„Artemis II“-Mission

„Lehrbuch“-Landung der NASA-Astronauten geglückt

Wissen
11.04.2026 04:31

Die vier „Artemis II“-Astronauten Reid Wiseman, Victor Glover und Christina Koch sowie der Kanadier Jeremy Hansen sind um den Mond herumgeflogen, haben Rekorde aufgestellt und gesehen, was kein Mensch vor ihnen sah. In der Nacht auf Samstag fand ihre erfolgreiche Rückkehr zurück zur Erde statt. In der besonders heiklen Phase der Mission verlief alles nach Plan. 

Um kurz nach zwei Uhr früh wasserte die „Orion“-Kapsel im Pazifik, im Fachjargon nennt man dies „Splashdown“. Das Bergungsteam des Flugzeugträgers „USS John P. Murtha“ war mit Hubschraubern und Booten an der Landungsstelle. Speziell geschulte Navy-Kräfte kümmerten sich um die Bergung der Astronauten, auch medizinisches Personal war vor Ort.

Bis die vier Crewmitglieder allerdings die Raumkapsel verlassen konnten, dauerte es noch fast zwei Stunden. Zur Stabilisierung der auf dem offenen Meer treibenden Kapsel wurden ein Schlauch und eine schwimmende Außenplattform von Navy-Tauchern rund um „Orion“ gelegt.

Auf dieser Plattform warteten die Raumfahrer nacheinander auf den Abtransport via Hubschrauber. Tradition und Vorschrift folgend, verließ Commander Reid Wiseman als letzter die Kapsel. Auf Deck des US-Militärschiffes warteten nicht nur zahlreiche Willkommensgrüße auf die Astronauten, sondern auch umfangreiche medizinische Check-ups. Ersten Meldungen zufolge überstanden die vier Raumfahrer ihre Reise allerdings unbeschadet und bei bester Laune. 

Die heikelste Phase der Mission hatte kurz vor zwei Uhr früh MEZ mit dem  „Blackout“ begonnen, der sechs Minuten dauernde Funkverlust beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Aber alles lief nach Plan, der Hitzeschild hielt der Belastung stand. Auch das Wetter machte der NASA keinen Strich durch die Rechnung. 

Der Moment der Landung im Video: 

NASA jubelt über „Lehrbuch-Manöver“
Bereits während der Landung sprach man bei der NASA von einem „Lehrbuch-Manöver“, besser hätte es für die etwas krisengebeutelte US-Raumfahrtbehörde nicht laufen können. Gegen 1.35 Uhr war das „Integrity“-Modul, die Kommandokapsel, von der Servicekapsel, in der die Astronauten die letzten Tage gelebt hatten, getrennt worden. Dieses, von den Europäern gebaute Modul verbleibt im Weltraum. Auch das Ausrichtungsmanöver für den richtigen Eintrittswinkel wurde kurz danach erfolgreich durchgeführt. Nach dem Wiedereintritt öffneten sich die Fallschirme und die „Orion“-Kapsel landete wie geplant.  

Bilder der Landung und Bergung der Astronauten:

