Schrecklicher Verdacht im Mittel- und Südburgenland: In mehreren Steinbrüchen soll asbestbelastetes Material abgebaut und als Schotter für Streusplitt, Wege oder Friedhöfe in Vertrieb gebracht worden sein. Asbest ist stark krebserregend, die Behörden orten „Gefahr im Verzug“.
Gemunkelt worden sei deswegen immer wieder, heißt es hinter vorgehaltener Hand in einer der betroffenen Gemeinden. Der Staub, der vom Steinbruch mit dem Wind verbreitet wird, soll für Erkrankungen verantwortlich gewesen sein. Auch von Krebs ist die Rede, welcher die Folge des Abbaus sein soll. Bisher waren das alles nur Gerüchte und Gerede. Beweise gab es keine. Doch nun zeigt sich, dass an dem Verdacht tatsächlich etwas dran sein könnte.
Behörden stoppen den Abbau
Insgesamt vier Steinbrüche, einer im Bezirk Oberpullendorf und drei im Bezirk Oberwart, wurden mit sofortiger Wirkung behördlich geschlossen. Die jeweils zuständigen Bezirkshauptmannschaften haben per Mandatsbescheid die unverzügliche Einstellung des gesamten Gewinnungs-, Abbau- und Aufbereitungsbetriebes angeordnet. Der Grund: Zusammen mit anderem Gestein soll hier natürlich vorkommendes Asbest abgebaut und das Material in weiterer Folge in den Vertrieb gebracht worden sein.
Krebserregend und verboten
Asbest ist bekanntlich stark krebserregend. Schon geringe Belastungen können Erkrankungen auslösen. Bereits in den 1970ern wurde es als karzinogen eingestuft, seit den 1990er Jahren ist es verboten. Besonders gesundheitsschädlich ist das Einatmen von Asbestfasern, die etwa beim Abbau oder beim Schleifen des Materials entstehen können.
Deswegen erfolgt beispielsweise die Sanierung von belasteten Gebäuden unter Schutzvorkehrungen und ist entsprechend teuer. Gesundheitsgefährdend sind dabei vor allem lungengängige Fasern mit einer Länge von mehr als fünf Mikrometer und einer Breite von weniger als drei Mikrometer. In gebundener und fester Form gilt Asbest hingegen als ungefährlich.
Proben allesamt positiv
Seitens des Landes bestätigt man die behördliche Betriebseinstellung der vier Steinbrüche: „Grundlage für diese Maßnahme waren behördliche Überprüfungen gemäß § 175 Mineralrohstoffgesetz. In Folge wurden im November 2025 Material- und Bodenproben entnommen und durch ein Fachlabor untersucht. In sämtlichen untersuchten Proben wurde Asbest nachgewiesen.“ Aufgrund der vorliegenden Untersuchungsergebnisse könne eine Gefährdung der Gesundheit von Personen – vor allem besonders der Arbeitnehmer und Kunden – nicht ausgeschlossen werden, wird mitgeteilt.
Schließungen wegen „Gefahr in Verzug“
„Im vorliegenden Fall war ein sofortiges Handeln der zuständigen Behörden bei noch laufenden Verfahren erforderlich und die unverzüglich angeordneten unaufschiebbaren Maßnahmen wegen Gefahr im Verzug alternativlos. Die zugrunde liegenden Verwaltungsverfahren laufen vor diesem Hintergrund weiter.“ Die betroffenen Betriebe der Steinbrüche Pilgersdorf, Glashütten bei Schlaining, Bernstein und Badersdorf seien nun verpflichtet, ihre Kunden entsprechend zu informieren. „Die Steinbrüche bleiben bis zur behördlichen Feststellung der vollständigen Beseitigung der bestehenden Gefahrenlage geschlossen“, heißt es vom Land.
Als Straßensplitt verwendet?
Wofür genau das abgebaute – und womöglich belastete – Material verwendet und an wen es verkauft wurde, steht im Detail nicht fest. Zumindest ein Teil davon dürfte aber zu Streusplitt verarbeitet worden sein. Abnehmer sollen unter anderem die umliegenden Gemeinden gewesen sein. Aber auch von Schotter für Wege, Einfahrten und Gärten oder Friedhöfe ist die Rede. Es ist davon auszugehen, dass es seit Jahren ausgebracht wurde.
Alarmstimmung in betroffenen Gemeinden
Jetzt schrillen vielerorts die Alarmglocken. Auch weitere Betriebe könnten betroffen sein. Dem Vernehmen nach hängen rund 500 Arbeitsplätze an den Steinbrüchen. Unterdessen fragen sich viele in den betroffenen Gemeinden, ob sie in der Vergangenheit mit möglicherweise belastetem Material in Kontakt gekommen sind und welche Auswirkungen das haben könnte. Denn die Folgen treten meistens erst Jahre später auf – und dann ist es wohl nur mehr schwer möglich, die Ursache nachzuweisen.
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