Sagen, Märchen und Mythen versuchen oft, Naturphänomene zu erklären. Für Erdbeben soll im Norden Italiens Orcul verantwortlich sein, also auch für das verheerende Beben 1976. Eine Spurensuche.
„Orcul hat eine Verbindung zur Unterwelt“, so Wilhelm Kuehs. Der Kärntner Schriftsteller ist ein Experte für Sagen- und Märchenfiguren. Orcul hat er in seinem Buch „Sagen aus Kärnten, Friaul und Slowenien“ (Verlag Styria – regional Carinthia) ein Kapitel gewidmet. Darin erzählt Kuehs von einem Geizhals, der in Bosco Romagno bei Rosazzo lebte, Unmengen von Geld anhäufte und dennoch nach mehr gierte. Er kaufte nicht einmal für sich selbst genug zu essen, sein Kind musste alte, abgetragene Kleider tragen. Da er seine eigene Tochter als Schmarotzerin und unnütze Esserin sah, wollte er sie reich verheiraten – oder noch besser: verkaufen. Und zwar an den schrecklichen Orcul. „Der Orcul war ein Bergriese, ein hässlicher und finsterer Geselle mit kräftigen Armen und Beinen wie Baumstämme. Sein Gesicht war tief zerfurcht wie die Rinde eines Baumes, und an seinen Fingern wuchsen ihm lange Krallen“, beschreibt Kuehs das Unwesen.
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