Die Astronauten beim Verlassen der Kapsel.
Die Astronauten beim Verlassen der Kapsel.(Bild: AFP/-)
Die „Orion“-Kapsel im Pazifik nach der Landung. Speziell geschulte Bergungsteams warteten ...
Die „Orion“-Kapsel im Pazifik nach der Landung. Speziell geschulte Bergungsteams warteten bereits vor Ort auf die Astronauten.(Bild: NASA)
Der Moment der Landung im Pazifik
Der Moment der Landung im Pazifik(Bild: AP/Bill Ingalls)
Das Spektakel hatte auch Zuschauer angezogen. Auf der ganzen Welt verfolgten Menschen die ...
Das Spektakel hatte auch Zuschauer angezogen. Auf der ganzen Welt verfolgten Menschen die Landung.(Bild: AP/Gregory Bull)
(Bild: AFP/APU GOMES)
(Bild: AFP/APU GOMES)
(Bild: AFP/APU GOMES)
(Bild: AFP/APU GOMES)
(Bild: AFP/MARIO TAMA)
(Bild: AP/Gregory Bull)
(Bild: AFP/RONALDO SCHEMIDT)
(Bild: AFP/RONALDO SCHEMIDT)
(Bild: AFP/RONALDO SCHEMIDT)
(Bild: AFP/RONALDO SCHEMIDT)
(Bild: AFP/-)
(Bild: AP/AP ( via APA) Austria Presse Agentur)
Die „Orion“-Kapsel wurde erfolgreich vom Servicemodul ESM abgesprengt. Es lieferte während der ...
Die „Orion“-Kapsel wurde erfolgreich vom Servicemodul ESM abgesprengt. Es lieferte während der Mission Antrieb, Strom und Treibstoff. Das Modul wurde von Europäern gebaut.(Bild: AP/AP ( via APA) Austria Presse Agentur)
Bergungscrews auf dem Flugzeugträger „USS John P. Murtha“
Bergungscrews auf dem Flugzeugträger „USS John P. Murtha“(Bild: EPA/JOEL KOWSKY / NASA / HANDOUT)
Die Astronauten bei der Vorbereitung der Landephase
Die Astronauten bei der Vorbereitung der Landephase(Bild: EPA/NASA HANDOUT)
(Bild: AP/Gregory Bull)
(Bild: AP/Bill Ingalls)
(Bild: AP/Joel Kowsky)
Erstmals seit 1972 sind wieder Menschen in Richtung Mond gestartet. Im Rahmen der „Artemis ...
Erstmals seit 1972 sind wieder Menschen in Richtung Mond gestartet. Im Rahmen der „Artemis II“-Mission sind drei Männer und eine Frau an Bord einer „Orion“-Kapsel mit dem Raketensystem „Space Launch System“ vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral abgehoben.(Bild: AP/AP ( via APA) Austria Presse Agentur)

Für Glover, Koch und Wiseman war es der zweite Flug ins All gewesen, für Hansen der erste. Koch wurde zur ersten Frau, Glover zum ersten nicht-weißen Menschen und Hansen zum ersten Kanadier an Bord einer Mondmission der NASA.

NASA-Chef Jared Isaacman hatte zuvor am Freitag der „Artemis 2“-Crew zur Umrundung des Mondes auf X gratuliert und gab gleich zu bedenken: „Diese Mission ist erst dann beendet, wenn sie sicher an Fallschirmen im Pazifik gelandet ist.“ 

Hitzeschild musste extremen Temperaturen standhalten
Tatsächlich stand den vier Astronauten nach einhelliger Ansicht von Experten die risikoreichste Phase der gesamten Mission bevor. Der Hitzeschild der „Orion“-Kapsel musste extremen Temperaturen beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre standhalten. Andernfalls hätte das historische Vorhaben der NASA am Ende in einer Katastrophe enden können.

Nachdem sich die Kapsel mit den vier Astronauten bis auf 406.771 Kilometer von der Erde entfernt und damit einen neuen Rekord aufgestellt hatte, hatte am Ostermontag der Rückflug zur Erde begonnen.

NASA-Offizielle waren allerdings bereits im Vorfeld davon ausgegangen, dass der Hitzeschutzschild seine Bewährungsprobe bestehen würde, während ehemalige NASA-Ingenieure, Ex-Astronauten und externe Experten Zweifel angemeldet hatten. Sie forderten im Vorfeld explizit eine weitere unbemannte Testmission, doch die NASA hatte dies abgelehnt. 

Grafik: So lief die geplante Rückkehr zur Erde ab

Die Erklärgrafik zeigt die Rückkehr der NASA-Mission Artemis 2 zur Erde. Die Flugbahn beginnt mit dem Start in Florida, führt zur Umrundung des Mondes und endet mit der geplanten Landung im Pazifik nach etwa zehn Tagen. Die Landung erfolgt durch Abtrennung des Crew-Moduls, Eintritt in die Atmosphäre mit rund 38.000 km/h und Wasserung an Fallschirmen. Quelle: APA/dpa.

Bei Vorgänger-Testmission gab es Probleme am Hitzeschild der Kapsel
Der Grund für das heiß diskutierte Thema: Die NASA hatte erst mit fast eineinhalbjähriger Verspätung eingeräumt, dass es bei der unbemannten „Artemis I“-Mission 2022 an mehr als 100 Stellen zu Rissen, Abplatzungen und einem ungleichmäßigen Abbrand beim Hitzeschild gekommen war. Gase, die beim Verdampfen des Hitzeschildmaterials entstanden, konnten nicht richtig entweichen, bauten Druck auf und führten zu Materialabtrag. Der Schild hatte zwar seine Schutzaufgabe erfüllt, aber die Schäden waren größer als erwartet. Ein Bericht eines Gutachterteams war an einigen Stellen geschwärzt, woraufhin der NASA ein Mangel an Transparenz vorgeworfen wurde.

