Teure Everest-Rettung

Bergsteiger vergiftet? Skandal erschüttert Nepal

Ausland
07.04.2026 20:37
Porträt von krone.at
Von krone.at

Ein Milliardenbetrug in luftiger Höhe: Nepalesische Behörden haben ein Netzwerk von Tour- und Rettungsfirmen am Mount Everest aufgedeckt, das internationale Bergsteiger um Millionen geprellt haben soll. Laut einer Polizeiuntersuchung sollen zwischen 2022 und 2025 insgesamt 4782 ausländische Kletterer von den Machenschaften betroffen gewesen sein – sogar der Verdacht von absichtlichen Vergiftungen von Bergsteigern steht im Raum. 

Durch fingierte medizinische Notfälle und unnötige Helikopter-Einsätze sollen die Verantwortlichen fast 20 Millionen US-Dollar (rund 18,5 Millionen Euro) von Versicherungen kassiert haben. Die Ermittlungen betreffen mittlerweile 32 Personen, darunter Tour-Operator, Rettungskoordinatoren, Krankenhausleiter, Ärzte und Bergführer. 11 von ihnen wurden bereits festgenommen. Laut der nepalesischen Polizei wurden mehr als 300 Fälle sogenannter „Fake-Rescues“ aufgedeckt.

Dabei wurden Notfälle vorgetäuscht, medizinische und Flugdokumente gefälscht sowie Rettungskosten massiv überhöht – etwa indem mehrere Personen wie Einzelpassagiere abgerechnet wurden.

Die Besteigung des höchsten Gipfels der Erde ist ohnehin schon ein kostspieliges Unterfangen – ...
Die Besteigung des höchsten Gipfels der Erde ist ohnehin schon ein kostspieliges Unterfangen – auf dem Dach der Welt sollen trotzdem einige Taschen noch ordentlicher gefüllt worden sein.(Bild: APA/AFP/Lakpa SHERPA)

Systematischer Betrug im Trekking-Business
Der „Independent“ berichtet, dass die Betrüger ein System aufgebaut hätten, das sämtliche Akteure des Trekking-Business einbezog – von Sherpas über Helikopter-Betreiber bis hin zu Klinikmanagern. Die Polizei bezeichnete den Skandal als Schaden für „Nepals nationales Ansehen und internationale Reputation“.

Gift-Vorwürfe ohne Beweise
Ein besonders beunruhigender Aspekt, der zunächst Schlagzeilen machte, war der Vorwurf, Bergführer hätten Essen mit Backpulver oder Medikamente gemischt, um die Kletterer krank zu machen und so Rettungseinsätze zu erzwingen. Allerdings weisen spezialisierte Bergsteiger-Medien wie etwa das „Climbing Magazine“ und „Outside Online“ darauf hin, dass die Ermittlungsakten keinerlei forensische Beweise für tatsächliches Vergiften enthalten.

Das nepalesische Central Investigation Bureau erklärte gegenüber „Climbing“, dass während der bisherigen Untersuchungen keinerlei Hinweise auf Giftmischungen gefunden worden seien. Auch in der offiziellen 748-seitigen Anklageschrift taucht laut dem Magazin kein Vorwurf auf, dass ein Angeklagter aktiv versucht habe, Kunden krank zu machen.

Fokus auf Versicherungsmissbrauch
Die Beweise konzentrieren sich klar auf den Versicherungsmissbrauch: gefälschte Rettungs- und Krankenhausdokumente, manipulierte Fluglisten und umfangreiche Screenshots und Nachrichten, die zeigen, wie Rettungsflüge für nicht-notwendige Fälle abgerechnet wurden.

Nur ein einziger Angeklagter, der Sherpa Tenzing, soll in direktem Kontakt mit einer Kundin gestanden haben – auch hier gibt es keine Anklage wegen Vergiftung.

Experte warnt vor Panikmache
Simon Calder, Reisejournalist beim „Independent“, betonte: „Die überwiegende Mehrheit der Menschen und Organisationen im nepalesischen Tourismus arbeitet ehrlich und möchte das bestmögliche Erlebnis bieten. Es ist wichtig, sich vor einer Reise auf verlässliche Empfehlungen zu stützen.“

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