„Krone“-Kommentar

Adieu, Marcel! Sterben als persönlichster Moment

Kolumnen
05.06.2026 19:33

Die Nachricht kam Freitagmittag und traf mich mitten ins Herz, obwohl ich sie erwartet hatte. „Marcel ist bereits hinübergegangen.“

Marcels Geschichte begleitet mich und viele meiner Kolleginnen und Kollegen seit Mitte Mai. Letzten Sonntag haben wir sie nach eingehender Diskussion und im Einklang mit den publizistischen Richtlinien bei der Suizid-Berichterstattung mit unseren Leserinnen und Lesern geteilt.

Ein Mann unter 40 sitzt nach einem schweren Arbeitsunfall seit 13 Jahren im Rollstuhl, sein Zustand verschlechtert sich zusehends. Die Ärzte, die ihm vielleicht geholfen hätten, hat er nicht getroffen. Die Medizin, die er gebraucht hätte, hat er nicht bekommen.

Kommentiert aktuelle Momente für die „Krone“: Conny Bischofberger
Kommentiert aktuelle Momente für die „Krone“: Conny Bischofberger(Bild: Krone KREATIV/Eva Manhart)

Die große Stärke von Cannabis-Medizin ist ja, dass sie nicht nur Schmerzen lindert, sondern auch das Empfinden von Leid. Und was bleibt einem Menschen, für den sogar Essen Leid bedeutet?

Letzten Sommer entschloss Marcel sich schließlich zu einem begleiteten Suizid.

Nachdem die „Krone“ seine Entscheidung öffentlich gemacht hatte, folgte eine Welle großer Anteilnahme. Das Wiener AKH und die Katholische Kirche schalteten sich ein. Aber an Marcels Entscheidung änderte das nichts mehr.

Sterben ist der persönlichste Moment im Leben eines Menschen. Das Wichtigste ist, dass ein Mensch in diesem Moment nicht allein ist. Marcel war nicht allein, seine Frau und seine Familie standen ihm zur Seite.

Adieu, Marcel! Und viel Kraft, liebe Jenny.

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