Am Wochenende haben die Wiener Festwochen den umstrittenen Tech-Milliardär Peter Thiel ausgeladen, nachdem sie ihn zuvor zu einer Debatte am 7. Juni eingeladen hatten. Die Begründung: Viele andere Teilnehmende hätten abgesagt, man habe viel Kritik bekommen. Das Vorgehen sorgt nun für Unmut bei der Wiener Opposition.
„Angekündigte Debatten absagen, weil sie linken Künstlern nicht gefallen – diese Art der Debattenkultur ist abzulehnen. Wenn sich die Wiener Festwochen allein als linke Echokammer verstehen wollen, brauchen wir sie schlichtweg nicht“, sagte etwa der Wiener ÖVP-Klubobmann Harald Zierfuß in einer Aussendung am Sonntag. „Für 13,6 Millionen Euro Steuergeld dürfen sich die Wienerinnen und Wiener erwarten, dass Veranstaltungen nicht einfach nach Belieben abgesagt werden – nur weil es ein paar Beteiligten so gefällt“, ergänzte Kultursprecherin Judith Edelmann (ÖVP).
Auch die Wiener Freiheitlichen kritisierten die Absage und sprachen von einem „demokratie- und kulturpolitischen Desaster“. Der Festwochen-Intendant Milo Rau agiere „wie ein durchgeknallter Egomane, dem es ausschließlich um die eigene Aufmerksamkeit geht“. Kultursprecher Lukas Brucker forderte die sofortige Absetzung Raus, die Rückforderung aller Fördergelder und einen künftigen Förderstopp. Auch SPÖ-Kulturstadträtin Kaup-Hasler sei „rücktrittsreif“.
Für 13,6 Millionen Euro Steuergeld dürfen sich die Wienerinnen und Wiener erwarten, dass Veranstaltungen nicht einfach nach Belieben abgesagt werden.
Judith Edelmann, ÖVP-Kultursprecherin
Intendant: „Nehme kritische Stimmen ernst“
Wie berichtet, wurde die geplante Veranstaltung mit dem umstrittenen Tech-Milliardär Peter Thiel am Samstag abgesagt. Zuvor hatte es eine öffentliche Debatte über die Teilnahme des US-Unternehmers im Wiener Theater Odeon gegeben. Thiel hätte am 7. Juni mit dem Theologen Wolfgang Palaver und Rau diskutieren sollen – unter dem Titel „Armageddon und Antichrist? Von der Theologie zur Realpolitik“. Der Trump-Finanzier prognostiziert immer wieder den Untergang der Erde, spricht von entgrenzter globaler Ordnung und drohenden Katastrophen, die „Antichristen“ nutzen würden, um die Macht an sich zu reißen.
Die Absagen anderer Teilnehmender aufgrund Thiels hätten die diesjährigen Festwochen geschwächt, teilten die Wiener Festwochen am Samstag mit. Konkrete Namen nannte das Team nicht. „Nicht um jeden Preis: Ich nehme die kritischen Stimmen sehr ernst. Aus meiner Verantwortung für das Gesamtprogramm musste ich mich leider gegen die geplante Veranstaltung mit Peter Thiel entscheiden, obwohl ich diese extrem spannend (...) gefunden hätte“, sagte Intendant Rau. Ein Beharren auf der Diskussionsveranstaltung „stünde im Widerspruch zu meiner Wertschätzung für unser künstlerisches Programm und allen daran Beteiligten“.
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