Seit Jahresbeginn steht die Arbeit in vier burgenländischen Steinbrüchen still. Während die Prüfung der Behörden noch immer läuft, wird der Druck auf Beschäftigte und Betriebe immer größer.
Reinhard Kuktits hätte längst in Pension sein können. Nach Jahrzehnten im Steinbruch erfüllte er die Voraussetzungen der Schwerarbeiterregelung. Im Vorjahr entschied er sich dennoch, weiterzuarbeiten und noch einmal 15 Monate anzuhängen. Dass die Arbeit kurz darauf stillsteht, wusste er nicht. „Dass ich das noch erlebe, hätte ich mir nie gedacht“, sagt der 58-Jährige.
Seit Anfang des Jahres sind vier Steinbrüche behördlich geschlossen. Der Grund: Zusammen mit anderem Gestein soll hier natürlich vorkommendes Asbest abgebaut und das Material in weiterer Folge in den Vertrieb gebracht worden sein. Das Land setzte eine Taskforce ein, die nach Luftmessungen derzeit keinen akuten Handlungsbedarf sieht. Greenpeace fordert hingegen einen Aktionsplan und die rasche Entfernung von belastetem Schotter. Für die Beschäftigten ändert das allerdings nichts.
Behörden lassen sich mit Entscheidungen Zeit
„Wir wissen nicht ein und aus“, sagt Kuktits, der seit 38 Jahren im Steinbruch in Rumpersdorf arbeitet. Viele Kollegen sind inzwischen beim AMS gemeldet, andere verbrauchen ihren Urlaub. „Man kann nichts planen.“
Die Betreiber der Steinbrüche haben sich bisher nicht öffentlich geäußert. Auch vom Land gibt es keine konkrete Perspektive für die Mitarbeiter. Auf Anfrage der „Krone“ hieß es zuletzt: „Gegenstand des laufenden Verfahrens ist, ob eine Fortführung der Steinbrüche unter den aktuellen rechtlichen Rahmenbedingungen möglich ist und wenn ja, unter welchen Voraussetzungen.“ Ein Zeitrahmen wird nicht genannt.
Wenn es so gefährlich wäre in einem Steinbruch, dann würde keiner von uns hier freiwillig arbeiten.
Reinhard Kuktits (seit 38 Jahren im Steinbruch Rumpersdorf)
Damit bleibt die entscheidende Frage offen: wie es weitergeht. Die Unsicherheit reicht über die Belegschaft hinaus. „Da hängt ein ganzer Rattenschwanz dran“, sagt Kuktits. Frächter stehen, Baustellen warten auf Material. In einem Betrieb liegt Ware im Wert von rund 400.000 Euro bereit.
Im Steinbruch selbst bewegt sich nichts. Maschinen wurden im Dezember abgestellt und stehen seither unverändert. „Wenn du hineinfährst, ist alles wie tot.“
Kuktits verweist auf seine jahrzehntelange Arbeit im Steinbruch. Regelmäßige medizinische Untersuchungen hätten nie Auffälligkeiten ergeben. „Alle zwei Jahre müssen wir zum Lungenfacharzt. Bis heute hat keiner von uns etwas.“ Auch langjährige Kollegen seien gesund. „Da gibt es Leute, die Jahrzehnte neben dem Brecher gestanden sind. Die leben heute noch.“
Steinbruch-Mitarbeiter fordern endlich Klarheit
Der Stillstand ist für ihn schwer nachvollziehbar. „Wenn es so gefährlich wäre im Steinbruch, dann würde keiner von uns hier freiwillig arbeiten.“ Was er fordert, ist eine klare Entscheidung. „Sollen sie im Land endlich sagen, wie es für uns weitergeht“, sagt Kuktits.
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