Unschöner Abgang von Salzburgs Festspiel-Intendant: Markus Hinterhäuser ist abgetaucht, viele Fragen liegen unbeantwortet im Dunkeln, Interimsnachfolger ist auch keiner in Sicht.
Die Osterfestspiele Salzburg laufen prächtigst. Die Berliner Philharmoniker sind zum einstigen Karajan-Festival zurückgekehrt. Ihr Chefdirigent Kirill Petrenko ist einer der weltbesten, was mit „Rheingold“ und Mahlers „Achter“ eindrucksvoll bewiesen hat. Das Publikum jubelt überglücklich. Intendant Nikolaus Bachler hat bereits das Programm 2027 veröffentlicht, wenn die große Lise Davidsen in der „Walküre“ ihr Weltdebüt feiert.
Doch Ostern dauert nicht mehr lange. Und dann? Die anderen Festspiele haben ihre Führung verloren. Zur Erinnerung: Am Beginn stand nach argen Zerwürfnissen die Trennung von Marina Davydova, der von Hinterhäuser geholten Schauspielchefin.
Als er sich Ex-Burg-Direktorin Karin Bergmann als Nachfolgerin wünschte, obwohl die Stelle ausgeschrieben wurde, gab sich das Kuratorium brüskiert. Hinterhäuser wurde herbeizitiert, seine Verlängerung für ungültig erklärt. Wegen Nichterfüllung einer „Wohlverhaltensklausel“. Aber man bot ihm eine Gnadenfrist bis 2027 – um Zeit für die Nachfolge zu haben.
Salzburg sucht verzweifelt einen neuen Festspielchef
Dann platzte die Bombe: Der Intendant wurde spontan beurlaubt. Man staunt. Auch im Festspielinneren. Hier trifft man auf viel Unverständnis. Man hätte seit Jahren gewusst, wie der dünnhäutige, sich selten ein Blatt vor den Mund nehmende Hinterhäuser „funktioniert“. Warum plötzlich der Drang, ihn loszuwerden, in dieser Eile, ohne Ersatz? Ist etwas so Heftiges vorgefallen? Hinterhäuser ist abgetaucht, muss unter Aufsicht (!) sein Büro räumen.
Die Nachfolgesuche ist schwierig. Potenzielle Einspringer wie Nikolaus Bachler, Pfingstfestspiel-Leiterin Cecilia Bartoli, aber auch Konzerthaus-Chef Matthias Naske und Franz Welser-Möst haben abgewunken. Relevante Kandidaten wie Elisabeth Sobotka (Staatsoper Berlin), Matthias Schulz (Oper Zürich) oder Serge Dorny (Staatsoper München) stecken in Verträgen fest. Dass sogar Galerist Thaddaeus Ropac als Kandidat gehandelt wird, deutet auf Verzweiflung.
Doch ist der Posten überhaupt attraktiv? Die Vorlagen Hinterhäusers sind hoch, das Programm 2027 steht. Danach ist das Große Festspielhaus Baustelle, eine Ersatzspielstätte noch nicht gefunden. Die neue Schauspielleitung nicht bekannt, ebenso die Präsidentschaft.
Die vielen Künstler, die sich bis zuletzt für den Intendanten starkgemacht haben, scheinen abzuwarten. Selbst Philipp Hochmair, Jedermann von Hinterhäusers Gnaden, ist für die „Krone“ nicht erreichbar. Dafür meldet sich Davydova auf Facebook: „Ich beschließe, offen zu spielen, und was ich sage, ist nur ein Hundertstel dessen, was ich über den langen und zermürbenden Missbrauch erzählen könnte.“
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