Die vier Astronauten – die US-Amerikaner Reid Wiseman, Victor Glover, Christina Koch und der Kanadier Jeremy Hansen – werden für immer in den Geschichtsbüchern stehen. Als sie am Sonntag den Mond in der Raumkapsel Orion „Integrity“ umrundeten, stellten sie einen Rekord auf: Mit rund 406.778 Kilometern Entfernung zur Erde flogen sie weiter weg als je ein Mensch zuvor und übertrafen den bisherigen Rekord von „Apollo 13“ (1970, 400.171 km). Nun sind sie wieder auf ihrem Weg zurück und werden als Helden am Samstag um 2.07 Uhr (MESZ) heimkehren.
Es war wahrlich eine spektakuläre Mond-Nacht. Am Montag um Punkt 19.57 Uhr (MESZ) war es so weit: Unter Freudentränen stellte die Crew fest, dass sie sich bereits mehr als 400.171 Kilometer von der Erde entfernt und damit den 1970 aufgestellten Rekord der „Apollo 13“-Mission geknackt hat.
„Heute überschreitet ihr für die gesamte Menschheit diese Grenze“, richtete die NASA-Ingenieurin und Astronautin Jenni Gibbons im Kontrollzentrum Houston an die Crew. Die Mission ist ein entscheidender Testflug und bereitet den Weg für die erste geplante Mondlandung seit „Apollo 17“ im Jahr 1972 vor. Diese soll laut NASA allerdings erst 2028 stattfinden – auf dieser Mission war keine Landung vorgesehen.
Trump will Astronauten im Weißen Haus empfangen
US-Präsident Donald Trump gratulierte den vier Astronauten der „Artemis 2“-Mondmission und lud sie nach ihrer Landung auf der Erde zu einem Empfang ins Weiße Haus ein. „Ich freue mich darauf, euch im Oval Office zu sehen“, sagte Trump während einer Live-Schaltung mit der Crew. „Wie ihr wisst, war ich auch ziemlich beschäftigt in letzter Zeit, aber wir werden die Zeit finden.“
Bei dieser Gelegenheit werde er sie auch um ihre Unterschriften bitten, sagte der US-Staatschef weiter. Das mache er nicht oft – „aber ihr seid wirklich etwas ganz Besonderes“. Unter anderem wollte der Republikaner wissen, wie es sich angefühlt habe, eine Zeit lang planmäßig ohne die Möglichkeit der Kommunikation mit dem Kontrollzentrum hinter dem Mond unterwegs zu sein. Glover schilderte: „Ich habe ein kleines Gebet gesagt, aber dann musste ich weitermachen“. Er fügte hinzu: „Wir waren hier sehr beschäftigt und es war eigentlich sehr schön.“
Auf dem Weg in der Mond-Einflusssphäre
Die vier Raumfahrer waren am Mittwoch vom Kennedy Space Center in Florida gestartet und hatten die Kapsel rund 24 Stunden später erfolgreich in die Erdumlaufbahn gebracht. Montagfrüh, um 06.42 Uhr (MESZ), trat Orion in die Einflusssphäre des Mondes ein. Ab diesem Moment wirkte die Gravitation des Mondes stärker auf das Raumschiff als die der Erde, was die Crew auf das entscheidende Mond-Umrundungsmanöver vorbereitete.
Die Kapsel passierte den Mond aus einer Entfernung von rund 6550 Kilometern, wodurch die Astronauten die Erde und den Mond gleichzeitig sehen konnten – ein Ausblick, den bisher kein Mensch genießen durfte.
Entdeckung neuer Krater auf der Rückseite
Während des Flybys fotografierte die Crew hochauflösend bisher unbekannte Regionen der Mondrückseite. Einen besonders auffälligen Krater tauften sie „Carroll“ zu Ehren der an Krebs verstorbenen Ehefrau von Kommandant Wiseman. Außerdem dokumentierten sie den Orientale-Krater, auch als „Grand Canyon des Mondes“ bekannt.
„Es ist ein ganz besonderes Kratergebiet, und bis heute hatte es tatsächlich noch kein Mensch gesehen“, berichtete Astronautin Koch in einer Sendung für Kinder in Kanada.
Bereits am Sonntag hatten die Astronauten die Erde und den Mond aus einer einzigartigen Perspektive fotografiert und ihre Eindrücke per Video an die NASA übermittelt, nachdem sie etwa zwei Drittel der Strecke zum Mond zurückgelegt hatten.
Funkstille, Sonnenfinsternis und historische Botschaften
Ein besonders dramatischer Moment war die rund 40-minütige Funkstille, während Orion hinter dem Mond verschwand. Die Crew musste in völliger Isolation arbeiten, ohne Kontakt zu Mission Control. Später beobachteten sie eine totale Sonnenfinsternis aus dem All, bei der der Mond die Sonne vollständig verdeckte – ein einmaliges Naturschauspiel für wissenschaftliche Analysen der Sonnenkorona. „Das ist nach wie vor völlig irreal“, kommentierte Glover. „Wow, es ist unglaublich.“ Menschen seien wahrscheinlich noch gar nicht entwickelt dafür, so etwas zu sehen. „Es ist wirklich schwer zu beschreiben. Es ist unglaublich.“ Wiseman bat das Kontrollzentrum um „20 neue Superlative“.
Auf ihrem Flug erhielten die Astronauten außerdem eine historische Nachricht von Jim Lovell, der an den Apollo-8- und Apollo-13-Missionen teilgenommen hatte und inzwischen verstorben ist. „Es ist ein historischer Tag, und ich weiß, wie beschäftigt ihr sein werdet, aber vergesst nicht, die Aussicht zu genießen“, sagte Lovell in der vor seinem Tod aufgezeichneten Botschaft.
Pioniere der neuen Artemis-Generation
Die vier Astronauten erleben die Mission unterschiedlich: Für Wiseman, Glover und Koch war es der zweite Flug ins All, Hansen flog erstmals. Koch ist die erste Frau auf einer NASA-Mondmission, Glover der erste schwarze Astronaut, Hansen der erste Kanadier. Trotz der intensiven Mission feierten sie Ostern in der Kapsel, mit improvisierter dehydrierter Eierspeise in der beengten Kabine, die in etwa so viel Platz bietet wie zwei Minivans.
Nach Rundflug direkt zur Erde zurück
Nach der Mondumrundung tritt Orion die etwa viertägige Rückkehr zur Erde an – auf einer freien Rückkehrbahn, allein durch die Gravitation des Mondes gesteuert, ohne zusätzlichen Antrieb. Für die NASA ist „Artemis II“ ein entscheidender Test für zukünftige Missionen, insbesondere die geplante Mondlandung 2028. Damit baut die Behörde die Brücke von der Apollo-Ära zu einer neuen Generation bemannter Mondflüge.
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