Antarktis-Studie:

Lange Isolation fördert Misstrauen und Konflikte

Wissen
26.05.2026 08:03
Porträt von krone.at
Von krone.at

Wenn Menschen monatelang unter Extrembedingungen in einer kleinen Gruppe leben, wirkt sich das auf ihre Psyche aus. Das zeigt eine Studie an der Besatzung einer entlegenen Antarktis-Forschungsstation. Längere Isolation könne Spannungen, Misstrauen und psychische Belastungen verstärken, heißt es darin.

An der Untersuchung haben sich Forschende mehrere Universitäten beteiligt, darunter Zürich, Bern und Würzburg. Betrachtet wurde die zwölfköpfige Besatzung der französisch-italienischen Antarktisstation Concordia, die an einem der entlegensten Orte der Erde auf etwa 3200 Metern Höhe liegt. Es ging um Teamdynamik, soziales Miteinander, Misstrauen und Einsamkeit. Die Besatzung lebte und arbeitete in völliger Abgeschiedenheit vom Rest der Welt, da im antarktischen Winter von Mitte Februar bis Mitte November kein Zugang möglich ist. Die zwölf Personen trugen Sensoren, die erfassten, wann sie sich wie lange mit wem trafen, und sie füllten mehrfach Fragebögen aus.

Einige Teammitglieder hätten nach ein paar Monaten geglaubt, dass andere über sie sprechen oder sie beobachten würden, berichtet der Würzburger Psychiater Sebastian Walther. Sie hätten angenommen, dass die anderen ihnen schaden wollten. „Wir haben in der Gruppe der Expedition deutliche Paranoia gemessen. Aber das ist natürlich weit entfernt von einem paranoiden Verfolgungswahn wie bei schweren psychischen Erkrankungen“, sagte Walther.

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Wir haben in der Gruppe der Expedition deutliche Paranoia gemessen.

Psychiater Sebastian Walther

„Bei längerer Isolation stärkt ständige Nähe Beziehungen nicht unbedingt, sondern kann viel mehr Spannungen, Misstrauen und psychische Belastungen verstärken“, teilten die Forscherinnen und Forscher mit. Personen, die viel Kontakt zu anderen gehabt hatten, berichteten häufiger von Konflikten, wachsendem Misstrauen und geringerer Leistungsfähigkeit. Denkbar sei, dass Einsame zwar vermehrt Kontakt suchen, dieser ihnen dann aber nicht ausreichend Unterstützung geboten habe, sagten Forschende der Universität Zürich.

Zusammenhalt und Leistungsfähigkeit gesunken
„Unter Extrembedingungen nehmen Einsamkeit, Misstrauen und Konflikte zu, während Zusammenhalt und Leistungsfähigkeit sinken“, fasste das Team der Universität Bern zusammen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sehen in den Ergebnissen wichtige Erkenntnisse für Langzeit-Weltraummissionen, beispielsweise zum Mond und Mars, aber auch für andere extreme Arbeitsumgebungen wie U-Boote. Es sei relevant, soziale Dynamiken früh zu erkennen und Teams gezielt zu unterstützen.

Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „PNAS“ („Proceedings of the National Academy of Sciences“) veröffentlicht.

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