Sorge um Gesundheit

Causa Asbest: „Das ist eigentlich schon kriminell“

Burgenland
05.03.2026 18:30

Wie groß ist die Gefahr durch Asbest im Südburgenland und anderen Orten, wo belastetes Material hingelangt ist? Eine Frage, die sich viele Betroffene  stellen – und auf die sie verschiedene Antworten erhalten.

Die Taskforce des Landes hatte zuletzt – wie berichtet – die ersten Ergebnisse der Luftmessungen veröffentlicht und entwarnt: Derzeit gebe es keinen akuten Handlungsbedarf. Greenpeace sieht dies anders. Der Richtwert von 1000 Fasern pro Kubikmeter Luft, an dem sich die Taskforce orientiert, sei zu hoch angesetzt, sagten der deutsche Umwelttoxikologe Norbert Weis und Stefan Stadler, Sprecher des Greenpeace-Investigativteams, am Donnerstag.

„Haben ein Problem“
Stadler fordert ein Limit von unter 500 Fasern pro Kubikmeter Luft. Dies sei jene Grenze, bei der Arbeiter bei Asbestbaustellen keinen Schutz mehr brauchen würden und sei auch in der ÖNORM M9405 angeführt. Bei den Messungen wurden Belastungen von bis zu 810 Fasern pro Kubikmeter festgestellt. Für Weis ein alarmierender Wert angesichts der feuchten Witterungsverhältnisse: „Wenn wir unter diesen Bedingungen schon etwas finden, haben wir ein Problem.“ Er rechnet mit einem deutlichen Anstieg, wenn es in den nächsten Wochen trockener wird.

Rasche Entfernung gefordert
Greenpeace drängt daher erneut darauf, dass belastetes Material wie Splitt oder Schotter umgehend entfernt wird, solange noch feuchte Witterungsverhältnisse bestehen. Er verstehe nicht, warum das noch nicht passiert sei, so Stadler. Andere, darunter auch einzelne burgenländische Gemeinden, hätten längst reagiert. Für die trockene Zeit befürchtet er „Schlimmstes“.

Die Luftmessungen werden voraussichtlich im April wiederholt.
Die Luftmessungen werden voraussichtlich im April wiederholt.(Bild: Stadtgemeinde Oberwart)

Erste Maßnahmen
Bei der Taskforce verweist man hingegen auf erste Maßnahmen und Empfehlungen. Die Steinbrüche seien gesperrt, was der wichtigste Schritt gewesen sei, so der Leiter der Taskforce, Umweltmediziner Hans Peter Hutter. Weiters sei an die Gemeinden bereits die Empfehlung ergangen, asbestbelastetes Material unter entsprechenden Schutzvorkehrungen zu entfernen. Beim Streusplitt habe man geraten, diesen nass abzusaugen und dabei eine FFP2-Maske zu tragen. Außerdem werde zurzeit erhoben, wo das belastete Material überall hingelangt ist.

Gegen Verunsicherung
Hutter warnt aber gleichzeitig vor einer Verunsicherung der Bevölkerung: „Was Greenpeace hier macht, ist überzogen.“ Hauruck-Aktionen, bei denen vielleicht ohne Schutzmaßnahmen Material entfernt wird, müssten vermieden werden. Es gehe darum, Maßnahmen zu setzen, die sachgemäß und klug durchgeführt werden, meint Hutter. Von Sperren bestimmter Plätze hält er wenig, nicht nur wegen der Symbolwirkung. Dann müsste man auch den Nationalpark Hohe Tauern sperren, weil dort Asbest vorkomme, so Hutter.

Richtwert dient der Orientierung
Der Richtwert von 1000 Fasern pro Kubikmeter basiert laut dem Umweltmediziner auf den WHO-Guidelines und dient nur der Orientierung. Auch wenn ein Wert darunter liege, werde man selbstverständlich Maßnahmen ergreifen, verspricht er. Das Ziel sei die Minimierung der Belastung. Eine Reduktion auf null sei aber aufgrund des natürlichen Vorkommens in dem Gebiet nicht möglich.

Besonders Steinbruch-Arbeiter gefährdet
Eine erhöhte Anzahl an Lungenkrebs-Erkrankungen im Vergleich zum Rest der Bevölkerung gebe es nicht. Das höchste Risiko hätten Arbeiter, die täglich mit Asbest in Kontakt kommen und eine Belastung von zehntausenden Fasern pro Kubikmeter hätten.

Bei Proben hat Greenpeace Asbest an mehreren Orten im Burgenland nachgewiesen.
Bei Proben hat Greenpeace Asbest an mehreren Orten im Burgenland nachgewiesen.(Bild: Greenpeace)

Keine Sorge bei Sport im Freien
Alle, die Sorge haben, vor die Tür zu gehen, beruhigt Hutter: Man könne weiterhin im Freien spazierengehen oder eine Runde laufen. Auch wenn Kinder beispielsweise mit asbestbelastetem Schotter gespielt hätten, müsse man sich als Elternteil keine Sorgen machen. Beispielsweise gehe von Autoabgasen ein genauso hohes Risiko aus, wie von Asbest.

Hätte früher gesperrt werden müssen?
Greenpeace übt aber auch Kritik an den Behörden und Steinbruchbetreibern. Die betroffenen Steinbrüche hätten bereits in den 1990er Jahren zugesperrt werden müssen, ist Stadler überzeugt. Offenbar habe es eine Reihe von „Scheingutachten“ gegeben. 2010 seien Messungen des Arbeitsinspektorats erfolgt, spätestens damals sei bekannt gewesen, dass die Asbestbelastung sehr hoch ist, so der Umweltschützer. Auch Weis erklärt, dass ja schon lange bekannt gewesen sei, was für ein Gestein in den Steinbrüchen abgebaut worden sei. Dieses als Schotter zu verbreiten, sei eigentlich schon fast „kriminell“.

Rat an betroffene Hausbesitzer
Allen, die belastetes Material vor der Haustür haben, rät Stadler, das Material abzudecken, die Baufirma zu kontaktieren und es zurückzuschicken. Die private Entsorgung von asbesthaltigem Material sei sehr teuer. Die Arbeit solle man unbedingt Professionisten überlassen. Wie gefährlich Asbest tatsächlich sei, wagte sich auch Greenpeace nicht eindeutig einzuschätzen. Man wisse auch nicht, ab der wievielten Zigarette man Lungenkrebs bekomme, so Stadler.

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