Für die jetzt zu Ende gegangene „Artemis II“-Mission wurde jedoch keine Neukonstruktion des Hitzeschilds in Auftrag gegeben, da dies sehr teuer gewesen wäre und die Mission um Jahre verzögert hätte. Nun wird man die Auswertung der Landung abwarten müssen, bei der die Schäden genau erhoben werden. 

Zitat Icon

Der Hitzeschild muss funktionieren, es gibt keine zweite Chance, keinen Plan B.

Jared Isaacman, Amerikas oberster Raumfahrtchef, vor der Landung

„Motiviertes Wunschdenken“: Kritiker gingen auf NASA los
Die Flugroute zum Wiedereintritt gegenüber „Artemis I“ war mit einem steileren Einstieg und damit kürzerer Belastungsphase geändert worden. Laut NASA sei die Belastungszeit bei hohen Temperaturen von 14 auf acht Minuten gesenkt worden. Kritiker wie der Ex-Astronaut Charlie Camarda, der 2005 mit dem Space Shuttle unterwegs war, hatten die Entscheidung allerdings als verrückt bezeichnet. Selbst begrenzte Abplatzungen würden ein Totalversagen riskieren. Die Kritiker unterstellen der NASA „motiviertes Wunschdenken“ zugunsten des „Artemis“-Zeitplans. Die US-Weltraumbehörde ziehe nicht die richtigen Schlüsse aus früheren Katastrophen, hieß es.

Spektakuläre Bilder von der „Artemis 2“-Mission:

(Bild: AP/AP ( via APA) Austria Presse Agentur)
(Bild: AP/AP ( via APA) Austria Presse Agentur)
(Bild: AP/AP ( via APA) Austria Presse Agentur)
(Bild: NASA)
(Bild: AP/AP ( via APA) Austria Presse Agentur)
(Bild: AP/AP ( via APA) Austria Presse Agentur)

So zerbrach 2003 das Space Shuttle Columbia beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre, weil durch ein Loch in der Tragfläche heißes Plasma in den Flügel eindrang und die Aluminiumstruktur schmolz. Die sieben Astronauten an Bord starben. Bei der Katastrophe des Space Shuttle Challenger 1986 starben ebenfalls sieben Astronauten, als die Raumfähre 73 Sekunden nach dem Start explodierte, weil ein Dichtungsring am Booster versagte und heiße Verbrennungsgase austraten.

„Artemis III“-Mission im kommenden Jahr geplant
Die Kritiker argumentieren, dass bei der „Artemis I“-Mission unerwartete Schäden ermittelt wurden, sie aber als „akzeptabel“ eingestuft werden, anstatt das Hitzeschildmaterial grundlegend zu ändern. Das ist erst mit der „Artemis III“-Mission im kommenden Jahr geplant.

Oberflächentemperaturen von mehr als 2700 Grad
Derzeit hat die „Orion“-Kapsel einen sogenannten ablativen Hitzeschild aus jenem Avocat-Material, das schon beim „Apollo“-Programm verwendet wurde. Es handelt sich um ein Material, das bei extremer Hitzebelastung kontrolliert „abbrandet“ und dabei eine schützende Schicht bildet und Wärme durch Gase und Verdampfung ableitet. Das Material soll Oberflächentemperaturen von mehr als 2700 bis 2800 Grad Celsius aushalten, wie sie beim Wiedereintritt aus einer Mondmission auftreten. Beim Space Shuttle oder der Dragon-Crew-Kapsel von SpaceX liegen die Oberflächentemperaturen beim Hitzeschild mit etwa 1600 Grad Celsius erheblich niedriger, weil sie aus geringerer Höhe mit einer niedrigeren Eintrittsgeschwindigkeit in die Atmosphäre eintauchen.

Bisher zwölf US-Amerikaner auf dem Mond
Der erste Mensch auf dem Mond war am 20. Juli 1969 Neil Armstrong. Als bis dato letzter Mensch verließ im Dezember 1972 der 2017 gestorbene NASA-Astronaut Eugene Cernan mit der „Apollo 17“-Mission den Erdtrabanten. Insgesamt brachten die USA als bis dato einziges Land mit den „Apollo“-Missionen zwischen 1969 und 1972 zwölf Astronauten auf den Mond.

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