Die sogenannten „Ewigkeitschemikalien“ sind längst verboten oder streng eingeschränkt – doch das Problem wächst weiter. Umweltchemiker warnen nun davor, dass sich die Belastung durch PFAS noch über Jahrzehnte ausbreiten könnte. Besonders alarmierend: Nicht nur bereits belastetes Grundwasser bereitet Sorgen, sondern vor allem kontaminiertes Erdreich, das als dauerhafte Quelle der Schadstoffe wirkt.
PFAS – per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen – wurden über Jahrzehnte unter anderem in Feuerlöschschäumen eingesetzt. Besonders betroffen sind dabei sogenannte AFFF-Löschschäume. Laut Helmut Burtscher-Schaden, Umweltchemiker bei Global 2000, liegt die eigentliche Gefahr häufig im Boden selbst.
Erdreich als langfristige Belastungsquelle
„Bei AFFF-Löschschäumen ist das Erdreich oft die eigentliche Langzeitquelle“, sagte Burtscher-Schaden. Über Jahre oder Jahrzehnte seien die Stoffe bei Übungen oder Einsätzen in Böden gelangt. Von dort würden PFAS langsam ausgewaschen und ins Grundwasser transportiert.
Das Problem sei daher nicht nur bereits belastetes Wasser, sondern vor allem der kontaminierte Untergrund, der wie ein Depot wirke und die Schadstoffe laufend weiter abgebe. Laut deutschem Umweltbundesamt könne es Wochen bis Jahrzehnte dauern, bis die langlebigen Stoffe im Grundwasser messbar werden.
Belastung könnte sich weiter ausbreiten
Im aktuellen Fall belasteter Hausbrunnen in Mannswörth in Niederösterreich wurde zwar betont, dass das Trinkwasser nicht betroffen sei. Dennoch warnt Burtscher-Schaden davor, dass sich bestehende Kontaminationen weiter ausbreiten könnten.
Betroffen sein könnten künftig auch Haus- und Nutzwasserbrunnen oder landwirtschaftliche Bewässerungssysteme. Langfristig könnten sogar Trinkwasserressourcen gefährdet werden. Über Jahrzehnte hinweg könnten sich sogenannte Grundwasserfahnen über mehrere Kilometer ausbreiten.
Dabei bewegen sich kurzkettige PFAS laut Experten schneller im Grundwasser als andere Stoffe wie PFOA oder PFOS.
Strenge Grenzwerte treten 2026 in Kraft
PFOA und PFOS zählen zu den gefährlichsten und am strengsten überwachten PFAS-Verbindungen. Beide Stoffe wurden in der EU bereits weitgehend verboten beziehungsweise stark eingeschränkt.
Mit der Umsetzung der EU-Richtlinie zur Trinkwasserqualität gilt in Österreich ab 12. Jänner 2026 ein Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter für die Summe von zwanzig bestimmten PFAS-Substanzen. Diese Werte wurden in bisher bekannten Altlasten – darunter auch Mannswörth – überschritten.
Behörden müssen bei Überschreitungen handeln
Werden die Grenzwerte überschritten, müssen laut EU-Kommission Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung gesetzt werden. Dazu könnten die Schließung belasteter Brunnen, zusätzliche Reinigungsverfahren oder Einschränkungen bei der Trinkwasserversorgung gehören.
Während für das kurzkettige PFAS TFA derzeit noch keine Grenzwerte bestehen, gelten für mehrere andere PFAS-Verbindungen bereits Höchstwerte in Lebensmitteln wie Fisch, Fleisch, Eiern oder Muscheln.
Krebsrisiko bei einzelnen Stoffen
Die Internationale Agentur für Krebsforschung bewertete 2023 die gesundheitlichen Risiken einzelner PFAS-Stoffe neu. PFOA wurde als „krebserregend für den Menschen“ eingestuft. Genannt wurden unter anderem Hinweise auf Nierenzell- und Hodenkrebs.
PFOS wurde als „möglicherweise krebserregend für den Menschen“ eingestuft. Die AGES verweist darauf, dass mögliche gesundheitliche Auswirkungen von PFAS weiterhin intensiv untersucht werden.
EU denkt über umfassendes Verbot nach
Die EU-Chemiebehörde ECHA sprach sich Ende März für ein weitreichendes Verbot der „Ewigkeitschemikalien“ aus. Ausnahmen hält die Behörde zwar in bestimmten Bereichen für sinnvoll, insgesamt seien die derzeitigen Regeln aber nicht ausreichend.
Die veröffentlichten Risikoanalysen sollen nun als Grundlage für einen möglichen Gesetzesvorschlag der EU-Kommission dienen.
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