnisch lodernd, zu Beginn etwas angestrengt, aber spätestens im letzten Akt von einer berührend schmerzvollen Zärtlichkeit. Ebenfalls sein Rollendebüt gab Charles Castronovo als sein Kontrahent Gabriele Adorno. Mit seinem vor Kraft strotzenden Tenor pflügte er gekonnt durch die Partie.

Großen Stimmklang brachte auch Federica Lombardi als Boccanegras (verlorene) Tochter und Adornos große Liebe Amelia auf die Bühne – ihr fehlt lediglich die Flexibilität, um wirklich zu berühren. Rund um das zentrale Trio: Attila Mokus als absolut überzeugender Paolo und Kwangchul Youn als solider Fiesco.

Zusammengehalten wurde das Drama auf der Bühne einerseits von der nach wie vor elegant funktionalen Inszenierung von Peter Stein, die dieser Tage ihre 100. Vorstellung feiert, und von Marco Armiliato am Pult des Staatsopernorchesters. Sein Verdi ist klug organisiert und umsichtig, klingt in jeder Phrase und gerät nie aus der Balance.

Was der Spielserie guttun wird, sind ein paar weitere Vorstellungen – damit sich die starken Einzelstimmen noch mehr zu einem Ensemble schmieden können, in dem nicht jede Figur nur die eigene, sondern alle eine gemeinsame Geschichte erzählen.

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