Kultur-Knalleffekt

Karin Bergmann übernimmt Salzburger Festspiele

Kultur
07.04.2026 13:02

Die Salzburger Festspiele bekommen ihre erste Intendantin: Die ehemalige Burgtheater-Direktorin Karin Bergmann springt interimistisch für den nach unschönen Querelen von Bord gegangenen Markus Hinterhäuser ein. Die Entscheidung für die erste Intendantin fiel im Festspiel-Kuratorium einstimmig. 

Es ist eine auf vielfache Weise denkwürdige Entscheidung. An die Spitze der Salzburger Festspiele tritt nun ausgerechnet jene Frau, die den Abgang von Markus Hinterhäuser als Intendant in Salzburg – zumindest indirekt – ins Rollen gebracht hat. Denn dieser Abgang entzündete sich an der Nachbesetzung der Schauspielleitung des Festivals. Hinterhäuser hatte sich dabei im Jänner medial für Karin Bergmann als Salzburgs neue Schauspiel-Chefin ausgesprochen – parallel zu einem offiziellen Ausschreibungsprozess, an dem Bergmann sich nicht beteiligt hatte.

Dieses Vorgehen sorgte für Verärgerung im Kuratorium der Festspiele. Dessen Vorsitzende, Landeshauptfrau Karoline Edtstadler (ÖVP) zeigte dem künstlerischen Leiter daraufhin „die Gelbe Karte“, sprach von einem Verstoß gegen eine in Hinterhäusers Vertrag verankerte „Wohlverhaltensklausel“. Der Streit eskalierte, bis Hinterhäuser vor Ostern mit sofortiger Wirkung beurlaubt wurde. Karin Bergmann ist mit sofortiger Wirkung für die Festspielsommer 2026 und 2027 bestellt.

„Ich übernehme diese Aufgabe mit großem Respekt vor ihrer Verantwortung und mit großer Anerkennung für die künstlerische Leistung von Markus Hinterhäuser“, sagt Bergmann. „Nun trage ich auch für mich selbst überraschend Verantwortung für die interimistische künstlerische Leitung der Salzburger Festspiele. Ich werde diese Aufgabe auf meine Weise und mit meiner eigenen Erfahrung wahrnehmen, zugleich aber mit großem Respekt vor dem künstlerischen Profil, das die Salzburger Festspiele in den vergangenen Jahren gewonnen haben“, so die Interims-Intendantin. Besonders wichtig seien ihr dabei Sorgfalt, Verlässlichkeit und eine Kultur von Würde, Respekt und Vertrauen.

Mehr als nur Einspringerin
Mit Karin Bergmann übernimmt eine versierte Einspringerin das ins Chaos geratene Festival. Bereits im Jahr 2014 sprang sie interimistisch und ebenso kurzfristig an der Spitze des Wiener Burgtheaters ein, nachdem dessen Direktor Matthias Hartmann wegen eines Finanzskandals vor die Tür gesetzt wurde. Sie meisterte die Aufgabe in künstlerischer wie auch kaufmännischer Hinsicht mit Bravour. 

An der Spitze der Salzburger Festspiele ist sie nun ebenso die erste Frau als künstlerische Leiterin, wie sie es am Burgtheater war. Kulturinstitutionen in der Krise zu übernehmen und bereits (halb)fertige Programme ihrer Vorgänger zu verwalten und fertigzustellen, ist also so etwas wie ihr Spezialgebiet.

Top-Managerin mit Empathie
Salzburgs Landeshauptfrau Karoline Edtstadler (ÖVP) meint zur Entscheidung: „Mit Karin Bergmann haben wir eine versierte Kulturmanagerin für die Interimsintendanz gewinnen können. Sie ist nicht nur eine Persönlichkeit von herausragender künstlerischer Exzellenz, sondern auch eine Top-Managerin, die mit Empathie, Menschenkenntnis und viel Erfahrung sensibel, aber bestimmt die Weichen für die Zukunft stellen wird.“

Auch Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler streut Bergmann Rosen:  „Bergmann hat am Burgtheater sowohl künstlerische als auch geschäftliche Brillanz bewiesen. Als enge Vertraute des verstorbenen Claus Peymann ist sie auch in politischen Auseinandersetzungen um die Freiheit der Kunst eine versierte und zutiefst glaubhafte Person. Den Salzburger Festspielen wird sie mit diesem einzigartigen Mix von Qualitäten mit Sicherheit guttun.“

Karin Bergmann wurde 1953 im deutschen Recklinghausen geboren, 1986 kam sie als Pressesprecherin von Direktor Claus Peymann an das Burgtheater nach Wien, 1999 machte Klaus Bachler sie zur stellvertretenden Direktorin. Als dessen Nachfolger Matthias Hartmann in Folge des Finanzskandals 2014 gehen musste, wurde Bergmann erst interimistisch für zwei Saisonen, anschließend regulär als Direktorin bestellt. Mit Ende der Saison 2018/2019 verließ Bergmann die Burg. Seit 2022 leitet sie die Bereiche Schauspiel und Literatur der Salzkammergut Festwochen Gmunden.

Abwickeln und Frieden stiften
Bei den Salzburger Festspielen ist sie mit vielfachen Herausforderungen konfrontiert. Das Festival startet in gut drei Monaten und ist noch von Hinterhäuser programmiert. Bergmann wird es jedoch nicht nur abwickeln, sondern als Troubleshooterin unzählige kleine Nachjustierungen vornehmen müssen. Parallel dazu drängt die Zeit, den Festspielsommer 2027 fertig zu planen, das Programm dafür muss im Herbst stehen. Dazu gilt es, Ruhe in einen Betrieb zu bringen, der zuletzt nicht aus den Schlagzeilen kam.

Die formale Ausschreibung der dauerhaften Intendanz ab Herbst 2027 und der Präsidentschaft ab Jänner 2027 soll in den kommenden Wochen erfolgen.

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